25. September 2019 / 17:57 Uhr

Uta Pippig: Mit Gänsehaut durch das Brandenburger Tor beim Berlin-Marathon

Uta Pippig: Mit Gänsehaut durch das Brandenburger Tor beim Berlin-Marathon

Peter Stein
Märkische Allgemeine Zeitung
Uta Pippig gibt 2016 mit Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller (SPD) den Startschuss für den Berlin-Marathon.
Uta Pippig gibt 2016 mit Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller (SPD) den Startschuss für den Berlin-Marathon. © Verwendung weltweit
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Dreimal hat sie in ihrer Karriere den Berlin-Marathon gewonnen. Doch 1990, beim ersten Lauf nach der Maueröffnung, war alles ganz besonders für die Brandenburgerin Uta Pippig.

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Uta Pippig ohne ein Lächeln im Gesicht, das scheint unvorstellbar. Selbst nach 42,195 Marathon-Kilometern kann sie noch freundlich dem Publikum zuwinken und Kusshände in die jubelnde Menge werfen. So war es schon am 30. September 1990, als der Berlin-Marathon erstmals durch das Brandenburger Tor in den Ostteil führte. „Das wird immer ein besonderer Moment in meinem Leben bleiben“, erklärt „Miss Marathon“. „Diese Euphorie und das Wir-Gefühl in der jubelnden Menge, das ich damals gespürt habe, hat mich später durch alle Marathons getragen. Ich habe die Säulen sogar kurz angefasst, als wir durch das Brandenburger Tor gelaufen sind hinüber auf den Pariser Platz in Richtung Unter den Linden. Der Platz liegt zwar im Osten, aber da ist man als DDR-Bürger nie hingekommen. Denn da war ja die Mauer. Und nun stand da eine Menschenmenge und jubelte den Läufern zu. Es war so unglaublich und doch so überwältigend. Ich hatte zu tun, mich auf den Lauf zu konzentrieren.“

Denn Uta Pippig, das „nice East-German-Girl“, das hübsche Mädchen aus der DDR, legte nach dem Mauerfall eine Weltkarriere hin wurde in ihrer Wahlheimat USA mindestens so bekannt wie Eiskunstlauf-Doppel-Olympiasiegerin Katarina Witt. Wenn am Sonntag wieder 47 000 Frauen und Männer durch das Brandenburger Tor beim 46. Berlin-Marathon laufen, dann bekommt auch Uta Pippig, die in Petershagen (Märkisch-Oderland) aufgewachsen ist, wieder Gänsehaut und erinnert sich an die Geschehnisse vor 30 Jahren.

Fahnenflucht der Armeeangehörigen in den Westen

Als sich am 9. November 1989 die Mauer öffnete, trainierte die zweifache DDR-Marathon-Meisterin vom Armeesportklub Vorwärts Potsdam gerade in Kienbaum. Am nächsten Tag hatte die Medizinstudentin einen Termin bei ihrem Professor an der Humboldt-Uni. Sie war die einzige, die gekommen war, die anderen Studenten tummelten sich längst in Westberlin. Auch die Sportsoldatin wurde bald fahnenflüchtig, verließ mit ihrem Partner und Trainer Dieter Hogen am 5. Januar 1990 Potsdam, wo das Paar in Zentrum Ost wohnte und meist im Babelsberger Park im Schatten der Mauer trainierte. „Wir sind zunächst bei Bekannten in Stuttgart untergekommen“, erzählt der Coach. „Zu Mauerzeiten war der Berlin-Marathon für uns unvorstellbar, einzig nach Japan konnten wir. Da wir damals nicht wussten, ob die Mauer für immer offen bleibt, sind wir in den Westen gegangen und schlossen uns dem VfB Stuttgart an.“ Erst ein paar Monate später zog das Paar nach Berlin-Steglitz und trainierte im Grunewald.

Ein Buch über den "Lauf in die Freiheit"

Schon im April 1990 startete Uta Pippig in Boston, die Mutter aller Marathonläufe, und wurde hinter Olympiasiegerin Rosa Mota (Portugal) Zweite. 1994, 1995 und 1996 siegte Uta Pippig auf der Traditionsstrecke von Hopkinton nach Boston dreimal in Folge, dort lief sie 1994 ihre Bestzeit von 2:21:45 Stunden. Sie gewann auch in New York (1993) und in Berlin 1990, 1992 und 1995 dreimal. Das Paar Pippig/Hogen, das 1992 in die Wahlheimat Boulder/US-Bundesstaat Colorado – „weil es dort hervorragende Trainingsbedingungen gab“ – übersiedelte, zählt sich zu den Wendegewinnern. Durch ihre Laufprämien und Werbeverträge stieg Uta Pippig zur Lauf-Millionärin auf. „Ich hatte früh ausgesorgt.“ Für sie war das tatsächlich ein "Lauf in die Freiheit", wie der Titel ihres im Zielspurt befindlichen autobiografischen Buches lautet. "Dieses Freiheitsgefühl hatte ich wirklich bei meinen Läufen - und das hat mich getragen."

Berlin als erste Marathon-Adresse

Während Hogen (66) inzwischen wieder in Berlin wohnt und dort eine Marathon-Gruppe unter anderen mit Lisa Hahner betreut, ist Uta Pippig (54), die 2004 ihre aktive Karriere beendete und sowohl die deutsche als auch die amerikanische Staatsbürgerschaft besitzt, zumeist in den USA für ihre Firma und gleichnamige Stiftung „Take The Magic Step“ („Mach den ersten Schritt“) als Laufbotschafterin unermüdlich unterwegs, will Menschen zum sich überwinden und Sporttreiben animieren. Natürlich immer mit einem Lächeln erklärt sie in Vorträgen und Kolumnen, wie man auch als Laie 42,195 Kilometer schaffen kann.

Auch beim 46. Berlin-Marathon ist der Rat der Lauf-Ikone wieder gefragt. „Berlin steht heute in einer Reihe mit den Marathonrennen in New York, London und Boston“, sagt Hogen. Galten 1990 schon 25 000 – darunter einige tausend DDR-Bürger – als absolutes Limit, so sind es heute fast doppelt so viele. „In Berlin stimmt einfach alles. Die Strecke ist schnell, deshalb kommen die Topläufer. Die Organisation ist perfekt, viele Zuschauer und das Wetter ist meist marathontauglich“, schätzt Hogen ein. Für beide bleibt der Berlin-Marathon etwas ganz Besonderes, ein Fixpunkt ihres Lebens.

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