14. Mai 2019 / 06:00 Uhr

Ute Groth will DFB-Präsidentin werden: Das würde ich anders machen als Reinhard Grindel

Ute Groth will DFB-Präsidentin werden: Das würde ich anders machen als Reinhard Grindel

Stefan Döring
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Ute Groth (r.) möchte als Nachfolgerin von Reinhard Grindel DFB-Präsidentin werden.
Ute Groth (r.) möchte als Nachfolgerin von Reinhard Grindel DFB-Präsidentin werden. © imago images / Jan Huebner / dpa
Anzeige

Sie ist die Außenseiterin im Rennen um den mächtigsten Funktionärsjob im deutschen Fußball: Ute Groth von der DJK TuSA 06 Düsseldorf will die erste Frau an der Spitze in der 119-jährigen DFB-Geschichte werden. Mit dem SPORTBUZZER sprach die 60-Jährige über die Probleme des deutschen Fußballs, ihren Vorgänger Reinhard Grindel und die Idee hinter ihrer überraschenden Kandidatur.

Anzeige
Anzeige

Ute Groth möchte in 119 Jahren DFB-Geschichte die erste Frau an der Spitze des weltgrößten Fußballverbandes werden und hat sich als Nachfolgerin für den zurückgetretenen Präsidenten Reinhard Grindel beworben. Bis zum 26. Juli will sich der Deutsche Fußball-Bund auf einen Kandidaten einigen, gewählt werden soll am 27. September. Groth (60), Vereinsvorsitzende der DJK TuSA 06 Düsseldorf, sprach mit dem SPORTBUZZER über die Idee hinter ihrer Bewerbung.

SPORTBUZZER: Ute Groth, vor einigen Wochen haben Sie für Aufsehen gesorgt, weil Sie sich als DFB-Präsidentin beworben haben. Was ist seitdem passiert?

Ute Groth: Zwei Wochen ist gar nichts passiert – dann griff eine regionale Zeitung das Thema auf und es verbreitete sich ziemlich schnell. Ich habe inzwischen viel Zuspruch bekommen, viele Leute sagen, dass sie die Nase voll haben von der DFB-Führung. Das ist für sehr viele Leute Thema und die machen mir auch Mut, den Weg weiterzugehen. Es ist unglaublich viel was gerade passiert.

Gab es schon Kontakt zum DFB?

Nein. Ich habe aber kürzlich eine Rückmeldung aus unserem Kreisverband bekommen, dort war die Zustimmung sehr groß. Wie das an der Spitze gesehen wird? Da ist noch keiner auf mich zugekommen, aber da habe ich mich ehrlicherweise auch noch nicht getraut nachzufragen. Aber da muss was passieren, denn laut DFB muss ich ja zur Wahl vorgeschlagen werden. Aber abgesehen davon frage ich mich, was andere Leute, die da zuletzt so im Gespräch waren, für Qualifikationen für den Job an der Spitze des DFB haben?

Das sind die #GABFAF-Unterstützer

Profis, Promis, Amateure: Einige der #GABFAF-Unterstützer findest Du hier in der Galerie. Zur Galerie
Profis, Promis, Amateure: Einige der #GABFAF-Unterstützer findest Du hier in der Galerie. ©
Anzeige

Also gab es noch gar keine Reaktion vom DFB?

Ich habe Ende April eine schriftliche Rückmeldung bekommen, in der mir für die Bewerbung gedankt wurde mit dem Hinweis, dass sie an das Personalberatungsunternehmen Egon Zehnder weitergeleitet wurde, die nun eine qualifizierte Person suchen sollen. Das weitere Prozedere würde nun von Egon Zehnder geklärt. Mittlerweile liest man, dass die Agentur nun die Verbände, Sponsoren und Profivereine fragen soll, welches Anforderungsprofil denn nötig ist. Ich glaube, der DFB kommt nicht mehr damit durch, einfach eine Person hinzustellen und zu sagen: „Das wird der neue Präsident.“

Welche Qualifikationen haben Sie denn, diesen Job auszuüben?

Was hatten denn die Vorgänger für Qualifikationen im Fußballbereich? Der letzte DFB-Präsident brachte als Qualifikation das Amt eines Pressewarts beim Rotenburger SV mit. Ich habe zwölf Jahre Erfahrung in der Vereinsführung. Wir haben bei der DJK TuSA 06 Düsseldorf 1300 Mitglieder – das ist wahrlich nicht wenig. Da habe ich über die Jahre Netzwerke geknüpft, die Leute vom Verein begeistern können und einen ehrlichen Umgang gepflegt. Das ist genauso ein ehrenamtlicher Verein wie der DFB. Diese Erfahrungen sind aus meiner Sicht viel wert. Und der DFB vertritt schließlich in erster Linie 25 000 Amateurvereine und erst in zweiter Linie die Profis. Ich habe meine Bewerbung immer ernst gemeint, bin aber überrascht von dem Echo. Ich glaube, dass mir diese Erfahrung hilft.

"Ich gehe nicht davon aus, dass ich eine Chance habe, gewählt zu werden"

Die Öffentlichkeit könnte Ihre große Chance sein.

Ich gehe nicht davon aus, dass ich eine Chance habe, gewählt zu werden. Aber es wird öffentlich über das Amt geredet und ich habe den Eindruck, dass zumindest mal darüber nachgedacht wird, wie das Amt vergeben wird.

In Ihrer Agenda würde der Amateurfußball eine große Rolle spielen, wenn ich Sie richtig verstehe.

Auf jeden Fall. Ohne Amateursport gibt es keinen Profisport. Wir bilden die Leute aus, die irgendwann einmal bei den Profis ankommen. Zu uns kommen die Kinder an, die von den Profis begeistert sind. Die Amateurvereine haben aber ihre Probleme. Viele feiern oder feierten ihre 100. Geburtstage, dementsprechend alt ist oft auch die Infrastruktur. Wir zum Beispiel haben ein Vereinsheim von 1955. Das wurde damals mit drei Kabinen und zwei Duschen gebaut. Wir haben inzwischen aber 28 Mannschaften – Mädchen und Jungs. Das funktioniert nicht mehr, wir haben immer wieder Schimmelbefall, weil die Feuchtigkeit nicht mehr rausgeht. Und auch die Plätze: Die Stadt tut viel für den Fußball in Düsseldorf. Aber wir haben nur einen Rasen- und einen Kunstrasenplatz. Das ist zu wenig für unsere Mannschaften. Viele Sportvereine pfeifen mittlerweile aus dem letzten Loch. Viele Dinge, die den Amateursport am Laufen halten, werden rein ehrenamtlich gemacht. Und das muss der DFB endlich mal honorieren – auch mit finanzieller Unterstützung.

Mehr zum Grindel-Rücktritt

Das Geld beim DFB wäre da …

Es werden 150 Millionen Euro in die neue Akademie in Frankfurt investiert. Mit dem Geld hätte man einer Menge Vereine unter die Arme greifen können. Dort wird doch schließlich die Jugend ausgebildet – und nicht in der Akademie in Frankfurt.

"Was der DFB macht, ist eher von oben herab, als eine echte Kommunikation"

Haben Sie schon Ideen, wie Sie den Amateursport wieder in den Fokus rücken wollen?

Das ist noch schwer zu beantworten, denn ich habe keinen Einblick in die DFB-Strukturen. Ich sehe aber eine Menge Geld beim DFB und es werden ja auch Gelder verteilt – zum Beispiel in einem Amateursportprogramm, von Herrn Grindel mit aufgelegt. Aber dabei geht es eher um organisatorische Unterstützung der Vereine.Ich glaube, dass man die Summen gezielt besser mehr im Amateursport investieren könnte und nicht nur in Projekte, von denen die breite Masse der Vereine und Ehrenamtler wenig oder nichts hat.

50 ehemalige deutsche Nationalspieler und was aus ihnen wurde

Patrick Owomoyela, Benjamin Lauth, David Odonkor und Manuel Friedrich spielten für die deutsche Nationalmannschaft. Wir zeigen, was sie heute machen. Klickt euch durch! Zur Galerie
Patrick Owomoyela, Benjamin Lauth, David Odonkor und Manuel Friedrich spielten für die deutsche Nationalmannschaft. Wir zeigen, was sie heute machen. Klickt euch durch! ©

Sehen Sie sich als Vertreterin eines Amateurvereins vernachlässigt vom Verband?

Es gab 2017 mal ein Programm „Verein trifft Verband“. Das ist jetzt auch zwei Jahre her. Ansonsten gibt es immer wieder Kontakt mit den Kreis- und Landesverbänden. Aber da geht es eher um den neuen Strafenkatalog oder Passangelegenheiten . Es ist eher von oben herab als eine echte Kommunikation, die stattfindet. Von der Basis kommen sicherlich viele Anregungen, die oben beim DFB nicht gehört werden.

Worin sehen Sie denn die größten Probleme im deutschen Fußball?

Aktuell in der Ausbildung, jahrelang waren Straßenfußballer mit eigenem Kopf und Individualität nicht gefragt, sondern Passmaschinen, jetzt findet langsam ein Umdenken statt, in den Stützpunkten. Aber grundsätzlich hat der Fußball kein Problem, sondern viel Potential. Zwar müssen Vereine zumachen, aber die Mitgliederzahl steigt. Die Struktur verändert sich aktuell. Das liegt zum großen Teil daran, dass die Kinder heutzutage länger in der Schule sind. Da muss der DFB mithelfen, dass die Verzahnung von Schule und Verein besser gelingt – da kommt aber wenig bis nichts. Abgesehen vom Sport muss am Thema Rassismus gearbeitet werden. Und vor allem am Geldfluss – das fängt schon in der Bundesliga an. Die kleineren Bundesligavereine werden doch nie mit den großen mithalten können, dafür ist die Schere zu weit auseinandergegangen.

Lässt sich der Fußball überhaupt verändern?

Wenn es so weitergeht, wird der Fußball irgendwann uninteressant für den Zuschauer. Es wird zu teuer und man wird überfüttert. Fußball ist dann kaum mehr ein Ereignis, wie etwa ein klassisches Derby, das aber nur zweimal während der Saison stadttfindet .Dieses Problem müssen wir in den Griff kriegen. Und die Tendenzen, die auf europäischer Ebene überlegt werden – das macht unseren Sport nicht aus!

Die Amateurfußball-Initiative #GABFAF

"Wenn ich allein an Infantino denke, möchte ich da eigentlich nicht mitarbeiten"

Mit den Herren bei Uefa und Fifa würden Sie sich im Falle einer Wahl zur DFB-Präsidentin auseinandersetzen.

Das kann ich mir eigentlich nur schwer vorstellen. Wenn ich allein an Gianni Infantino denke, dann möchte ich da eigentlich nicht mitarbeiten. Der DFB hat aber aufgrund seiner Mitgliederstärke ganz andere Einflussmöglichkeiten, als die, die er aktuell nutzt, um auf Missstände und Verfehlungen hinzuweisen. Der DFB müsste das intensiver angehen, aber das ist in diesen Gremien ja immer eine Friede-Freude-Eierkuchen-Veranstaltung.

Reinhard Grindel wurde dafür kritisiert, dass er sich oft im Licht der Profis gesonnt hat. Würden Sie einen anderen Weg einschlagen?

Natürlich! Ich würde am 25. Mai zum Beispiel bei den Finalspielen der Ländesverbände vorbeigucken und nicht beim DFB-Pokalfinale. Ich würde auch dafür sorgen, dass Einladungen von Profivereinen an Präsidiumsmitglieder nach „unten“ verteilt werden. Die Ehrenkarten würden dann verdiente Vereinsverantwortliche bekommen. So würde jeder was von dem großen Kuchen abbekommen, schließlich wird unten die wichtige Arbeit geleistet.

Das #GABFAF-Manifest

Das Grundgesetz der Initiative: Im Manifest könnt Ihr nachlesen, wofür #GABFAF sich einsetzt. Direkt hier in der Galerie! Zur Galerie
Das "Grundgesetz" der Initiative: Im Manifest könnt Ihr nachlesen, wofür #GABFAF sich einsetzt. Direkt hier in der Galerie! © #GABFAF

Sie hatten einmal gesagt, dass mehr Frauen beim DFB in Entscheidungsämter gehören. Warum?

In der Mitgliederstatistik waren 2017 nur circa 15 Prozent Frauen und Mädchen. In den Regional- und Landesverbänden ist im Schnitt eine Frau in Entscheidungspositionen. Das geht damit überein, dass der Frauenfußball in Deutschland nicht richtig ernst genommen wird und viel mehr Unterstützung braucht – auf allen Ebenen. National steht der Frauenfußball doch nur bei den großen Turnieren im Fokus – wenn überhaupt. Wir haben bei uns in Düsseldorf ein Nachwuchsleisungszentrum für Mädchen gegründet. Innerhalb eines Jahres haben sich die Mitgliederzahlen von 80 auf 160 verdoppelt, weil wir sie ernst nehmen, fördern und sie ganz selbstverständlich ihren Sport ausüben können.

Wenn am 27. September Wahl ist: Werden Sie gewählt?

Ich muss das nicht werden. Ich will vor allem ein bisschen provozieren und eine gesunde Diskussion anregen. Wenn meine Bewerbung zu dem Ergebnis führt, dass sich beim Verband etwas ändert nach den vergangenen zehn Jahren, dann bin ich zufrieden. Es wird darüber gesprochen, was die Person an der Spitze des DFB mitbringen muss, wo die Reise hingehen muss. Ich möchte eine Veränderung erzielen.

ANZEIGE: 50% Rabatt auf 5-teiliges Trainingsset! Der Deal of the week im SPORTBUZZER-Shop.

Die aktuellen TOP-THEMEN
Anzeige
Sport aus aller Welt