24. Mai 2021 / 11:52 Uhr

Van Bommel statt Glasner in Wolfsburg: Die Frage ist nur noch "Wann und wie?"

Van Bommel statt Glasner in Wolfsburg: Die Frage ist nur noch "Wann und wie?"

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Wechselspiel: Mark van Bommel soll Oliver Glasner beim VfL Wolfsburg (r. Manager Jörg Schmadtke) ablösen.
Wechselspiel: Mark van Bommel soll Oliver Glasner beim VfL Wolfsburg (r. Manager Jörg Schmadtke) ablösen.
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Es ist fast alles geklärt: Trainer Oliver Glasner steht beim VfL Wolfsburg vorm Abschied, Mark van Bommel soll kommen. Offen ist noch, wie lange es bis zum Ende des aktuellen "Schwebezustands" (Manager Jörg Schmadtke) dauert.

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Mark van Bommel soll zur kommenden Saison Oliver Glasner als Trainer des VfL Wolfsburg ablösen. Es geht in dieser Personalfrage nicht mehr um das "ob", sondern nur noch um das "wie" und das "wann". Sowohl Glasner wie auch Manager Jörg Schmadtke wichen nach dem 2:3 im Saisonfinale gegen Mainz 05 von ihrer seit Wochen verfolgten Linie ab, immer wieder nur auf den noch bis 2022 laufenden Trainervertrag hinzuweisen. „Natürlich werden wir uns über verschiedenste Dinge unterhalten. Sollte sich an meiner persönlichen Situation etwas ändern, werden wir das zügig mitteilen“, sagte Wolfsburgs Noch-Trainer. Und Schmadtke sprach von einem "Schwebezustand", der einer "Klärung" bedarf.

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Darum wechselten die Trainer des VfL Wolfsburg

1997/98: Aufstiegstrainer <b>Willi Reimann</b> wurde im Team respektiert, herzlich war sein Umgang mit den Spielern nie. Nach der Winterpause wurden Risse sichtbar; als die WAZ enthüllte, dass Manager Peter Pander Reimanns Defizite im Umgang mit den Spielern ausgleichen sollte, war der Trainer sauer („Dann kann ich ja hinwerfen“), der VfL nahm die Aussage als Rücktritt. Uwe Erkenbrecher wurde für ein Spiel Interimscoach, dann folgte <b>Wolfgang Wolf</b>, der mit drei 1:0-Siegen in Folge startete. Zur Galerie
1997/98: Aufstiegstrainer Willi Reimann wurde im Team respektiert, herzlich war sein Umgang mit den Spielern nie. Nach der Winterpause wurden Risse sichtbar; als die WAZ enthüllte, dass Manager Peter Pander Reimanns Defizite im Umgang mit den Spielern ausgleichen sollte, war der Trainer sauer („Dann kann ich ja hinwerfen“), der VfL nahm die Aussage als Rücktritt. Uwe Erkenbrecher wurde für ein Spiel Interimscoach, dann folgte Wolfgang Wolf, der mit drei 1:0-Siegen in Folge startete. ©

Abfindung für Glasner und/oder eine Ablösezahlung von seinem neuen Verein, der Eintracht Frankfurt heißen könnte - das sind die Dinge, die bereits verhandelt werden, eine Einigung gibt es noch nicht. Beiden Seiten ist klar, dass ein allzu offensiv verkündeter Trennungswille die eigene Verhandlungsposition schwächt und bleiben darum entsprechend zurückhaltend. Bei Glasner klang das so: „Was ich jetzt sage, sind am Ende des Tages vielleicht nicht die richtigen Worte."

Am 28. Juni startet für die VfLer mit einem Corona-Test die Vorbereitung auf die kommende Saison, am 1. Juli ist Trainingsstart - und offizieller Dienstbeginn für einen neuen Coach. Vorher muss es eine Einigung mit Glasner geben, wie weit vorher, ist offen. Ein Zeitplan in dieser Frage, so Schmadtke gegenüber dem SPORTBUZZER, "würde nur für unnötigen Druck sorgen".

Bis dahin muss auch der Nachfolger auf Stand-by bleiben - aktueller Favorit ist Mark van Bommel. Der Ex-Bayern-Profi war Jugend- und Cheftrainer der PSV Eindhoven und ist im Moment ohne Verein. Als Co-Trainer arbeitete er zuvor für die Nationalteams von Australien und Saudi-Arabien sowie für die niederländische U17-Auswahl. Im vergangenen Herbst war der Schwiegersohn des Ex-Dortmund- und - Holland-Trainers Bert van Marwijk beim FC Utrecht im Gespräch, etwa zur selben Zeit soll es die ersten Kontakte nach Wolfsburg gegeben haben.

Die Mannschaft, die ein Glasner-Nachfolger dann vorfinden wird, dürfte dem aktuellen VfL-Kader stark ähneln. Um Top-Spieler wie Wout Weghorst gibt es zwar immer wieder Wechselgerüchte, angeblich will ihn nun José Mourinho zur AS Rom locken. Mourinho hatte bereits zu seiner Zeit bei Tottenham den Niederländer auf dem Zettel, konkret wurde das Interesse nicht. Und auch aktuell, so Schmadtke, gibt es keine Anfragen für den Torjäger.

Aus Weghorsts Heimatland könnte mit Linksfuß Micky van de Ven ein neuer Innenverteidiger zum VfL stoßen. Der 20-jährige Innenverteidiger des Zweitligisten FC Volendam gilt als Top-Talent. Schmadtke dementierte zwar, dass der Deal schon kurz vor dem Abschluss steht, bezeichnete den Spieler aber immerhin als "nicht unspannend".

Joao Victor steht derweil möglicherweise vor einem Wechsel in seine Heimat Brasilien. Flamengo Rio de Janeiro, der Klub der Ex-VfLer Diego und Bruno Henrique, ist interessiert. Victors Vertrag beim VfL läuft noch bis 2023, ein vorzeitiger Abschied sei möglich. "Das könnte eine offene Frage werden", so Schmadtke. Victors Abgang würde im Kader Platz für mindestens einen schnellen Offensiv-Außen machen - das ist ein Spielertyp, den die Wolfsburger weiterhin suchen. Mit Jeffrey Bruma (Vertrag lief aus) steht ein Abgang bereits fest.

Vorsichtig optimistisch ist Schmadtke in Sachen Maximilian Philipp. Der VfL würde den von Dinamo Moskau ausgeliehenen Offensiv-Mann, der drei der vier letzten Wolfsburger Saisontore erzielte, gern fest verpflichten. Die Frist für die Kaufoption über 11 Millionen Euro ließen die Wolfsburger verstreichen, würden den Preis gern so deutlich wie möglich unter 10 Millionen drücken. Die Gespräche laufen, eine baldige Einigung "könnte möglich sein", so Schmadtke, schränkt aber ein: "Ich sage das bewusst mit aller Vorsicht, weil Dinge manchmal komplizierter werden können als man glaubt."

Mit Aster Vranckx hat der VfL bereits einen hoch talentierten Mittelfeldspieler vom belgischen Erstligisten KV Mechelen für die neue Spielzeit verpflichtet, für weitere Transfers "nehmen wir uns den Juni über Zeit", wie Schmadtke sagt. "Es wird ein paar Veränderungen geben." Gute Lösungen mit eher jungen, entwicklungsfähigen Spielern zu finden, sei wichtiger als ein schneller Abschluss der Kaderplanung. "Wir werden allerdings auch nicht unbedingt bis Ende August warten."