10. Oktober 2021 / 06:40 Uhr

Van Bommels Wolfsburger 100-Tage Zeugnis: Zwei Zweien, eine Vier

Van Bommels Wolfsburger 100-Tage Zeugnis: Zwei Zweien, eine Vier

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Seit 100 Tagen VfL-Trainer: Mark van Bommel.
Seit 100 Tagen VfL-Trainer: Mark van Bommel. © dpa
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Seit dem Wochenende ist Mark van Bomml 100 Tage Trainer des VfL Wolfsburg. Wie fällt die erste Bilanz aus? Hier ist das 100-Tage-Zeugnis.

100 Tage - das ist ein Zeitraum, nach dem man gern erste Zwischenbilanzen zieht. Genau diese 100 Tage ist Mark van Bommel seit dem Wochenende Trainer des VfL Wolfsburg. Weil zudem die Bundesliga in diesen Tagen pausiert, bietet sich ein Blick auf das bisherige Wirken des Niederländers geradezu an. Wie war’s, wie läuft’s, wie geht’s weiter? Hier ist das 100-Tage-Zeugnis.

Sportliche Bilanz

Nach Testspielpleiten und dem Wechselfehler im Pokal-Aus war der Druck früh groß - und der VfL hielt ihm unter van Bommel stand. Vier Siege gab es in den ersten vier Liga-Spielen, so gut ist in der Wolfsburger Profifußball-Ära noch kein Übungsleiter gestartet. Nach sieben Spieltagen ist der VfL mit 13 Zählern aus sieben Spielen Fünfter, liegt damit angesichts seines Saisonziels (Platz unter den ersten Sechs) im Soll. In der Champions League ist nach zwei Unentschieden in zwei Spielen quasi noch nichts passiert, hier werden erst die beiden anstehenden Partien gegen Salzburg die Richtung weisen. Klingt alles gut - wenn da nicht der Trend wäre: Dass der VfL die letzten fünf Pflichtspiele allesamt nicht gewonnen hat, es in der Bundesliga zuletzt zwei Pleiten gab, nährt den Verdacht, dass der gute Start vor allem an (form)schwachen Gegnern lag. Darum steht hier statt einer möglichen 2 nur die Note 3.

Spielstil

Gutes bewahren, Neues hinzufügen - und dann soll man erkennen, dass das Spiel seine Handschrift trägt. Mit diesem Ziel ist van Bommel gestartet, und hat es nach zehn Pflichtspielen bereits erreicht. Wolfsburgs Spiel sieht anders aus als in der Vorsaison, die Mannschaft hat häufiger den Ball, entwickelt aus diesem Ballbesitz heraus Offensivaktionen - und ist dennoch auch in der Lage, mit hohem Pressing und schnellem Umkehrspiel Gefahr zu erzeugen. Die Zahlen dazu: Nur Bayern und Dortmund (je 59 Prozent) haben in der Liga mehr Ballbesitz als der VfL (55). Und nur Aufsteiger Bochum lief insgesamt weniger Kilometer als die Wolfsburger. Bei den Sprints und den intensiven Läufen waren die Niedersachsen in der Vorsaison noch führend, jetzt liegen sie im Mittelfeld. Heißt vereinfacht gesagt: Wer häufiger den Ball hat, rennt ihm seltener hinterher.

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Was weniger gut funktioniert, ist die Offensive: Mal links, mal rechts, mal auf der Bank - für Luca Waldschmidt, Renato Steffen und Co. gibt’s viel Rotation, die Reihe hinter Mittelstürmer Wout Weghorst ist noch nicht eingespielt, was allerdings auch nach wenigen Trainingswochen kaum verwundert. Und so ist van Bommels Spielanlage zwar klar zu erkennen, aber im Angriff noch viel zu uneffizient. 98 Torschüsse zählen die Liga-Statistiker für Wolfsburg in dieser Saison, das ist Rang acht im Liga-Vergleich. Und die Quote der Chancenverwertung (9,2 Prozent, Rang neun) reißt es auch nicht raus. Unterm Strich ist das zu diesem frühen Saisonzeitpunkt alles ausreichend - aber eben auch (noch) nicht mehr, darum Note 4.

Team-Stimmung

Der Trainer kommt in der Kabine an, keine Frage. „Er ist menschlich und fußballerisch ein Top-Trainer“, urteilte etwa Maximilian Arnold. „Ein Trainer, der nah an den Spielern ist, der ab und an auch mal einen Witz macht“,beschreibt Josuha Guilavogui. Und Co-Trainer Kevin Hofland verriet: „Es kann schon mal passieren, dass es laut wird. Aber das gehört doch dazu und ist gut.“ Die Profis schätzen die Gradlinigkeit ihres Trainers, der zudem sehr kommunikativ ist - und im Gegensatz zu seinem Vorgänger auch mit denen spricht, die sportlich nicht gerade erste Wahl sind. Öffentliche Kritik an seinen Spielern äußert äußert van Bommel selbst dann nicht, wenn es - wie etwa in Hoffenheim, in Lille oder gegen Gladbach - allen Grund dafür gibt. Auch das kommt in der Mannschaft gut an. Note 2.

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Außendarstellung

Er lächelt charmant, macht in TV-Interviews Späße mit Fragestellern und Fragestellerinnen - und in Pressekonferenzen ist sein Gesichtsausdruck meistens inhaltsvoller als seine Aussagen. Van Bommel ist einer, der im Bewegtbild gut rüberkommt, er wirkt sympathisch und lässt immer wieder einen Anflug von Gerissenheit durchscheinen. Das funktioniert gut - und ist gut fürs VfL-Image. Dass seine öffentlichen Sätze inhaltlich oft kaum Substanz haben - der 44-Jährige antwortet auf fast alle Fragen immer wieder mit denselben drei, vier Allgemeinplätzen -, fällt da (noch) nicht so sehr ins Gewicht. Entscheidender: Obwohl van Bommel bei den Bayern ein Bundesliga-Star war, überstrahlt sein Name in der Wahrnehmung nicht den des Vereins. Das war beispielsweise in der ersten Felix-Magath-Ära noch anders. Van Bommel ist zwar ein echter Promi, der Verein mit seiner durch Jörg Schmadtke und Marcel Schäfer etablierten Idee (junge Spieler entwickeln, hohe Identifikation) geht daneben aber nicht unter. Note 2.