21. Dezember 2019 / 08:30 Uhr

Darts-Star Michael van Gerwen über die WM-Titelverteidigung und seinen Ruf: "Mir ist egal, ob die Fans mich mögen"

Darts-Star Michael van Gerwen über die WM-Titelverteidigung und seinen Ruf: "Mir ist egal, ob die Fans mich mögen"

Roman Gerth
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Michael van Gerwen tritt als dreifacher Weltmeister und Titelverteidiger im Londoner Ally Pally an.
Michael van Gerwen tritt als dreifacher Weltmeister und Titelverteidiger im Londoner "Ally Pally" an. © imago images/ActionPlus
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Darts-Star Michael van Gerwen polarisiert: Im Interview mit dem SPORTBUZZER spricht er über seine angestrebte WM-Titelverteidigung, sein Verhältnis zu den Fans und die Deutschen um Max Hopp.

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Der Dominator hatte im Auftaktmatch einige Probleme. Seinen eher wackeligen 3:1-Erfolg bei der Darts-WM gegen seinen niederländischen Erzfeind Jelle Klaasen am vergangenen Samstag hatte Titelverteidiger Michael van Gerwen einem kleinen Zwischenspurt zu verdanken. Der Weg des 30 Jahre alten „Mighty Mike“ soll dennoch natürlich wieder bis ins Finale im Londoner „Ally Pally“ gehen. Doch zunächst einmal trifft der dreimalige Champion an diesem Sonntag (DAZN und Sport1) in der dritten Runde auf Ricky Evans. Im SPORTBUZZER-Interview blickt van Gerwen auf eine mögliche Bestleistung und sein nicht immer einfaches Verhältnis zu den Dartsfans aus Deutschland.

SPORTBUZZER: Herr van Gerwen, Sie sind 2014, 2017 und Anfang des Jahres Weltmeister geworden. Noch nie ist Ihnen jedoch bisher die Titelverteidigung gelungen. Dieses Kunststück haben bislang nur Phil Taylor, Adrian Lewis und Gary Anderson geschafft. Welche Rolle spielt das für Sie?

Michael van Gerwen: Keine besonders große. Meine größte Motivation ist es, den Titel zu holen. Das ist in jedem Jahr und bei jedem Turnier so. Ich trete an, um zu gewinnen. Solche Statistiken, wie die von Ihnen genannte, sind für mich daher nicht wichtig. Aber eine Sache macht mir grundsätzlich Mut mit Blick auf die WM: Auch den Grand Prix of Darts habe ich lange Zeit nicht verteidigen können – in diesem Jahr habe ich es geschafft.

Alle Sieger der PDC Darts-WM

<b>Phil Taylor</b>: 14 Titel bei der PDC Darts-WM (1995, 1996, 1997, 1998, 1999, 2000, 2001, 2002, 2004, 2005, 2006, 2009, 2010, 2013) Zur Galerie
Phil Taylor: 14 Titel bei der PDC Darts-WM (1995, 1996, 1997, 1998, 1999, 2000, 2001, 2002, 2004, 2005, 2006, 2009, 2010, 2013) ©

Sie holten in diesem Jahr bereits 15 Titel. Wie sicher sind Sie sich, dass es auch im Alexandra Palace wieder klappt?

Es wird eine harte WM in diesem Jahr, aber ich fühle mich gut. Ich gehe selbstbewusst an die Aufgaben heran, weil ich auch in diesem Jahr wieder mehrfach meine Stärken zeigen konnte. Es geht einfach darum, die richtigen Dinge in den richtigen Momenten zu tun, immer konzentriert zu sein und keine Fehler zu machen.

"Bei der WM weißt du genau, was Fehler bedeuten"

Wer könnte Sie auf dem Weg zum Weltmeistertitel denn am ehesten aufhalten?

Niemand! (lacht) Nein im Ernst, es gibt mehrere gefährliche Spieler im Turnier, auf die man aufpassen muss. Einige wie Gerwyn Price oder auch Peter Wright sind gut in Form. Gegen sie darf ich natürlich erst recht keine Fehler machen. Auf Price könnte ich aber ohnehin erst im Finale treffen.

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Die WM ist das größte Event des Jahres. Bereiten Sie sich auf diesen Höhepunkt speziell vor?

Ich bereite mich nicht anders auf eine WM vor als auf alle anderen Turniere. Es geht immer darum, das Positive zu stärken und am Negativen zu arbeiten. Das ist mir in den vergangenen ein, zwei Monaten gut gelungen, das habe ich in meinen Spielen gemerkt. Es war nun vor allem wichtig, möglichst viel Regeneration und etwas mehr Trainingspausen zu haben. Es ist schwer, für eine solch lange Zeit konzentriert zu bleiben. Bei einem Turnier wie der WM weißt du genau, was Fehler bedeuten.

Im „Ally Pally“ wird manchmal deutlich, dass Sie nicht der beliebteste Spieler bei den Fans sind, vor allem nicht bei den deutschen Anhängern. Mit „Maschinensucher.de“ haben Sie aber gleichzeitig einen Sponsor aus Deutschland – wie passt das zusammen?

Sie wollen mit dem Besten zusammenarbeiten und haben großes Vertrauen in mich, das ist das Wichtigste. Da spielt es keine Rolle, aus welchem Land ich komme. Ich weiß, dass die Deutschen Darts lieben. Diese vor allem im Fußball gelebte Konkurrenz zwischen den Niederlanden und Deutschland hat darauf keinen Einfluss. Aber ob die Fans mich mögen oder nicht, ist mir letztlich auch egal. Ich will Turniere gewinnen.

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"Hopp muss seine Gedanken beisammen haben"

Max Hopp gilt hierzulande seit Langem als Hoffnungsträger, der große Durchbruch ist bislang noch nicht gelungen. Was braucht es aus Ihrer Sicht, damit Darts in Deutschland noch erfolgreicher wird?

Max Hopp ist in diesem Jahr noch besser als im vergangenen Jahr. Als ich bei der letzten WM in der dritten Runde gegen ihn gewonnen habe, konnte er sein Spiel gar nicht richtig aufziehen. Er muss sich darauf konzentrieren, seine Gedanken beisammen zu haben. Für das deutsche Darts insgesamt ist es eben enorm wichtig, dass es mal ein Spieler in die Top Ten der Weltrangliste schafft – das fehlt bislang einfach noch.