15. August 2016 / 17:58 Uhr

"Vaterfigur" Hrubesch fast am Ziel der Olympia-Reise

"Vaterfigur" Hrubesch fast am Ziel der Olympia-Reise

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
DFB-Trainer Horst Hrubesch schenkt seiner Mannschaft Vertrauen.
DFB-Trainer Horst Hrubesch schenkt seiner Mannschaft Vertrauen. © Boris Roessler
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Horst Hrubesch greift bei seinem letzten großen Turnier nach einer Olympia-Medaille. Der 65-Jährige wird von den Spielern geschätzt - dabei könnte er ihr Großvater sein.

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Horst Hrubesch sorgt bei Olympia für gute Laune, dafür reicht schon sein Nachname. "Hubäck", "Robäsch" oder doch "Rubsch"? Nach jeder Pressekonferenz des 65-Jährigen rätseln TV-Reporter aus Südkorea, Mexiko oder Portugal, wie der Name des deutschen Fußball-Trainers denn nun korrekt ausgesprochen wird.

Verdrehte Zungen sind garantiert. Dabei hat Hrubesch sich längst auch unter olympischen Fußball-Muffeln einen Namen gemacht. Bei seinem letzten großen Turnier steht der Routinier vor der Erfüllung eines Kindheitstraums, die Medaille ist zum Greifen nahe. Gelingt am Mittwoch in São Paulo ein Sieg gegen Nigeria (16.00 OZ/21.00 MESZ), steht Hrubesch sogar als erster DFB-Trainer in einem Olympia-Finale.

"Die Jungs leben es"

Edelmetall wäre der Lohn für eine undankbare Aufgabe, die Hrubesch perfekt löste. Der Europameister von 1980 hatte arge Probleme bei der Zusammenstellung des Kaders und fand doch 18 Spieler, die heiß auf Olympia sind und als Einheit auftreten. "Diese Jungs leben es. Ich brauche keinen kontrollieren, nicht meckern. Sie regeln alles alleine", sagt Hrubesch stolz.

Das Vertrauen des Trainers zahlen die Spieler, die alle Hrubeschs Enkel sein könnten, auf dem Rasen zurück. Stürmer Davie Selke etwa rannte nach seinem Tor gegen Portugal direkt in Hrubeschs Arme. "Es ist nicht selbstverständlich, einen Trainer zu haben, der hinter einem steht. Deshalb war klar, wohin es geht. Wir kämpfen für uns, aber auch für den Trainer", sagte der 21-Jährige von RB Leipzig, der zuvor reihenweise Chancen vergeben hatte.

Hrubeschs Art ist es, die bei der Mannschaft gut ankommt, für viele ist er eine Art Vaterfigur. Bei der dreiwöchigen Reise quer durch Brasilien, bei der neben dem richtigen Training vor allem Menschenführung gefragt ist, kann Hrubesch diese Qualitäten voll ausspielen. "Er weiß ganz genau, wie er mit uns umgehen muss, um das Beste rauszuholen", sagt Weltmeister Matthias Ginter.

Im Training kann er schimpfen

Dabei kann Hrubesch im Training schimpfen wie ein Rohrspatz, seine Spieler werden dann klein mit Hut. Privat mag er es dagegen ruhig, angelt ausgiebig oder reitet durch die Lüneburger Heide. Manchmal steigt der erfolgreiche Züchter dann aus dem Sattel und klagt seinem Pferd sein Leid. "Der schnauft dann ein wenig und versteht nichts, aber ich habe alles ein bisschen aufgearbeitet", sagt Hrubesch.

In Brasilien hat Hrubesch derzeit kaum Grund zu Klagen, auch wenn das Abenteuer Olympia ihn manchmal zur Verzweiflung treibt. In Salvador musste das DFB-Team auf Geheiß der Organisatoren mehrfach den Trainingsplatz wechseln, ständig werden Uhrzeiten vorgegeben und sogar vorzeitige Blicke ins Stadion untersagt. Hrubesch schüttelt dann den Kopf und lässt sich nicht von seinem Weg abbringen.

Dieser Weg soll nun ins Finale im Fußball-Tempel Maracana führen, Hrubesch glaubt fest daran. "Diese Mannschaft hat Charakter", sagt er. Für Horst Hrubesch selbst gilt das nicht weniger.

(SID)