14. Januar 2022 / 17:17 Uhr

Ab durch die Mitte: Wieso Maja Savic so wertvoll für den SC Potsdam ist

Ab durch die Mitte: Wieso Maja Savic so wertvoll für den SC Potsdam ist

Tobias Gutsche
Märkische Allgemeine Zeitung
Maja Savic gehört zu den Leistungsträgerinnen des SC Potsdam.
Maja Savic gehört zu den Leistungsträgerinnen des SC Potsdam. © imago images/Beautiful Sports
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Während den Volleyball-Bundesligisten Außen-Probleme plagen übernimmt die serbische Blockerin Verantwortung. Nun gilt es, beim Überraschungsteam VfB Suhl zu bestehen.

Hören kann Maja Savic nicht, was Guillermo Naranjo Hernandez gerade auf der Tribüne der MBS-Arena erzählt. Und doch bestätigt die Volleyballerin des SC Potsdam die Aussage ihres Trainers wie auf Zuruf. „Maja ist immer positiv, hat immer ein Lachen. Sie macht Spaß“, sagt der Coach, während Savic heiter nach dem Training über den Hallenboden tanzt. Serbische Musik klingt aus den Lautsprechern am Spielfeldrand. Spaß sei das Wichtigste im Leben, erzählt die 28-Jährige kurz danach. „Die Musikauswahl bei uns ist sehr unterschiedlich. Der Mix gefällt uns, wir haben einfach eine gute Atmosphäre“, erklärt sie.

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"Beste Mittelblockerin der Liga"

In dieser Woche war die Stimmung auch deshalb gut, weil das Team nach zuvor fünf Pflichtspielniederlagen nun wieder Rückenwind durch einen Sieg hat. 3:0 gewann der SCP zuletzt in Straubing „Das war wichtig nach den Schwierigkeiten“, sagt Mittelblockerin Savic, die in der komplizierten Lage Verantwortung übernimmt. Nach dem Weggang von Vanessa Agbortabi und Srna Markovic stehen dem an Ersatzverpflichtung arbeitenden Brandenburger Club nur zwei Außenangreiferinnen zur Verfügung – in Straubing konnte dann auch noch Laura Emonts aufgrund von Schulterproblemen nicht richtig schmettern. Also galt es: Ab durch die Mitte. Viele Angriffsaktionen gingen über Savic im Zentrum. 21 Punkte erzielte sie – in nur drei Sätzen – auf ihrer Position, die kein offensives Epizentrum ist. „Das ist sehr stark“, betont Hernandez.

Bilder aus dem Turbine-Trainingslager in Lindow.

Turbine Potsdam bereitet sich in der Sportschule Lindow (Ostprignitz-Ruppin) auf den Rückrundenstart in der Frauenfußball-Bundesliga vor. Am ersten Trainingstag stand Coach Sofian Chahed fast der gesamte Kader zur Verfügung. Zur Galerie
Turbine Potsdam bereitet sich in der Sportschule Lindow (Ostprignitz-Ruppin) auf den Rückrundenstart in der Frauenfußball-Bundesliga vor. Am ersten Trainingstag stand Coach Sofian Chahed fast der gesamte Kader zur Verfügung. © Christoph Brandhorst

Er lässt gerne schnellen Volleyball spielen, wofür es im Mittelblock gute Angriffsqualität braucht. „Maja hat einen sehr schnellen Armschwung. Sie ist schwer zu blocken“, erklärt er. 52,5 Prozent ihrer bisher rund 100 Angriffe werden zu Punkten – Platz vier in der Ligastatistik. Hinzu kommen 25 Blockpunkte (Platz sieben) dank guter Abwehrbewegungen in beide Richtungen, Technik und Spielintelligenz. „Meiner Meinung nach“, sagt Hernandez, „ist sie die beste Mittelblockerin in der Liga.“


Ihr Team ist derzeit Sechster und gastiert am Samstag (19 Uhr/Sport 1 extra) beim VfB Suhl, dem Zweiten, was durchaus überrascht. „Suhl ist sehr stabil. Sie hatten auf vielen wichtigen Positionen personelle Kontinuität, mussten nicht von Null anfangen, sondern sind eingespielt“, analysiert Hernandez. „Wir müssen gut aufschlagen, um sie nicht zur Entfaltung kommen zu lassen.“ Beim 3:0-Hinspielsieg war das gelungen. Inzwischen schafft Suhl verhältnismäßig selbst die meisten Aufschlagpunkte und die meisten Blockpunkte. Hinzu kommt Danielle Harbin als herausragende Diagonalangreiferin. „Es wird eine harte Aufgabe für uns“, sagt Savic.

"Kämpferin, die es hasst, zu verlieren"

Die 1,89 Meter große Sportlerin gilt im SCP-Team als Routinier. Mit OK Vizura und OK Zeleznicar holte sie mehrere nationale Titel im Land des amtierenden Weltmeisters Serbien. Zudem sammelte Savic Auslandserfahrungen in Rumänien (Vizemeisterschaft mit Dinamo Bukarest) und in Polen, wo sie bereits ein Jahr lang mit ihrer Landsfrau und jetzigen Potsdamer Teampartnerin Adela Helic bei MKS Muszyna zusammengespielt hatte. Die Mittelblockerin gehörte einst auch zur serbischen Auswahlmannschaft, gewann 2015 in Baku bei der Premiere der Europaspiele Bronze. „Sie hat schon viel auf hohem Level gespielt, ist aber weiter sehr offen und bereit, immer wieder dazuzulernen“, sagt Hernandez. Was sie ebenfalls auszeichne: Nach einem Tänzchen in der Übungspause stellt die Frohnatur beim Training auch wieder sofort auf vollen Fokus um. „Und sie ist eine Kämpferin, die es hasst, zu verlieren“, sagt der Trainer.

„Oh ja“, sagt Savic lachend, „Niederlagen sind einfach blöd.“ Solche zu verhindern, sei in der Bundesliga nicht einfach. „Das ist eine sehr anspruchsvolle Liga, in der man bei jedem Spiel 100 Prozent braucht.“ 100 Prozent Einsatz, 100 Prozent Konzentration, aber auch 100 Prozent Spaß.