09. Oktober 2019 / 11:10 Uhr

Verbandschef Joachim Masuch: Respektvoll miteinander umgehen

Verbandschef Joachim Masuch: Respektvoll miteinander umgehen

Robert French/Tommy Bastian
Ostsee-Zeitung
Joachim Masuch ist seit 1999 der Präsident des Landesfußballverbandes.
Joachim Masuch ist seit 1999 der Präsident des Landesfußballverbandes. © dpa
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Seit 20 Jahren ist Joachim Masuch der Präsident des Landesfußballverbandes Mecklenburg-Vorpommern. Interview blickt er zurück und spricht auf die Herausforderungen für die Zukunft an.

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Rostock. Kontinuität an der Verbandsspitze: Präsident Joachim Masuch vom Landesfußballverband (LFV) Mecklenburg-Vorpommern feiert 2019 sein 20-jähriges Jubiläum als Verbandsoberhaupt. Als der mittlerweile 69-Jährige sein Amt im Jahr 1999 antrat, wurde der Euro als Zahlungsmittel in elf europäischen Ländern eingeführt. Im August zog die totale Sonnenfinsternis viele Interessierte in ihren Bann und Lou Bega thronte mit seinem Hit „Mambo No. 5“ elf Wochen lang an der Spitze der deutschen Charts. Lange ist das her, Joachim Masuch allerdings immer noch der LFV-Präsident. Im Interview blickt der Rostocker zurück auf die vergangenen Jahrzehnte, spricht über vollzogen Veränderungen und anstehende Herausforderungen.

Herr Masuch, welche drei Adjektive beschreiben den Fußball am besten?
Er ist emotional, spannend und unberechenbar.

Welche Fußball-Momente in Ihrer Amtszeit sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Ganz oben stehen für mich die persönlichen Begegnungen mit ganz unterschiedlichen Menschen, die sich rund um den Fußballsport engagieren. Die Aufzählung prägender Ereignisse kann nicht umfassend sein. Dazu gehört zweifellos die lange Zugehörigkeit des FC Hansa Rostock zur Bundesliga. Damals konnte der Klub auch einmal bis ins Halbfinale des DFB-Pokals vordringen (2000 verlor Hansa mit 2:3 beim späteren Pokalsieger FC Bayern/d. Red.). Der FC Schönberg gewann Anfang des Jahrtausends sechs Mal in Folge den Landespokal und spielte im Jahr 2000 in der ersten Runde des DFB-Pokals vor rund 16 000 Zuschauern gegen die Bayern. Die TSG Neustrelitz schnupperte 2014 am Aufstieg in die 3. Liga, verlor in der Relegation leider gegen Mainz II. Im Strandfußball gewannen die Rostocker Robben erst kürzlich zum dritten Mal in Serie die Deutsche Beachsoccer-Meisterschaft. Im Bereich der Junioren gab es mit der Deutschen Meisterschaft von Hansas U 19 im Jahr 2010 ein echtes Highlight.

Das sind die besten Torjäger auf Landesebene (Stand: nach dem 8. Spieltag):

Krzysztof Hus (l.) ist als Antreiber im Mittelfeld oft auch ein Erfolgsgarant beim FCU. Zur Galerie
Krzysztof Hus (l.) ist als Antreiber im Mittelfeld oft auch ein Erfolgsgarant beim FCU. ©
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Sie durften auch internationale Höhepunkte erleben.
Ja. Mein persönlicher Höhepunkt ist der 13. Juli 2014: Da durfte ich im berühmten Maracanã in Rio de Janeiro den WM-Gewinn der deutschen Fußball-Nationalmannschaft hautnah miterleben. Auch der Besuch der deutschen Nationalmannschaft in der Fritz-Reuter-Grundschule in Kühlungsborn vor der Heim-WM 2006 sowie die bislang einzigen Länderspiele 2002 gegen die USA (4:2) und 2006 gegen Georgien (2:0) im Rostocker Ostseestadion bleiben in guter Erinnerung.

Worin sehen Sie derzeit die größten Herausforderungen für den Landesfußballverband?
Wir, die Kreisfußballverbände und der Landesfußballverband, müssen wieder mit mehr Gemeinsamkeit als Interessenvertreter unserer rund 470 Vereine erkennbar sein. Das setzt voraus, dass persönliche Befindlichkeiten nicht vor objektiven Sachverhalten stehen dürfen. Eine der wichtigsten Aufgaben sehe ich darin, verstärkt die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass wir weiterhin Menschen finden, die wir für eine ehrenamtliche Tätigkeit im Verein und den Verbänden gewinnen können.

Wie kann das klappen?
Besonders für Führungsaufgaben in unseren Verbänden auf Kreis- und Landesebene ist es dringend erforderlich, unter Berücksichtigung der sich verändernden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, eine gezielte Personalplanung auch und besonders im Ehrenamt zu realisieren. Und selbstverständlich werden auch die Digitalisierung unserer Arbeitsprozesse und die Kommunikation ein wichtiges Themenfeld sein, um durch technischen Fortschritt Entlastung im Haupt- und Ehrenamt zu ermöglichen.

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Was ist Ihnen persönlich ganz besonders wichtig?
Entscheidend ist, dass wir untereinander einen respektvollen Umgang pflegen. Dies gelingt im persönlichen Gespräch sehr viel häufiger als bei Nutzung neuer Medien. In der Meinung haben mich die mehr als 60 Vereinsdialoge bestärkt, die wir seit 2013 durchgeführt haben.

Was sind die größten inhaltlichen Veränderungen innerhalb des Verbandes seit 1999?
Die Aufgabe der Sportschule in Parchim im Jahr 2013 war für mich und meine Vorstandskollegen eine besondere Herausforderung. Die Zeit danach hat jedoch die Richtigkeit der Maßnahme bestätigt. Der Landesfußballverband ist heute nach zwei Strukturreformen ein moderner und wirtschaftlich stabiler Verband. Wir sind bei der Gründung im Jahr 1990 mit knapp 34 000 Mitgliedern gestartet und hatten fünf hauptamtliche Mitarbeiter in der Geschäftsstelle in Güstrow. Heute hat der Verband etwa 59 000 Mitglieder und 20 hauptamtliche Mitarbeiter in der modernen Verbandsgeschäftsstelle im Rostocker Sportforum sowie an den Außenstandorten in Neubrandenburg und Schwerin. Der Verband ist personell sowohl im Haupt- als auch im Ehrenamt und inhaltlich zukunftssicher aufgestellt.

Der LFV MV ist einer von bundesweit nur zwei Landesverbänden mit rechtlich eigenständigen Kreisen. Ist das für Sie ein Vor- oder ein Nachteil?
In allen 21 Landesfußballverbänden unter dem Dach des DFB gibt es unterhalb der Verbandsebene Untergliederungen, überwiegend nur die der Kreisebene. Allerdings sind nur im Sächsischen Fußballverband und in unserem Verband die Kreisfußballverbände als juristisch eingetragene Vereine tätig. Diese Konstellation bedingt, dass sie eigenverantwortlich unter dem Dach ihres Landesverbandes agieren. Ich persönlich befürworte die Struktur der anderen 19 Landesverbände, weil dadurch eine Verschlankung der Verbandsstrukturen möglich wird.

Gibt es weitere signifikante Unterschiede des LFV MV im Vergleich zu anderen Verbänden?
Mecklenburg-Vorpommern ist und bleibt ein Flächenland. Zusätzlich müssen wir eine Bevölkerungsabnahme meistern, besonders von jungen Einwohnern im ländlichen Raum. Auch die Wirtschaftskraft liegt deutlich unter dem Bundesschnitt. Diese Tatsachen machen es sowohl unseren Kreisfußballverbänden und uns als Landesverband schwieriger, einen durchgehenden Spielbetrieb zu planen und zu realisieren. Gerade die Reisewege zu Spielen und für die Verbandsarbeit sind mit viel Zeit- und Kostenaufwand verbunden. Das sind die Herausforderungen, die unsere Vereine zu bewältigen haben.

Gab es einen Zeitpunkt, an dem Sie ans Aufhören gedacht haben?
Das Thema des Aufhörens gab es im Laufe der nunmehr 20 Jahre nicht. Ein sich aus der Verantwortung ziehen ohne geregelten Übergang stand für mich ebenso nicht zur Debatte.

Über die Landesgrenzen hinaus gefragt: Wie bewerten Sie die aktuellen Entwicklungen im Fußball?
Der Fußball hat sich in den zurückliegenden 20 Jahren gravierend verändert. Es ist keinem mehr vermittelbar, welche Ablösesummen und Gehälter im Profifußball gezahlt werden. Demgegenüber steht der Amateurfußball, in dem mit geringen Ausnahmen kein Geld an Spieler gezahlt wird. Was immer bleibt: Menschen aller Altersstufen, Religionen, Geschlechter und jeglicher Herkunft vereinen sich, um miteinander Fußball zu spielen. Dabei helfen ihnen tausende von ehrenamtlichen Helfern in den fast 26 000 Vereinen in Deutschland. Es ist eine schöne und verantwortungsvolle Aufgabe für Vereine mit ihren Trainern, für Mädchen und Jungen eine sinnvolle Freizeitmöglichkeit durch Sporttreiben zu ermöglichen. Dies alles ist für das Gemeinwohl in den Städten und Gemeinden ein sehr hohes Gut.

Toni Kroos wird als prägendes Beispiel für die Talentförderung im Land genannt. Viele weitere Namen mit direktem Bezug zu Vereinen aus dem Land kursieren derzeit nicht im Kreis des Nationalteams. Wurde MV in der Nachwuchsförderung abgehängt?
Die Frage muss ich deutlich bejahen. Allerdings gab und gibt es durchaus ambitionierte und hoffnungsvolle Talente, deren Ausbildung in Mecklenburg-Vorpommern begann, ehe sie ihren Weg schon frühzeitig bei anderen Vereinen fortgesetzt haben. Wir müssen uns aber auch eingestehen, dass wir nicht nur abgehängt wurden, weil es andere Regionen besser gemacht haben. Zur Wahrheit gehört dann aber auch, dass es in unserem Bundesland nicht umfassend gelungen ist, Rahmenbedingungen zu schaffen, die mit denen anderer Bundesländer beziehungsweise mit anderen Leistungszentren konkurrenzfähig sind.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Persönlich primär Gesundheit und Zufriedenheit in der eigenen Familie. Und im Fußball wünsche ich mir weiterhin Kraft und Freude, um ein so wichtiges Ehrenamt mit den damit verbundenen Erwartungen ausfüllen zu können.

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