12. Juli 2019 / 16:23 Uhr

Verbandssportgericht: „Es gab nur eine Entscheidung“

Verbandssportgericht: „Es gab nur eine Entscheidung“

Jan-Philipp Brömsen
Göttinger Tageblatt
Dominik Diedrich (r) und die SG Bergdörfer müssen trotz des Meistertitels auch in der kommenden Saison in der Bezirksliga antreten.
Dominik Diedrich (r) und die SG Bergdörfer müssen trotz des Meistertitels auch in der kommenden Saison in der Bezirksliga antreten. © Peter Heller
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Die Würfel sind gefallen - und das zu Ungunsten des Eichsfelder Fußball-Bezirksligisten SG Bergdörfer, die zwar den Titel in der Fußball-Bezirksliga feiern konnte, den Aufstieg in die Landesliga jedoch nicht antreten dürfen.

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Die bittere Nachricht des Verbandssportgerichts erreichte die Eichsfelder am späten Donnerstagabend: Die Berufung der SG gegen das Urteil des Bezirkssportgerichts wurde demnach in einer schriftlichen Verhandlung in Hude (Kreis Oldenburg) abgewiesen. Somit startet der amtierende Meister auch in der kommenden Saison in der Bezirksliga - trotz des sportlich perfekt gemachten Aufstiegs.

Voraussetzungen nicht erfüllt

„Die SG Bergdörfer hat die Voraussetzungen für den Aufstieg nicht erfüllt – Anhang 3 der Spielordnung enthält insoweit klare Regelungen hinsichtlich des erforderlichen Unterbaus. In Absatz 4 und 5 ist insoweit festgelegt, dass die SG zumindest Stammverein in einem Jugendförderverein (JFV) oder seit mindestens zwei Jahren Partner einer zugelassenen Juniorenspielgemeinschaft (JSG) mit jeweils 15 Spielern der A- bis C-Jugend sein müsste“, erklärte Jörg Firus, Vorsitzender des Verbandssportgerichts, auf Anfrage. Ein Kooperationsvertrag, den die Eichsfelder dem Sportgericht vorgelegt hatten, reiche nicht aus und ersetze die Anforderungen, die sich aus Anhang 3 ergeben, nicht.

„Unabhängig davon wäre einem Missbrauch dieser Regelung Tür und Tor geöffnet, wenn wir der Berufung stattgegeben hätten und von der Spielordnung abweichende Konstrukte als ausreichend angesehen hätten – daher gab es nur eine Entscheidung. Dennoch kann ich nachvollziehen, dass die Voraussetzungen des Aufstieges primär die kleineren Vereine trifft“, ergänzt Firus, der betont, dass das Unterbauerfordernis grundsätzlich dazu diene, eine gewisse Vereinsstruktur zu bewahren.

Es solle mit dieser Regelung verhindert werden, dass Vereinen, die ihre finanziellen Mittel vornehmlich in eine Herrenmannschaft stecken und keinen oder nur einen rudimentären Jugendspielbetrieb aufrecht erhalten, die Möglichkeit eröffnet werde, auf diese Weise Liga für Liga aufzusteigen.

Falsches Zeichen

„Es muss langsam einmal Ruhe einkehren. Natürlich sind wir von dem Urteil sehr enttäuscht. Ich sehe das auch als ein falsches Zeichen an den Amateurfußball, gerade vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung und dass freie Vertragsgestaltungen der Vereine im Sinne des Sports nicht zugelassen werden“, sagte ein enttäuschter SG-Vorsitzender Andreas Diedrich gegenüber dem SPORTBUZZER. Ob die SGB gegen das Urteil vorgehen wird, bleibt abzuwarten. Der Vorstand warte zunächst das Urteil in schriftlicher Form ab und wolle dann entscheiden, hieß es.

„Es ist ein absolut enttäuschendes Urteil. Ich hätte den Jungs den Aufstieg so gegönnt. Leider hat mittlerweile die Bürokratie einen zu großen Stellenwert im Fußball“, sagte Ex-Trainer Simon Schneegans, der mittlerweile beim Oberligisten Eintracht Northeim an der Linie steht. Im Zuge der demografischen Entwicklung und den immer weniger werdenden jungen Fußballern würde sich Schneegans über ein Anpassung der Regularien freuen.

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Umdenken im Verband erwünscht

„Das Urteil beschäftigt alle, nicht nur die Leute im Eichsfeld. Es ist schon eine herbe Enttäuschung und niederschmetternd“, sagte SG-Teammanager Fabian Adam. Durch den demografischen Wandel sei es für die kleineren Verein immer schwieriger, diese vorgegeben Regularien, vor allem bei der Anzahl von eigenen Jugendspielern, noch zu erfüllen. „Ich appelliere daher an den Verband, diesen Paragrafen einmal zu überdenken, sonst könnte der regionale Fußball bald tot sein – und das sollte sicher nicht das Ziel sein“, findet Adam deutliche Worte.

Mannschaft sauer und wütend

Die Mannschaft wurde direkt vom Vorstand informiert und habe sehr sauer und wütend reagiert, so Adam. „Wir müssen die Jungs jetzt wieder aufrichten – das sind aber alles gute Charaktere, die sich auf die Landesliga gefreut haben.“ Abgänge nach dem Urteil erwartet der Teammanager indes nicht. „Es haben alle Spieler unabhängig von der Liga zugesagt. Wir wollen auch in der neuen Serie oben mitspielen, eine Zielvorgabe gibt es aber nicht.“

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