26. Juni 2020 / 18:14 Uhr

Verbandstag des NordFV: Das sind die Reaktionen der betroffenen Vereine

Verbandstag des NordFV: Das sind die Reaktionen der betroffenen Vereine

Sportredaktion Hannover
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Keine großen Überraschungen hat der außerordentliche Verbandstag des Norddeutschen Fußball-Verbands hervorgebracht: Die Saison 2019/2020 ist offiziell Geschichte.
Keine großen Überraschungen hat der außerordentliche Verbandstag des Norddeutschen Fußball-Verbands hervorgebracht: Die Saison 2019/2020 ist offiziell Geschichte. © imago images/Noah Wedel
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Die Regionalligisten sind schon einen Schritt weiter als 2660 Vereine in Niedersachsen. Sie haben die Saison am Donnerstag auf dem außerordentlichen Verbandstag des Norddeutschen Fußball-Verbandes für beendet erklärt. Das sagen der TSV Havelse, HSC Hannover, 1. FC Germania Egestorf/Langreder und die B-Juniorinnen von Hannover 96 zu den Entscheidungen.

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Auf welchem Platz der TSV Havelse nach dem vom Norddeutschen Fußball-Verband beschlossenen Abbruch der Regionalliga-Saison die Spielzeit beendet hat, kann Trainer Jan Zimmermann nicht sagen. „Ich weiß es nicht, und es ist mir auch egal. Wir haben den Klassenerhalt geschafft, das allein zählt“, sagt der Coach.

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Hinter die Corona-Saison 2019/2020, die die Havelser mit 32 Punkten aus 22 Spielen auf Platz neun abschließen, hat er längst einen Haken gemacht. Was für ihn zählt, ist die Zukunft. Und auch die spielte beim außerordentlichen Verbandstag eine Rolle. Zimmermann über …

… die Entscheidung, die Saison abzubrechen:

Das ist die mit Abstand beste und fairste Lösung, wir sind damit zufrieden“, sagt der 40-Jährige. Warum es mehr als drei Monate für eine Regelung gebraucht hat, will Zimmermann nicht kommentieren. „So etwas ist aus der Ferne schlecht zu beurteilen, ich halte mich da lieber zurück“, sagt der Havelser. „Aber es war sicherlich nicht einfach, zumal da auch immer wieder Leute mit wilden Vorschlägen um die Ecke gekommen sind.

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… die Entscheidung, die neue Saison in zwei Staffeln und anschließender Auf- und Abstiegsrunde zu spielen:

Auch diese Regelung begrüßt Zimmermann, er nennt sie sogar „innovativ“. Durch die Mehrzahl an Derbys werde die Attraktivität der Liga gesteigert, durch die Auf- und Abstiegsrunde die Brisanz am Saisonende erhöht. „Super ist auch, dass wir Reisekosten sparen, weil wir nicht mehr so oft nach Schleswig Holstein fahren müssen“, sagt der Havelser Trainer.


… den Stand der Dinge im NFV-Pokal:

Ob der TSV Havelse im Halbfinale noch gegen Eintracht Braunschweig und der VfB Oldenburg gegen den BSV Rehden antreten werden, wird auch davon abhängen, ob vor der ersten DFB-Pokalrunde der neuen Saison noch genügend Zeit bleibt, um die Semifinals und das Endspiel unter fairen Bedingungen auszutragen. Zimmermann ist hier für einen pragmatischen Vorschlag: „Ich gehe davon aus, dass sich der Verband und die Vereine an einen Tisch setzen und nach einer Lösung suchen. Sollte das nicht gelingen, wird wohl das Los darüber entscheiden, wer den Startplatz im DFB-Pokal bekommt.“

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Einen Haken an die Saison hatte der HSC Hannover gedanklich bereits gemacht. „Der Stempel ist drunter“, sagt Martin Polomka, Trainer des Tabellenletzten, der aber nach dem Beschluss nicht absteigen muss.

„Viele Derbys, kurze Fahrten"

Aus den Fehlern der Vorsaison habe er gelernt, nun geht es Stück für Stück weiter in der Kaderplanung. „Wir nehmen uns die Zeit und lassen uns nicht treiben“, sagt Polomka, der sich auf die neue Struktur der Liga freut. „Viele Derbys, kurze Fahrten, für Zuschauer attraktiv“, sagt der Coach, der auch nach den langen Wochen des Unklaren bereits so etwas wie Lust auf Fußball verspürt. Doch zunächst geht es für den HSC in den Sommerurlaub bis Ende Juli.

Das NFV-Präsidium ließ darüber hinaus über den Antrag des VfL Oldenburg, dem sich der 1. FC Germania Egestorf/Langreder angeschlossen hatte, abstimmen.

Oldenburg und Egestorf bleiben Oberligisten

Der VfL hatte beantragt, neben Tabellenführer VfV 06 Hildesheim und dem SV Atlas Delmenhorst (Relegationsteilnehmer), auch die beiden übrigen Oberligisten aufsteigen zu lassen, die eine Lizenz für die Regionalliga erhalten haben. Sprich sich selbst und den Tabellenvierten vom Deister.

Dieser Antrag wurde allerdings mit deutlicher Mehrheit abgelehnt. Oldenburg und Egestorf/Langreder bleiben somit Oberligisten.

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"Zeigt, dass der Verband die Tragweite nicht erkannt hat"

"Bei solch einer Abstimmung kann ja alles passieren, aber ich bin nicht übermäßig enttäuscht von der Entscheidung", sagte Germanen-Trainer Paul Nieber zu der Entscheidung. Er habe bereits im Vorfeld mit einigen Trainern aus der 4. Liga gesprochen und "schon gemerkt, in welche Richtung es gehen würde".

Er könne die Argumentation nachvollziehen, wie es mit noch mehr Mannschaften in der Staffel überhaupt funktionieren solle. "Da habe ich vollstes Verständnis für diese begründete Sorge", sagt Nieber. "Die Entscheidung zeigt aber auch, dass der Verband die Tragweite der sportlichen Auswirkung für die Oldenburger und uns nicht so richtig erkannt hat."

"Gleiches Recht für alle" - das ist das Motto der Demonstration von Vereinen aus der Kreisklasse vor der NFV-Geschäftsstelle in Barsinghausen.

Ezber Hissou, Initiator der Demonstration und Vorsitzender der FC Hannover Stars, im Gespräch mit den NFV-Verantwortlichen. Zur Galerie
Ezber Hissou, Initiator der Demonstration und Vorsitzender der FC Hannover Stars, im Gespräch mit den NFV-Verantwortlichen. © Debbie Jayne Kinsey

Ebenfalls keine Zustimmung fand der Eilantrag der B-Juniorinnen von Hannover 96. Sie hatten beantragt den Aufsteiger in die U17-Bundesliga, um den 96, Holstein Kiel und der Rahlstedter SC kämpfen, im Elfmeterschießen und nicht, wie vom Verband geplant im Losverfahren zu ermitteln.

Abgelehnt. Voraussichtlich am Montag sollen sich die drei Vereine zur Auslosung in Barsinghausen treffen.

"Entscheidungen getroffen, die sind mittelalterlich"

"Der NFV feiert in diesem Jahr ganz groß 50 Jahre Frauenfußball und dann werden Entscheidungen getroffen, die sind mittelalterlich", Lars Gänsicke, Sportlicher Leiter des Frauenfußball bei den Roten fand deutliche Worte. "Für mich geht der Verband da den Weg des geringsten Widerstandes, obwohl wir alles vorbereitet hatten. Für Kiel und Rahlstedt ist die Fahrt nach Barsinghausen ein Monsterweg, für eine Auslosung, die drei Minuten dauert."