21. November 2022 / 12:52 Uhr

Verbot von One-Love-Binde: Human Rights Watch wirft FIFA "Verrat am Sport" vor

Verbot von One-Love-Binde: Human Rights Watch wirft FIFA "Verrat am Sport" vor

Roman Gerth
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Human Rights Watch hat das Verbot der One-Love-Kapitänsbinde bei der WM in Katar scharf krisitiert.
Human Rights Watch hat das Verbot der One-Love-Kapitänsbinde bei der WM in Katar scharf krisitiert. © IMAGO/Metodi Popow/Ulmer/Teamfoto (Montage)
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Manuel Neuer und weitere Kapitäne europäischer Nationalmannschaften verzichten auf Druck der FIFA auf die One-Live-Binde. Human Rights Watch spricht mit Blick auf das Vorgehen des Weltverbands von "Verrat am Sport".

Der deutsche Nationalmannschaftskapitän Manuel Neuer wird bei der WM ohne die geplante One-Love-Binde auflaufen, weil die FIFA mit Sanktionen gedroht hat. Das entschied der Deutsche Fußball-Bund (DFB) am Montag gemeinsam mit den anderen europäischen Nationen, die diese Aktion mit ins Leben riefen und nun ebenfalls darauf verzichten. Human Rights Watch hat mit klaren Worten auf den Druck des Weltverbands reagiert. "Dieser Fall macht doch deutlich, dass es der FIFA nicht um den Fußball und die Spieler geht. Das ist Verrat am Sport", sagt Wenzel Michalski, Deutschland-Direktor der Menschenrechtsorganisation, dem SPORTBUZZER, dem Sportportal des RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

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Das DFB-Team und weitere Nationalmannschaften, darunter England, Dänemark und die Niederlande, hatten geplant, die bunte Kapitänsbinde als Zeichen für Vielfalt und gegen Diskriminierung zu tragen. Am Samstag, einen Tag vor WM-Start, hatte die FIFA dann eigene Botschaften vorgestellt, die bei den Spielen auf den Ärmeln der Kapitäne zu lesen sein sollen. Beim Verstoß drohte ihnen nun eine Gelbe Karte als Sanktion. Daraufhin zogen die Verbände die Aktion zurück.

Michalski kritisierte das Vorgehen des Weltverbands scharf. "Das zeigt, wie die Nationalmannschaften vor der Allmacht der FIFA einknicken und alle Werte über Bord werfen müssen – es sei denn, sie nutzen nun noch andere Mittel des Protests", sagt er und fügt an: "Die FIFA kann machen, was sie möchte. Gianni Infantino kann unwidersprochen tun, was er will. Das hat nichts mit Meinungsvielfalt und anderen Werten zu tun."

Verständnis von Human Rights Watch: "Spieler stehen unter Gewissensdruck"

Für die Sportler zeigt der deutsche Chef von Human Rights Watch derweil Verständnis. "Die Spieler, die ein Zeichen senden wollten, stehen unter einem Gewissensdruck", betont Michalski. Weil die FIFA mit einem persönlichen Strafmaß für die Profis drohte, seien diese "in einer bemitleidenswerten Situation und müssen sich dem Druck beugen". Ähnlich wie bei den Olympischen Winterspielen in Peking im Februar dieses Jahres würde man sehen, so Michalski, dass "sportliche Höchstleistungen nur schwer gelingen, wenn man zum Teil einer hoch politischen Veranstaltung wird".

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Am Samstag stellte die FIFA in Zusammenarbeit mit der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO), dem Welternährungsprogramm (WFP) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine eigene Kampagne für die Beschriftung der Kapitänsbinden während der WM vor. Demnach sollen an jedem Spieltag neue Botschaften auf ihnen zu lesen sein.

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