25. Mai 2022 / 19:14 Uhr

"Dieser Verein ist besonders": Wie Rom-Trainer José Mourinho die Herzen der "Tifosi" eroberte

"Dieser Verein ist besonders": Wie Rom-Trainer José Mourinho die Herzen der "Tifosi" eroberte

Tom Mustroph
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Roma-Trainer José Mourinho bedankt sich bei den Tifosi für die Unterstützung.
"Roma"-Trainer José Mourinho bedankt sich bei den "Tifosi" für die Unterstützung. © IMAGO/NurPhoto (Montage)
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Vor fast einem Jahr trat José Mourinho sein Amt bei der AS Rom an. Bei den Fans ist der exzentrische Star-Trainer so beliebt wie kein anderer. Nun kann er im Finale der Conference League mit der "Roma" Geschichte schreiben.

Das hatte es lange nicht gegeben im Stadio Olimpico in Rom. Die Heimelf hatte nur ein mageres Remis erzielt gegen Serie-A-Absteiger Venedig. Der AS Rom wollte das Siegtor selbst in Überzahl einfach nicht gelingen. Gewöhnlich pfeifen und buhen da die leicht erregbaren Fans. Jetzt aber klatschten sie, feierten gar den Trainer, als er zu ihnen an die Kurve kam. Das sind Zeichen der Liebe – von beiden Seiten.

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Die "Tifosi“ stehen zu Mourinho. Und Mourinho weiß, er kann sich zu ihnen auch nach einem mäßigen Spiel trauen. "Dieser Verein ist besonders, mit ganz besonderen Leuten. Es ist wie eine Familie. Und die Familie ist immer da, ob man gewinnt oder nicht“, sagte er nach dem Bad in der Menge im Anschluss an das sportlich ernüchternde Remis.

Aber zwischen Rom, zumindest dem gelb-rot eingefärbten Teil der Stadt, und dem Trainer der Roma ist eine echte Liebe erwacht. Sie dauert schon mehr als ein Jahr an. Die Begrüßung von Mourinho als neuem Trainer Anfang Mai 2021 war spektakulär. Tausende Fans hatten sich vor dem Trainingsgelände Trigoria eingefunden.

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Ein Auftritt wie der Papst

Mourinho erschien auf einer Terrasse hoch über den Außenmauern, wie einst ein Cäsar oder der Papst, der immer noch in der Stadt weilt. Zwei "Tifosi“ hielten auch ein Bild mit Mourinho als neuem Papst hoch. Ein anderer hatte auf ein Transparent den Spruch "Die Inder haben die heiligen Kühe, wir haben José Mourinho“ gepinselt. Ein spezieller Empfang für den Mann mit dem Spitznamen "The Special One“.

Im Laufe der Saison wurde diese Anbetung aber auf harte Proben gestellt. Das erste Stadtderby gegen Lazio Rom ging mit 2:3 verloren. In der Conference League gab es im Herbst das blamable 1:6 gegen die Halbprofis von FK Bodø/Glimt, im Rückspiel nur ein Remis. Kurz darauf verlor man gegen Aufsteiger Venedig. Das war Krise pur.

Und Mourinho griff zum letzten Mittel verzweifelter Trainer: Er demontierte öffentlich die eigenen Spieler. "Wir sind nur ein mittelmäßiges Team, die Spieler sind limitiert in ihrer Qualität“, sagte er. Natürlich, dies stimmte. Aber gerade von ihm hatte man sich ein Hinausgehen über die Grenzen erwartet.

Steigerung in der zweiten Saisonhälfte und ein spezieller Erfolg

In der zweiten Halbserie lief es besser. Das Team fand zusammen. Mit Tammy Abraham, im August letzten Jahres vom FC Chelsea gekommen, gibt es einen athletischen Vollstrecker. 17 Serie-A-Tore erzielte der englische Nationalspieler, neun in der Conference League. Das Mittelfeld ist technisch gut besetzt, mit dem Ex-Dortmunder Henrikh Mkhitaryan sowie den italienischen Nationalspielern Bryan Cristante, Lorenzo Pellegrini und Nicolò Zaniolo. Und auch defensiv wurde die Roma stabiler.

Für große Sprünge in der Serie A reichte dies aber nicht. Selbst Lazio landete in der Tabelle weiter vorn. Immerhin wurde die Europa League erreicht. In dieser Notsituation wurde die Conference League zur rettenden Bühne. Das Finale an diesem Mittwoch (21 Uhr, NITRO/RTL+ [Anzeige]) in Tirana gegen Feyenoord Rotterdam überhöht Mourinho daher in bewährter Weise. "Das ist unsere Champions League“, sagte er.

Mourinho kann mit der "Roma" Geschichte schreiben

Für ihn, bereits Gewinner der echten Champions League, einmal mit dem FC Porto und einmal mit Inter Mailand, bedeutet ein Sieg auch etwas. Denn nach den eigenen Champions-League-Triumphen und den Siegen im UEFA-Cup mit Porto und in der Europa League mit Manchester United wäre Mourinho bei einem Sieg in der Conference League der erste Trainer, der auf allen drei Ebenen europäischer Wettbewerbe erfolgreich gewesen wäre. Es wäre ein spezieller Erfolg – selbst für "The Special One“.

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