29. April 2021 / 18:01 Uhr

Verein bestätigt: Johanna Elsig verlässt Turbine Potsdam

Verein bestätigt: Johanna Elsig verlässt Turbine Potsdam

Christoph Brandhorst
Märkische Allgemeine Zeitung
Fußball: Bundesliga, Frauen, SC Freiburg - Turbine Potsdam, 17. Spieltag am 30.05.2020 im Mösleststadion. Johanna Elsig von Potsdam spielt den Ball.
Johanna Elsig verlässt den 1. FFC Turbine Potsdam am Saisonende. © Achim Keller
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Frauen-Bundesliga: Nationalspielerin spielt seit 2012 in Brandenburg - einen Titel holte sie mit Turbine nicht. Jetzt zieht es die 28-Jährige wohl ins Ausland.

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„Ich habe hier bei Turbine eine tolle Zeit erlebt“, sagt Johanna Elsig. Diese Zeit geht nun zu Ende. Der Frauenfußball-Bundesligist aus Potsdam bestätigte am Donnerstagabend, was der SPORTBUZZER bereits vor einer Woche berichtete: Die 15-fache Nationalspielerin wird ihren Vertrag an der Havel nicht verlängern und den Verein am Saisonende verlassen. Wohin es die Abwehrchefin der letzten Jahre verschlägt, die seit 2012 für Turbine aufläuft, dazu äußerten sich Spielerin und Club nicht. Wie der SPORTBUZZER erfahren hat, gilt aber der französische Erstligist HSC Montpellier als wahrscheinlichstes Ziel der 28-Jährigen. Beim Wechsel zum aktuellen Tabellensechsten der französischen Liga sind offenbar nur noch Details zu klären. In Südfrankreich würde Johanna Elsig auf ihre früheren Turbine-Mitspielerinnen Lisa Schmitz und Lena Petermann treffen.

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„Es fällt mir sehr schwer, das wirklich gute Angebot zur Vertragsverlängerung auszuschlagen“, beteuert die Verteidigerin. Turbine-Geschäftsführer Stephan Schmidt macht keinen Hehl daraus, dass der aktuelle Bundesliga-Vierte gerne weiter mit der dienstältesten Spielerin des Kaders zusammengearbeitet hätte. „Wir haben alles unternommen, um ,Jojo’ bei uns zu halten. Wir bedauern ihren Wechsel sehr“, wird er in einer Vereinsmitteilung zitiert. Allerdings bringt Schmidt auch Verständnis für die Entscheidung der gebürtigen Dürenerin auf. Johanna Elsig erklärt: „Letzlich möchte ich gerne noch einmal in meiner Karriere einen komplett neuen Weg beschreiten.“ Dieser könnte die Fußballerin nun erstmals in ihrer Karriere ins Ausland führen.

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<b>45</b> Jahre war der dienstälteste Trainer bei Turbine Potsdam im Amt: Bernd Schröder. Mit einer kurzen Unterbrechung: Von 1992 bis 1997 war Schröder als Manager für die Turbinen tätig. Zur Galerie
45 Jahre war der dienstälteste Trainer bei Turbine Potsdam im Amt: Bernd Schröder. Mit einer kurzen Unterbrechung: Von 1992 bis 1997 war Schröder als Manager für die Turbinen tätig. ©

Im Sommer 2012, kurz nach dem bis dato letzten Meistertitel der Turbinen, war die U19-Europameisterin von 2011 von Bayer 04 Leverkusen nach Potsdam gekommen. „Das erste, woran ich mich im Zusammenhang mit Johannas Wechsel zu Turbine erinnere, ist die telefonische Meldung über ihre Kreuzbandverletzung im letzten Spiel für ihren Verein. Sie platzte mitten in unsere Meisterfeier“, blickt Rolf Kutzmutz zurück. Turbine Potsdams Präsident sagt: „Dann habe ich sie als eine disziplinierte und zielstrebige Spielerin kennen und schätzen gelernt, die alles dafür getan hat, wieder auf dem Platz stehen zu können.“

In 134 Bundesliga-Spielen, 15 Partien im DFB-Pokal und sieben Champions League-Auftritten trug Johanna Elsig bis heute das Turbine-Trikot. Wenngleich ihr ein Titel in den neun Jahren verwehrt blieb, geht mit ihr nun eine der letzten echten Identifikationsfiguren des Vereins. Das weiß auch Kutzmutz: „,Jojo’ hat das Zeug, das Gesicht einer Mannschaft, ja eines Vereins zu sein. Für ihre Zeit in Potsdam und ihr Engagement für Turbine bin ich ihr persönlich sehr dankbar.“ Elsig sei stets eine „Bank“ gewesen, wenn es um Einsatzfreude und Lufthoheit ging. Als Abwehrspielerin erzielte die 1,77 Meter-Frau für Turbine stolze 21 Bundesliga-Tore – nicht wenige davon per Kopf.

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Erst in Potsdam war die Fritz-Walter-Goldmedaillen-Gewinnerin von 2011 zur Nationalspielerin gereift. 15 Mal lief sie für die DFB-Auswahl auf, gehörte 2019 zum WM-Kader von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg. Eine Rückkehr in die Brandenburger Landeshauptstadt ist für Johanna Elsig nicht ausgeschlossen: „Mein Herz hängt an diesem Verein und der Stadt. Ich möchte für mich nicht ausschließen, hier noch einmal aufzuschlagen“, erklärt sie.

Die Abwehrchefin verabschiedet sich aus Potsdam zwar ohne Titel, aber auch ohne Groll. Für Turbine bedeutet ihr Abgang aber vor allem den Verlust einer Führungsspielerin. Die kann der Verein mit seinem jungen Team (Durchschnittsalter in der aktuellen Saison: 22,4 Jahre) nun mehr denn je gebrauchen.