30. Dezember 2021 / 08:37 Uhr

Vereins-Legende Lisiewicz: "Mir geht es um den Stern" – Das war Lok Leipzigs Jahr 2021

Vereins-Legende Lisiewicz: "Mir geht es um den Stern" – Das war Lok Leipzigs Jahr 2021

Anton Kämpf
Leipziger Volkszeitung
Sachsenpokal-Sieg, DFB-Pokal-Partie gegen Leverkusen und Derby-Sieg: Das Fußball-Jahr 2021 hatte für Lok Leipzig einiges zu bieten.
Sachsenpokal-Sieg, DFB-Pokal-Partie gegen Leverkusen und Derby-Sieg: Das Fußball-Jahr 2021 hatte für Lok Leipzig einiges zu bieten. © PICTURE POINT
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Der 1. FC Lokomotive Leipzig holte den Sachsenpokal und gewann auch das Derby gegen die BSG Chemie. Rainer Lisiewicz, ehemaliger Spieler und Trainer sowie seit jeher Fan der Probstheidaer Kicker, ist mit den Leistungen seiner Nachfolger im Jahr 2021 absolut zufrieden. Wir werfen einen Blick zurück.

Leipzig. Und auf einmal spielt auch ganz offiziell der erste deutsche Fußballmeister in der vierten Liga. Nach monatelangem Prüfen und Abwägen kommt es am 7. Oktober 2021 zur Fusion des VfB Leipzig und des 2004 wieder gegründeten 1. FC Lok Leipzig, der geschichtsträchtige Tag wird mit Feuerwerk gefeiert. Vereinsikone Rainer Lisiewicz betont nun im SPORTBUZZER-Gespräch: „Das ist das Beste, was Lok hätte passieren können.“

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"Lief sehr blöd"

Der ehemalige Spieler und Trainer spricht auch aus, was wohl die meisten blau-gelben Fans denken: „Mir geht es um den Stern.“ Denn das sichtbare und nicht zu unterschätzende i-Tüpfelchen konnte im Wirrwarr des Bürokratie-Dschungels noch nicht unter Dach und Fach gebracht werden: der meisterliche Stern, der auf dem Probstheidaer Leiberl über dem Lok-Emblem Platz finden soll. „So eins würde ich mir wohl auch kaufen“, verrät Lisiewicz, der auch einen kleinen Seitenhieb für den Bundesligisten aus der Stadt übrig hat: „Da bist du ja vor RB.“

DURCHKLICKEN: Das war das Pokalspiel von Lok Leipzig gegen Leverkusen

Gut 6000 Zuschauer erlebten die 0:3-Niederlage des 1. FC Lok Leipzig in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen Bayer Leverkusen im Bruno-Plache-Stadion. Zur Galerie
Gut 6000 Zuschauer erlebten die 0:3-Niederlage des 1. FC Lok Leipzig in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen Bayer Leverkusen im Bruno-Plache-Stadion. © Picture Point

Sportlich beginnt das in vielerlei Hinsicht historische Jahr pandemiebedingt erst im Mai. Eine mit A-Jugendlichen gespickte Elf von Dynamo Dresden wird im Sachsenpokal-Halbfinale aus dem Wettbewerb gekegelt, in der Egidius-Braun-Sportschule schießt Djamal Ziane – von Bundesliga-Urgestein Wolfgang Wolf als Fußballgott tituliert – das Team von Coach Almedin Civa zum Landespokalsieg samt DFB-Pokal-Eintrittsticket.


Dort wird im August vor 6000 Fans Bayer Leverkusen begrüßt und beackert, nach 90 Minuten müssen sich die leidenschaftlichen Underdogs 0:3 geschlagen geben. „Das war schade, lief sehr blöd. Lok hat klasse gespielt“, trauert „Lise“ der verpassten Sensation noch ein wenig hinterher.

Knappes Derby

Dennoch: Die Rückkehr auf die nationale Fußballbühne ist ein Vorgeschmack auf das, was folgen soll. Nicht umsonst werden die Lok-Verantwortlichen nach SPORTBUZZER-Informationen auch diese Saison einen Antrag auf die Drittliga-Lizenz stellen. Beim derzeitigen Saisonverlauf wäre alles andere auch mindestens fahrlässig: Die Pole Position ist in greifbarer Nähe, die Probstheidaer sind auswärts ungeschlagen und haben die stärkste Defensive der RL Nordost. Nur zu Hause sollte es 2021 nicht ganz klappen, in der Heimtabelle rangiert Lok auf Platz zwölf.

Gegen den Stadtrivalen BSG Chemie erkämpfen sich die Lok-Profis ein 1:0 vor 4764 Schaulustigen und beruhigen die Gemüter. „Mit ein bisschen Pech hätten sie das Ding vergeigt“, schätzt die Lok-Ikone das Stadtderby ein.

DURCHKLICKEN: Die Bilder zum 104. Leipziger Derby

Der 1. FC Lok Leipzig konnte am Sonntag das 104. Derby für sich entscheiden. Die Blau-Gelben gewannen knapp mit 1:0 gegen aufopferungsvoll kämpfende Leutzscher. Zur Galerie
Der 1. FC Lok Leipzig konnte am Sonntag das 104. Derby für sich entscheiden. Die Blau-Gelben gewannen knapp mit 1:0 gegen aufopferungsvoll kämpfende Leutzscher. ©

Pokalsieg und Derbysieg. „Als alter Lokfan, -spieler und -trainer macht das glücklich“, freut sich Lisiewicz, der einen Blick in die Glaskugel wagt: „Ich würde mich freuen, wenn sie am Ende ganz oben stehen. Und wenn nicht: Na und? Dann versuchen wir es nächste Saison.“

„Wer das leugnet, läuft mit Scheuklappen rum“

Aufgrund seiner Tätigkeit als Präsident beim SV Naunhof konnte er nicht so häufig in der Connewitzer Straße vorbeischauen. Frisch saniert und neu lackiert beherbergte die alte Lok-Holztribüne nicht selten hohen Besuch in diesem Jahr. Allen voran Rudi Völler entzückte das Probstheidaer Gemüt und stand für Fotos und Autogramme bereit. Beim obligatorischen Dinieren im Vorfeld der Partie wurde zudem eingefädelt, dass Bayer einen Verzicht auf die Pokaleinnahmen prüft. Gesagt, getan: Lok bekommt nach dem Fußballfest noch einen zusätzlichen Geldregen.

Den erhalten die Probstheidaer auch vom Ehrenmitglied Franz-Josef Wernze. Der Boss des ehemaligen Hauptsponsors ETL erlässt ein Darlehen von drei Millionen dem Leipziger Viertligisten, sichert sich jedoch mit Zustimmung der Mitglieder 35 Prozent der Spielbetriebs GmbH. Ein zuweilen notwendiger Schritt im Fußballkarussell. „Wer das leugnet, läuft mit Scheuklappen rum“, stellt Lisiewicz klar.

Ein anderer, hoher Besuch musste aufgrund des Pandemie-Beginns 2020 abgesagt werden und wurde dieses Jahr noch nicht nachgeholt. Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung nahm noch nicht Platz auf den gepolsterten Sitzen der Holztribüne. Sollte es nächstes Jahr zur öffentlichen Premiere des Meisterstern-Trikots kommen, könnte dies ein schöner Anlass sein.