05. Juni 2020 / 10:14 Uhr

Kreativ durch Corona: TSV Bemerode mit Austritten, aber mutigem Blick nach vorn

Kreativ durch Corona: TSV Bemerode mit Austritten, aber mutigem Blick nach vorn

Maximilian Bosse
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Unter besonderen Umständen zwar, aber der Sportbetrieb beim TSV Bemerode läuft wieder auf hohen Touren.
Unter besonderen Umständen zwar, aber der Sportbetrieb beim TSV Bemerode läuft wieder auf hohen Touren. © Debbie Jayne Kinsey
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Es geht wieder lebhaft zu auf der Anlage des TSV Bemerode - zahlreiche Jugendmannschaften wollen nach der Corona-Zwangspause in den Sportalltag zurückkehren. Das gelingt auch gut, man ist kreativ - und folgt den Anweisungen von Martin Stahlhut, der als Sicherheitsbeauftragter das Sagen hat.

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Wie ein Löwe dreht Martin Stahlhut seine Runden auf der Anlage des TSV Bemerode. Als Sicherheitsbeauftragter hat er hier das Sagen. Abstand halten, Hände desinfizieren – der Mann mit dem klaren Blick achtet penibel auf die Kleinigkeiten, auch wenn er dabei die Trainingseinheiten unterbrechen muss. Gesundheit geht immer vor, in diesen sensiblen Corona-Zeiten noch ein wenig mehr. Was Stahlhut dieser Tage in Bemerode sagt, ist Gesetz.

Die Corona-Spielregeln sind allen klar

Zur Mittagszeit wird es voller auf der TSV-Anlage. Zahlreiche Jugendteams wollen nach der Zwangspause endlich wieder in den Sportalltag zurück. Zumindest ein bisschen. Dieses wilde Gelächter gab es hier seit Mitte März nicht mehr zu hören. Die Tennisspieler sind jetzt schon durch mit ihrem Training. Fix und fertig schlendern sie verschwitzt vom Platz. Umziehen und Duschen müssen sie zu Hause.

„Jedes Kind hat seinen eigenen Bereich, in dem jede Übung beginnt und auch wieder endet. Das haben wir alles mit Absperrband geregelt“, sagt Natascha Erdmann, die die F-Jugendlichen der Fußballer betreut. Vorab wurde alles mit den Eltern besprochen. Die Corona-Spielregeln sind allen klar. „Die Kinder wissen, wie wir uns begrüßen und worauf sie achten müssen“, erklärt die 42-Jährige sichtlich erleichtert und ergänzt: „Probleme gab es bisher zum Glück noch nicht“.

Bilder vom Sport beim TSV Bemerode in der Corona-Pandemie

Die D-Jungen trainieren Hockey, Manuel Cowano achtet auch auf den Abstand. Zur Galerie
Die D-Jungen trainieren Hockey, Manuel Cowano achtet auch auf den Abstand. ©

Mitten unter so vielen Kindern wirken die erwachsenen Volleyballer fast ein wenig fehl am Platz. Auch das Team von Spielertrainer Jörg Wehrstedt will die Corona-Lockerungen nutzen, um endlich wieder in Form zu kommen. Sie sind besonders kreativ geworden, um wieder ans Netz zu dürfen. „Als Markierung haben wir die Stühle am Seitenrand verbuddelt, um den richtigen Abstand einzuhalten“, sagt der 50-Jährige. Virus-Not macht erfinderisch.

"Zum Glück müssen wir nur ein paar Austritte verbuchen"

Lange mussten sich die Sportler mit den Workouts im Homeoffice begnügen. Keine perfekten Bedingungen, aber auch gute Möglichkeiten, das große Ganze auf den Prüfstand zu stellen. Digitalisierung, neue Trainingsmethoden und dann der richtige Umgang mit nach und nach gelockerten Sportverboten.

Herausforderungen für den ganzen Verein. Auch finanziell. „Es gab Mails, in denen sich Mitglieder über die weitere Zahlung beschwerten, obwohl sie dafür keine Leistungen erhalten haben“, sagt Vereinsvorsitzender Manfred Duttke. „Zum Glück müssen wir dennoch nur ein paar wenige Austritte verbuchen.“

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Vor allem im Jugendbereich der Tennissparte gab es laut Spartenleiterin Ellen Tangemann „einige sehr erboste Eltern“, die gerade in der Anfangszeit ihre Mitgliedsbeiträge erstattet haben wollten. Alles im Rahmen – aber im Gesamtgefüge dennoch schwierig. Denn es waren nicht nur die Austritte, die die Entwicklung des 2000-Mitglieder-Vereins stoppte. Die Gewinnung neuer Sportler war in der Zwangspause nicht möglich. Doch genau mit diesen jährlich üblichen Schwankungen kalkulierte der TSV Bemerode. Bis eben Corona kam.

Investitionen hintanstellen, Angebote schaffen

Folge: Der Verein muss an die schmalen Reserven gehen, Investitionen hintanstellen und kreative Angebote schaffen. „Der kommerzielle Engpass hält sich mit unserem aktuellen Sparkurs ungefähr die Waage“, sagt Duttke.

Mehr noch: Der Klub aus Bemerode nutzte das Corona-Sportverbot sogar sinnvoll. „Wir wollen erreichen, dass sich der Verein in allen Bereichen vergrößert“, erzählt der Vereinsvorsitzende und zeigt auf die Baustelle hinter der Trainingsanlage. Dort wird derzeit ein neues Hockeyfeld errichtet. Seine Rechnung: neuer Platz, neue Attraktivität, neue Mitglieder. Ein weiterer Impuls auf dem Weg zurück zur Normalität.