11. April 2021 / 18:33 Uhr

Vergebene Chance(n) in Kiel: SV Lindow-Gransee verliert Topspiel (mit Galerie)

Vergebene Chance(n) in Kiel: SV Lindow-Gransee verliert Topspiel (mit Galerie)

Marius Böttcher
Märkische Allgemeine Zeitung
Gefrustet und leer: SVLG-Zuspieler Marcin Kapusniak sank nach dem letzten Ballwechsel enttäuscht zu Boden.
Gefrustet und leer: SVLG-Zuspieler Marcin Kapusniak sank nach dem letzten Ballwechsel enttäuscht zu Boden. © Marius Böttcher
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Die grün-weißen Zweitliga-Volleyballer verpassen beim Kieler TV den Gewinn der zweiten Meisterschaft der Vereinsgeschichte und müssen nun auf Schützenhilfe hoffen.

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Am 11. April 2015 setzte sich der SV Lindow-Gransee in Delbrück zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte die Zweitliga-Krone auf. Fünf Jahre und 364 Tage (oder 2192 Tage) später eröffnete sich den Volleyballern erneut die Chance – diesmal beim Kieler TV. In der Landeshauptstadt Schleswig-Holsteins setzte es für die Schützlinge von Trainer Peter Schwarz am Samstagabend aber eine 1:3 (15:25, 20:25, 25:17, 24:26)-Niederlage. Die Lindower Wölfe gingen an der Ostseeküste nicht kläglich baden, wurden von glänzend aufspielenden Adlern aber mindestens kalt erwischt. Die Gäste vergaben nicht nur den sich bietenden Matchball zum Titel, sie vergaben im vierten Durchgang sogar einen Satzball und haben die Chance auf die Meisterschaft somit nicht mehr in der eigenen Hand.

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„Das ist es auch, was mich extrem ärgert. Diese Niederlage tut richtig weh“, sagte Peter Schwarz nach der 92-minütigen Achterbahnfahrt der Gefühle in der Hein-Dahlinger-Halle. Mit einer knappen 2:3-Niederlage hätte sich der SVLG-Coach letztlich begnügt, „weil wir dann nicht auf Schützenhilfe angewiesen wären. So müssen wir hoffen, dass Kiel in Bitterfeld oder Bocholt patzt und wir unser Heimspiel gegen Moers gewinnen. Das ist sehr schade, ich bin kein Freund von Eventualitäten“. Am kommenden Samstag soll das Duell mit dem Gegner vom Niederrhein in der Granseer Dreifelderhalle wiederholt werden, nachdem es am 13. März kurzfristig ausfiel.

In Bildern: Volleyballer des SV Lindow-Gransee unterliegen im Titelkampf beim Kieler TV.

Die Grün-Weißen wollten in der Hansestadt den zweiten Zweitliga-Titel der Vereinsgeschichte perfekt machen, verloren nach 92 Spielminuten  aber mit 1:3 (15:25, 20:25, 25:17, 24:26). Die Kieler Adler haben bei noch zwei auszutragenden Partien nun beste Chancen, sich die Meisterschaft zu sichern. Zur Galerie
Die Grün-Weißen wollten in der Hansestadt den zweiten Zweitliga-Titel der Vereinsgeschichte perfekt machen, verloren nach 92 Spielminuten aber mit 1:3 (15:25, 20:25, 25:17, 24:26). Die Kieler Adler haben bei noch zwei auszutragenden Partien nun beste Chancen, sich die Meisterschaft zu sichern. © Marius Böttcher

Ein Spieler des SV Lindow-Gransee wurde in der obligatorischen Corona-Testreihe positiv getestet – der Moerser SC war zu diesem Zeitpunkt bereits angereist und musste unverrichteter Dinge den langen Heimweg antreten. Die Volleyball Bundesliga (VBL) setzte das Duell für den 17. April neu an, weil der SVLG keinen Regelverstoß beging. Ob Moers, die Protest einlegten, aber tatsächlich noch ein zweites Mal ins Brandenburgische reist, ist fraglich. „Es ist offen, wir werden sehen. Unsere Köpfe wären bis dahin jedenfalls wieder oben“, prophezeit Schwarz, der an der Kieler Förde den Gegner überraschen wollte.



Statt Piotr Adamowicz begann Timo Schlag im Außenangriff – eine folgerichtige Entscheidung nach den Trainingseindrücken, betonte der Trainer: „Meine Philosophie ist immer: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Ich habe im ersten Durchgang was gewagt und Pech damit gehabt. Bei dem, was ich aber unter der Woche beobachtete, hätte es auch anders ausgehen können.“ Die Idee blieb ohne Erfolg, was jedoch weniger an den Grün-Weißen um Kapitän Eric Stadie lag. Der gastgebende KTV präsentierte sich in ihrer Festung – Kiel gewann nun auch das letzte Heimspiel der Saison, die Weste ist blütenweiß – einfach in herausragender Form. „Der Gegner hat unglaublich stark aufgespielt, im ersten Satz fehlerfrei und auf ganz hohem Niveau agiert. Kiel im ersten Satz zu stoppen, war fast ein Ding der Unmöglichkeit“, lobte Schwarz den Konkurrenten, der Satz eins mit 25:15 gewann.

Omar Mohamed übernimmt das Zepter

Die Dominanz der Hansestädter und der damit einhergehende Schock hing den Gästen auch im zweiten Abschnitt noch nach, laut Peter Schwarz war die eigene Annahme „teilweise noch im Bus, uns fehlte die Souveränität“. Mitte des Satzes sorgte der Kieler Jenne Hinrichsen mit einer Aufschlagserie für klare Verhältnisse, Lindow kam nicht mehr hinterher – 25:20. Vielleicht im Mute der Verzweiflung, vielleicht aber auch, weil man endlich die vorhandene Klasse aufblitzen ließ, wendete sich ab dem dritten Durchgang das Blatt. Trotz Stotterstart – Kiel führte blitzschnell mit 3:0 – blieben die Schwarz-Schützlinge fokussiert und glaubten daran, ein Comeback zu starten. Diagonalspieler Omar Mohamed übernahm das Zepter und sorgte sowohl im Angriff als auch im Block für wichtige Punkte. „Ich wusste, dass er das kann. Für Omar hat es mich gefreut, dass er ein gutes Spiel gemacht hat“, erklärte sein Trainer.

Nach dem 25:17, nach der Rückkehr in das Spitzenspiel, waren die Hoffnungen auf den Punktgewinn, vielleicht sogar auf einen Erfolg im Tie-Break, riesig – nicht nur bei den Spielern, sondern auch bei Volleyball-Chef Frank Seeger sowie Manager Dirk Schmidt, die sich ebenfalls gen Norden auf machten und vor Ort die Daumen drückten. Sie fluchten, jubelten und waren nach dem vierten Satz enttäuscht, eine 1:3-Niederlage einstecken zu müssen. Das Topduell war auf Messers Schneide, einen zwischenzeitlichen Fünf-Punkte-Rückstand münzte der SVLG in ein 20:18 um. Es ging hin und her, beim 24:23 war man dem 2:2-Ausgleich nah. Während die Wölfe ausgerechnet in der Crunchtime Nerven zeigten, nutzten die Adler ihren ersten Matchball. „Nuancen machten den Unterschied“, so Schwarz, „die Jungs haben aber alles reingeworfen und bis zum letzten Ballwechsel gekämpft“.

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Auf der einen Seite hingen zumindest für ein paar Minuten die Köpfe, auf der anderen bildete sich eine Jubeltraube. Matthes Behlen genoss die Szenen unmittelbar nach dem entscheidenden Punkt eher zurückhaltend. Wie stolz der KTV-Coach aber war, verrieten seine Worte: „In den ersten beiden Sätzen haben wir Lindow überrascht, wir waren gut vorbereitet und haben die wacklige Annahme ausgenutzt. Im vierten Satz war es ein heißes Spiel.“ Der 61-Jährige hat seinen eingeschworenen Haufen stets unter Kontrolle – und das schon seit vielen Jahren: „Wir belohnen uns derzeit für die harte Arbeit. Meine Spieler kommen größtenteils aus dem Hobbybereich, haben keine explizite Ausbildung genossen. Umso höher ist dieser Erfolg einzustufen.“

Im Jahr 2000 holten die Adler letztmals die Zweitliga-Meisterschaft an die Ostseeküste, in diesem Jahr könnten sie den Lindowern jene Trophäe kurz vor der Ziellinie wegschnappen. „Es ist noch nichts entschieden, die zwei Auswärtsaufgaben sind nicht einfach“, so Behlen. Auch Peter Schwarz hofft auf eine Überraschung: „Kiel ist daheim bockstark, in der Fremde müssen sie sich doppelt beweisen. Schaffen sie das aber, ist der Titel verdient. Da bin ich dann Sportsmann genug.“

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