22. Juli 2020 / 17:26 Uhr

Verhärtete Fronten: Babelsberg 03 und Ex-Trainer Vorbeck treffen sich vor Gericht

Verhärtete Fronten: Babelsberg 03 und Ex-Trainer Vorbeck treffen sich vor Gericht

Mirko Jablonowski
Märkische Allgemeine Zeitung
Babelsberg-Coach Marco Vorbeck ist nicht zufrieden mit der Vorstellung seines Teams.
Am Donnerstag geht der Rechtsstreit zwischen Ex-Trainer Marco Vorbeck und dem SVB in eine neue Runde. © Jan Kuppert
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Regionalliga Nordost: Die ersten beiden Schlichtungsversuche zwischen beiden Streitparteien im vergangenen Dezember beziehungsweise Januar waren gescheitert.

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Nach zwei gescheiterten Schlichtungsversuchen und dem verschobenen Termin am 18. Juni kommt es am Donnerstagnachmittag zur arbeitsgerichtlichen Kammerverhandlung zwischen dem Fußball-Regionalligisten SV Babelsberg 03 und seinem im vergangenen November fristlos entlassenen Cheftrainer Marco Vorbeck. Der SPORTBUZZER beantwortet im Vorfeld die wichtigsten Fragen zum nunmehr seit mehr als acht Monaten laufenden Rechtsstreit zwischen beiden Partien.

Was war der Auslöser? Am 15. November 2019 erhielt der Fußball-Lehrer und ehemalige Profikicker Vorbeck, der in seiner aktiven Laufbahn für Hansa Rostock, Dynamo Dresden und den FC Augsburg sowohl in der 1. als auch in der 2. Bundesliga je auf 38 Einsätze kam, vom Kiezverein die fristlose Kündigung. Aus Sicht des 39-Jährigen erfolgte das „völlig überraschend“ und war für ihn nicht vorhersehbar. So stand er zum Beispiel noch wenige Tage zuvor im AOK-SPORTBUZZER-Talk Rede und Antwort. Die Entlassung erfolgte ausgerechnet nach dem ersten Punktspielerfolg der Kiezkicker, die zuvor 14 Begegnungen lang auf einen Sieg warteten.

In Bildern: Aus Rostock auf die Trainerbank: Die Karriere von Marco Vorbeck in Bildern.

<b>Aus Rostock auf die Trainerbank: Die Karriere von Marco Vorbeck in Bildern.</b> Zur Galerie
Aus Rostock auf die Trainerbank: Die Karriere von Marco Vorbeck in Bildern. ©

Was wird Marco Vorbeck vorgeworfen? Bis zum zweiten Schlichtungsversuch Anfang Januar hielt sich Babelsbergs Vereinsvorsitzender Archibald Horlitz mit Begründungen für die nach außen – vor allem zum getätigten Zeitpunkt – überraschende Entscheidung des Vereins zurück und sagte nur, dass diese trotz der schlechten Bilanz „keine sportlichen“ seien. Nachdem er vor Gericht zur Angabe der Gründe aufgefordert wurde, sagte er gegenüber dem SPORTBUZZER im Januar: „Das fiel mir noch immer schwer, aber wenn ich vor Gericht dazu aufgefordert werde, habe ich dem nachzugehen.“ So habe der erst im vergangenen Juni als Nulldrei-Trainer installierte Vorbeck gegenüber Mitgliedern der Mannschaft und des Trainerstabes unter anderem „anzügliche Fotos“ gezeigt und sich zudem „in äußerst unangemessener Form“ über ein weibliches Gremium-Mitglied des Vereins geäußert.

Was sagt der Ex-Coach zu diesen Vorwürfen? Vorbeck streitet diese Anschuldigungen vehement ab: „Die geäußerten Vorwürfe sind jedoch unzutreffend! Niemals habe ich vor der Mannschaft anzügliche Fotos gezeigt. Auch habe ich mich nicht in unangemessener Weise über ein weibliches Mitglied eines Vereinsgremiums geäußert. Schon gar nicht habe ich meine Kündigung provoziert. Für mich ist deshalb unerklärlich, weshalb diese haltlosen Behauptungen in Umlauf gebracht wurden“, teilte er im Januar dem SPORTBUZZER mit.

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Gab es vor der fristlosen Kündigung Abmahnungen für den Trainer? Nein. Laut Horlitz hätte für ihn vorher nichts auf derartige Verfehlungen hingedeutet, wie der Verein sie Vorbeck jetzt vorwirft. So habe sich die Mannschaft durch den Mannschaftsrat auf Nachfrage nicht kritisch geäußert, sondern erst in den Tagen nach dem ersten Saisonsieg gegen Optik Rathenow beim Vorsitzenden gemeldet und die Situation geschildert. Aufgrund der Schwere und Vielzahl der vorgefallenen Dinge sah der Verein daraufhin keine andere Möglichkeit, als die fristlose Kündigung auszusprechen. Vorbeck geht hingegen davon aus, dass diese nur von Teilen des Mannschaftsrates forciert wurde und auf persönlichen Befindlichkeiten beruht. So habe seiner Aussage zufolge der Großteil der Mannschaft sehr überrascht auf seine Entlassung reagiert. Dass das Verhältnis zwischen ihm und seinen Spielern nicht intakt gewesen sein soll, bestreitet er.

Wie lange läuft das Arbeitspapier von Vorbeck beim SVB? Vorbeck unterschrieb im Sommer 2019 einen Vertrag bis zum 30. Juni 2021. Seit seiner Entlassung am 15. November 2019 ist er ohne Einkommen und hat sich auf das vom SVB abgegebene Angebot, seinen Ex-Trainer zumindest bis zum 31. Dezember 2019 weiterzuzahlen, nicht eingelassen. Im für die Kiezkicker schlimmsten Fall einer Niederlage vor Gericht müssten diese Vorbeck rückwirkend bezahlen und zudem sein Gehalt solange übernehmen, bis dieser eine neue Anstellung bezogen hat. Sollten die Nulldreier sogar noch den Landespokal gewinnen, würde Vorbeck eine im Vertrag festgeschriebene Erfolgsprämie zustehen.

In Bildern: Von Hermann Andreev bis Predrag Uzelac: Die Trainer des SV Babelsberg 03 seit 2003.

Von Hermann Andreev bis Marco Vorbeck: Die Trainer des SV Babelsberg 03 seit 2003. Zur Galerie
Von Hermann Andreev bis Marco Vorbeck: Die Trainer des SV Babelsberg 03 seit 2003. © Jan Kuppert

Warum gab es keine außergerichtliche Einigung? Die Fronten waren schnell verhärtet, die Ansichten darüber, ob das abgegebene Angebot der Babelsberger fair sei, gingen auseinander. Seit dem Scheitern des zweiten Schlichtungsversuches herrscht zwischen beiden Parteien Funkstille.

Wie stehen die Siegchancen des Regionalligisten? Das ist schwer zu beurteilen. Sollten die erhobenen Vorwürfe durch Zeugen, vom Verein ist neben Archibald Horlitz dem Vernehmen nach mindestens einer zur Verhandlung vorgeladen, nachhaltig belegt werden können, stehen die Chancen des Vereins gut, mit seiner fristlosen Kündigung erfolgreich zu sein. Auf der anderen Seite sind Marco Vorbeck und sein Rechtsanwalt ebenfalls positiv gestimmt. So gab der ehemalige Offensivspieler bereits im vergangenen Januar in einem Statement bekannt: „Ich bin davon überzeugt, dass sich die gegen mich erhobenen Vorwürfe alle als unhaltbar erweisen werden und ich letztendlich im arbeitsrechtlichen Verfahren obsiege.“ Daran habe sich in den vergangenen Monaten auch nichts geändert.