14. Mai 2021 / 16:59 Uhr

Verl oder Schalke - darum geht es für Hansa

Verl oder Schalke - darum geht es für Hansa

Sönke Fröbe
Ostsee-Zeitung
Hansa und der HSV standen sich in 24 Bundesligaduellen gegenüber. Hier René Rydlewicz (l.) und Stefan Beinlich beim 3:0 der Rostocker im März 2004. 
Hansa und der HSV standen sich in 24 Bundesligaduellen gegenüber. Hier René Rydlewicz (l.) und Stefan Beinlich beim 3:0 der Rostocker im März 2004.  © dpa/dpaweb
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Ein Rostocker Sieg in Unterhaching könnte im Idealfall bereits den Aufstieg in die 2. Bundesliga bedeuten. Dort könnten die Gegner HSV, S04, 1. FC Köln oder Werder Bremen heißen.

Mit Schützenhilfe des MSV Duisburg (Sonnabend gegen Ingolstadt) und von Bayern München II (Sonntag gegen 1860 München) könnte Hansa die Rückkehr in die 2. Liga bereits am vorletzten Spieltag der 3. Liga perfekt machen: Voraussetzung ist ein Sieg der Härtel-Elf in Unterhaching, zudem dürfen Ingolstadt und 1860 ihre Spiele nicht gewinnen. Die Gegner der Rostocker würden dann künftig nicht mehr Verl oder Türkgücü heißen, sondern Schalke, Nürnberg, St. Pauli und vielleicht HSV, 1. FC Köln oder Werder Bremen.

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„Ich gehe davon aus, dass es bis zum letzten Spieltag eng bleibt“, meint Hansa-Trainer Jens Härtel und beschäftigt sich im Vorfeld der Entscheidung nicht mit möglichen Aufstiegsszenarien. Der SPORTBUZZER sagt, was für Hansa am Sonnabend in Unterhaching und wohl auch noch nächste Woche gegen den VfB Lübeck auf dem Spiel steht.

Hamburger SV

Sollte Hansa aufsteigen, ist ein Aufeinandertreffen mit dem HSV ziemlich wahrscheinlich. Rostocks geografisch nächster Bundesliganachbar kann es bestenfalls noch auf den Relegationsrang schaffen. Das letzte von 24 Pflichtspielen beider Klubs liegt 13 Jahre zurück. Am 3. Mai 2008 verlor Rostock im Ostseestadion 1:3, wenig später war der Abstieg in die 2. Liga besiegelt. Viele (ehemalige) Rostocker – etwa Frank Pagelsdorf, Thomas Doll, Sergej Barbarez, Stefan Beinlich oder Martin Pieckenhagen – waren mit dem HSV erfolgreich.

Unvergessenes Duell: Hansas 0:6-Heimniederlage im November 2004, danach trat Trainer Juri Schlünz zurück.

Schalke 04

Nach der schlechtesten Saison seiner Bundesligageschichte muss S04 in Liga 2 den Neuaufbau starten. Die Schalker bescherten Hansa einst die höchste Ablöse der Vereinsgeschichte, als sie 2001 5,1 Millionen Euro für Stürmer Victor Agali überwiesen.

Unvergessenes Duell: Im Oktober 1997 schoss die wohl beste Hansa-Mannschaft den amtierenden Uefa-Pokalsieger durch Tore von Dowe, Barbarez, Neuville und Pamic mit 4:1 aus dem Ostseestadion.


Im Sommer 2001 wurde das neue Ostseestadion nach Umbau eingeweiht.

Im ersten Spiel im neuen Ostseestadion am 4. August 2001 sahen 25.100 Zuschauer bei Dauerregen eine 0:3-Niederlage des FC Hansa gegen Bayer Leverkusen. Es war der erste Auswärtsauftritt des Brasilianers 
Zé Roberto in der Bundesliga, der später beim FC Bayern und dem Hamburger SV reüssierte. Zur Galerie
Im ersten Spiel im neuen Ostseestadion am 4. August 2001 sahen 25.100 Zuschauer bei Dauerregen eine 0:3-Niederlage des FC Hansa gegen Bayer Leverkusen. Es war der erste Auswärtsauftritt des Brasilianers  Zé Roberto in der Bundesliga, der später beim FC Bayern und dem Hamburger SV reüssierte. ©

1. FC Köln

Dem dreimaligen Meister droht der erneute Sturz in die Zweitklassigkeit, die Rettungsmission von Ex-Hansa-Coach Friedhelm Funkel (2000-01) ist aber noch nicht gescheitert. Sollten es die „Geißböcke“ nicht schaffen, könnte es für Hansa in der 2. Liga ein interessantes Wiedersehen geben. Denn neuer FC-Trainer wird Steffen Baumgart, Hansas ehemaliger Profi (1994-98 und 1999-2002) und Co-Trainer (2012-13, unter Wolfgang Wolf und Marc Fascher).

Unvergessenes Duell: Im August 1996 gelang Jonathan Akpoborie beim 2:0 in Köln ein Doppelpack gegen Weltmeister-Torwart Bodo Illgner.

FC St. Pauli

Koggenklub gegen Kiezkicker – es ist eines der brisantesten Duelle im deutschen Fußball. Die Fanlager sind verfeindet, oft wurden Spiele von Ausschreitungen begleitet. Dennoch gab und gibt es einen relativ regen Personalaustausch. Thomas Meggle, Stefan Studer, Paul Caligiuri, Andreas Bergmann, Fin Bartels, John Verhoek oder auch Nachwuchstrainer Roland Kroos sind einige (Ex-)Rostocker, die für beide Klubs tätig waren.

Unvergessenes Duell: Im Flutlichtspiel am 6. März 2009 verlor Hansa nach 2:0-Führung (Tore: Myntti, Bartels) in Hamburg noch mit 2:3 und Trainer Dieter Eilts war seinen Job los.

1. FC Nürnberg

Der Club, bis 1987 deutscher Rekordmeister (neun Titel), dümpelt im Niemandsland der Zweitliga-Tabelle herum. Beide Vereine trafen sich zuletzt am 31. Oktober 2018 in der zweiten DFB-Pokalrunde (2:4 n.E.). Personell gab und gibt es Verbindungen: von Ex-Hansa-Torwart Daniel Klewer, 2007 einer der Pokalhelden beim FCN, über Trainer Wolfgang Wolf und Ex-Torjäger Marek Mintal, die mit Hansa 2012 aus der 2. Liga abstiegen, bis zu Simon Rhein. Der Mittelfeldmann wechselte im Winter aus Nürnberg nach Rostock.

Unvergessenes Duell: Im August 1991 überrannte Neuling Hansa den Club im Ostseestadion mit 4:0 und wurde erster Tabellenführer der ersten gesamtdeutschen Bundesliga-Saison.

Werder Bremen

Dem viermaligen Meister droht der zweite Abstieg nach 1980. Hansa konnte von 24 Bundesligaduellen nur sieben gewinnen – zuletzt 2004. Die „gemeinsame“ Historie reicht weiter zurück. Anfang der Neunziger unterzeichneten Rostocker und Bremer einen Kooperationsvertrag, Werder vermittelte dem Koggenklub seinen Ex-Stürmer Uwe Reinders als Trainer. Der schaffte mit Hansa 1991 den ersten Meistertitel, den ersten Pokalsieg und die Qualifikation für die Bundesliga. Reinders blieb nicht der einziger Bremer auf Hansas Trainerbank. Später folgten Eilts (2008-09) und Christian Brand (2015-17) – mit überschaubarem Erfolg.

Unvergessenes Duell: Im Mai 2004 besiegte Hansa im Ostseestadion am letzten Spieltag den bereits feststehenden Meister mit 3:1.