20. Februar 2021 / 09:01 Uhr

Verlängerung des Lockdowns lässt keine Wahl: Stoppzeichen für Volleyballer

Verlängerung des Lockdowns lässt keine Wahl: Stoppzeichen für Volleyballer

Steffen Enigk
Leipziger Volkszeitung
Saisonabbruch: In der Thüringenliga ist Schluss für die Volleyballerinnen.
Saisonabbruch: In der Thüringenliga ist Schluss für die Volleyballerinnen. © Mario Jahn
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Der Thüringer Volleyball-Verband hat die Saison abgebrochen. Es gibt weder Auf- noch Absteiger. Die Frauen des VC Altenburg bleiben in der Thüringenliga. Eine neue Sommerrunde soll den Teams Spielpraxis ermöglichen.

Thüringen. Die strengen Pandemie-Bestimmungen haben nun auch für die Netzartisten das Stoppzeichen gesetzt. Der Thüringer Volleyballverband (TVV) hat die Saison 2020/21 im Erwachsenen-Bereich für beendet erklärt. Die Spielzeit wird abgebrochen und nicht gewertet, es gibt weder Auf- noch Absteiger. Im September soll es in allen Ligen mit den bisherigen Staffelbesetzungen neu losgehen.

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"Gibt keine Alternativen"

Die Verlängerung des Lockdown habe dem Verband keine Wahl gelassen, erklärte TVV-Geschäftsführer Christopher Röder-Rehberg gegenüber der OVZ. „Das Hauptproblem war der Zeitfaktor. Wir wissen nicht, wann überhaupt wieder Sportler in die Hallen dürfen, wann Mannschaftstraining möglich ist und wann ein geordneter Spielbetrieb beginnen kann“, so Röder-Rehberg, „einige Teams haben noch gar kein Spiel bestritten, andere nur wenige Begegnungen. Es wäre utopisch gewesen, das alles nachzuholen und die Saison bis zum 30 Juni über die Bühne zu bringen, zumal die Mannschaften drei bis vier Wochen zur Vorbereitung brauchen und nach einer Lockerung auch viele andere Sportarten die Hallen beanspruchen werden.“

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Wolfgang List vom VC Altenburg hält die Verbands-Entscheidung für richtig. „Es gab keine Alternativen, wir können und müssen damit leben“, sagt der Vereins-Chef. Das einzig Positive sei, dass den Altenburger Frauen der Abstiegskampf in der Thüringenliga erspart bleibt und sie auch in der kommenden Saison in der höchsten Liga des Freistaats aufschlagen dürften. „Wir wollten es natürlich sportlich schaffen, aber der Klassenerhalt wäre schwer geworden“, meint Wolfgang List, der bei seinen Damen keinen großen Umbruch erwartet: „Wir setzen weiter auf junge Spielerinnen, wissen aber nicht, wie sie die lange Zwangspause verkraften.“ Die letzte von nur drei Saison-Partien, bei denen es drei Niederlagen setzte, absolvierten die Altenburgerinnen am 10. Oktober.

In den Hallen wird vorerst nicht geschmettert, im Sand könnte es wie gewohnt im Mai wieder losgehen. Der Verband will zusätzliche Beach-Wettkämpfe für alle Altersklassen anbieten, und zumindest an kleineren Turnieren werden auch VCA-Duos teilnehmen.

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Regional-Turniere für den Nachwuchs

Nicht vom Abbruch betroffen ist auch der Volleyball-Nachwuchs, der seine Titelkämpfe ohnehin nicht im Ligenbetrieb, sondern in Turnierform bestreitet. Hier plant der TVV auch regionalbezogene Wettkämpfe auf freiwilliger Basis. „Viele kleinere Vereine scheuen die Teilnahme an den Thüringer Meisterschaften, weil sie dort chancenlos sind und oft hoch verlieren. Bei Regionalturnieren können sie sich auf Augenhöhe begegnen“, sagt Wolfgang List, der als Nachwuchs-Staffelleiter für Ostthüringen (Gera, Greiz, Pößneck, Altenburg) die Organisation koordinieren wird. „Vielleicht können wir da ab Mai bis zu den Sommerferien einiges auf die Beine stellen. Es gibt Überlegungen, diese Turniere von der Halle in den Sand zu verlegen.“ Auch die 55 Altenburger Jugend-Volleyballer werden dann dabei sein.

Christopher Röder-Rehberg hofft zudem darauf, dass bis Juni die Nachwuchs-Regionalmeisterschaften (Thüringen und Sachsen) über die Bühne gehen, „damit wir zwei Teilnehmer für die Deutschen Meisterschaften melden können.“

Quattro-Sommerliga als Alternative für Erwachsene

Um den Erwachsenen Teams einen Re-Start und Spielpraxis zu ermöglichen, plant der TVV eine neue Quattro-Sommerliga. Heißt: Die Besetzung der Mannschaften wird von sechs auf vier Akteure reduziert. Spielerpässe werden nicht gebraucht, Meldegebühren entfallen. All das soll den Zugang erleichtern. Wie diese Wettkämpfe genau aussehen, wird gemeinsam mit den Vereinen geklärt und rechtzeitig bekannt gegeben „Wenn die Hallen noch geschlossen sein sollten, können wir auch auf Rasen oder Sand spielen“, so Röder-Rehberg.

Der TVV-Geschäftsführer musste nun schon zum zweiten Mal in Folge wegen der Pandemie einen Saisonabbruch verkünden und sagt: „Es ist ein Kampf gegen Windmühlenflügel. Seit November haben wir Videokonferenzen mit den Vereinen abgehalten, ständig Konzepte für die Fortsetzung des Spielbetriebs erstellt und dann wieder verworfen. Das ist frustrierend, für uns und für die vielen Ehrenamtlichen. Aber wir müssen optimistisch bleiben und aus dem Prinzip Hoffnung Energie ziehen.“

Die Folgen für den Volleyball, besonders im Nachwuchsbereich, sind noch nicht absehbar. Der VC Altenburg hat bisher laut Wolfgang List „keine Abmeldungen in Größenordnungen“ zu verzeichnen, auch die Sponsoren würden zur Stange halten. „Wir haben seit Jahrzehnten aber noch ein anderes Problem“, sagt der Vereins-Chef: „Wenn unsere Nachwuchsspieler Abitur machen und ein Studium aufnehmen, sind sie für uns meist verloren. Dann spielen sie in Leipzig, Jena oder woanders weiter oder hören ganz mit dem Volleyball auf.“ Doch auch das könne man aus einer anderen Sichtweise betrachten. So schlägt der Altenburger Henrik Kamphausen inzwischen in Leipzig bei den L.E. Volleys in der 2. Bundesliga auf. „Er ist bei uns groß geworden und hat es nach oben geschafft. Insofern ist er ein schönes Beispiel für unsere Talente und Nachwuchstrainer, was möglich ist“, meint Wolfgang List.

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