12. September 2021 / 19:40 Uhr

Verletzt und vereinslos: Premnitzer Profi Dennis Mast ist auf der Suche nach einem neuen Verein

Verletzt und vereinslos: Premnitzer Profi Dennis Mast ist auf der Suche nach einem neuen Verein

Stephan Henke
Märkische Allgemeine Zeitung
Dennis Mast Hallescher FC Halle,16 - 3. Liga Fußball Saison 2020-2021 Punktspiel Hallescher FC Halle vs. KFC Uerdingen im Erdgas Sportpark in Halle Saale - Freisteller,Aktion,Fußball,Mann,Männer,Deutschland,09.04.2021 *** Dennis Mast Hallescher FC Halle,16 3 Liga Football Season 2020 2021 Punktspiel Hallescher FC Halle vs KFC Uerdingen im Erdgas Sportpark in Halle Saale Freisteller,action,football,man,men,Germany,09 04 2021
Dennis Mast spielte bis zum Sommer beim Halleschen FC in der 3. Liga. © imago images/Christian Schroedter
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Der langjährige Jugendspieler des TSV Chemie macht derzeit die wohl schwierigste Phase seiner Fußballkarriere durch. Er habe jetzt viel Zeit zum Nachdenken, sagt Mast, der eigentlich schon fast bei einem Regionalligisten unterschrieben hatte.

Die aktuelle Situation ist für Dennis Mast eine völlig neue. „Nach elf Jahren, die ich im Leistungssport bin, ist das meine erste richtige Verletzung. Davor hatte ich nicht mal eine Zerrung, bin maximal zwei, drei Tage ausgefallen“, sagt der Profi-Fußballer. Am 9. Juli gab es allerdings die bittere Premiere: Mittelfußbruch, Operation, Reha. Und das zu einem äußerst ungünstigen Zeitpunkt. Denn Ende Juni war der Vertrag des Premnitzers beim Drittligisten Hallescher FC ausgelaufen. Mast spielte bei einem potenziellen neuen Verein vor, als er sich dort im Training verletzte. „Ich war schon mit dem Verein auf der Zielgerade, wir hatten eigentlich schon alles geklärt“, erzählt der 29-Jährige. Doch wegen der Verletzung nahm der Club erst einmal Abstand von der Verpflichtung von Mast, „wir sind auch immer mal wieder noch in Kontakt“, sagt er.

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Er wirkt aufgeräumt, als er über seine derzeitige Lage spricht, am Anfang sei die Situation allerdings schwierig gewesen. „Die Verletzung hat mich echt runtergezogen, zumindest kurzzeitig. Das hat sich aber auch relativ schnell wieder gelegt“, erzählt der Mittelfeldspieler. „Du hast jetzt viel, viel Zeit zum Nachdenken. Es ist auch ganz interessant, sich mit sich selbst zu beschäftigen, alles mal ein bisschen einzuordnen, dafür bleiben sonst nicht so viele Gelegenheiten. Insgesamt ist die Zeit eher spannend als schwer. Aber natürlich vermisse ich auch die Zeit mit den Jungs in der Kabine, vor und nach dem Training ein bisschen rumzuflachsen“, sagt Mast.

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Sein Lebensmittelpunkt ist weiterhin Halle. Für den HFC hat er die meisten Spiele (107) in seiner Karriere gemacht, spielte insgesamt sechs Jahre dort. „Ich bin dem HFC gegenüber absolut positiv eingestellt und hege keinen Groll, dass der Vertrag nicht verlängert wurde, auch wenn es zwischendurch mal anders aussah. Ich bin dem Verein immer noch sehr dankbar, dass ich dort meine ersten Schritte als Profi machen durfte.“

Noch mindestens zwei Jahre werde er dort mit seiner Familie, die sich in der Region sehr wohl fühle, wohnen, bis der achtjährige Sohn mit der Grundschule fertig ist. „Klar, wäre es schön, wenn der neue Verein in der Nähe wäre. Aber das Fußballgeschäft ist so, wie es ist. Das weiß auch meine Frau, deshalb bin ich grundsätzlich offen für Angebote aus ganz Deutschland. In den Jahren, in denen du das Privileg hast, Profi-Fußballer zu sein, musst du auch mal Abstriche machen“, sagt Mast.

"Natürlich will ich noch so hoch wie möglich spielen"

Dabei ist der ehemalige Zweitliga-Profi des Karlsruher SC auch nicht auf die 3. Liga festgelegt, in der er inzwischen 179 Spiele absolviert hat. „Natürlich will ich noch so hoch wie möglich spielen. Aber ich kenne auch meine Situation, ich bin jetzt 29, kein Talent mehr, vereinslos und verletzt. Ich bin auch der Regionalliga absolut nicht verschlossen, weil da teilweise ein sehr gutes Niveau herrscht. Aber wenn ich in die Regionalliga wechsle, dann muss es schon ein Projekt sein, wo man sportliche Ambitionen nach oben hat“, erzählt Mast. Auch der Verein, bei dem er schon fast unterschrieben hatte, spielt in der Regionalliga, mehr will er allerdings nicht verraten. Beim Drittliga-Tabellenletzten TSV Havelse wurde er kürzlich im Stadion gesichtet, „es gab Gespräche, mehr aber auch erst einmal nicht“, sagt Mast.

Das Ende der Leidenszeit ist für Mast allerdings auch schon greifbar nah. „Noch eine Woche Physio und Reha, dann bin ich auch auf dem Stand, dass ich in ein, zwei Wochen wieder ins Mannschaftstraining einsteigen könnte. Dann kann ich mich auch wieder aktiv um einen Verein kümmern“, erzählt er. Joggen gehe er bereits wieder, „ich merke schon die Fortschritte. Wenn du läufst wie ein angeschossenes Reh, brauchst du ja nicht bei einem Verein vorspielen.“


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Mast ist aber auch Realist, baut schon mal für die Karriere nach der Karriere vor. „Drei Jahre Fußball sind schon noch drin, ich fühle mich eigentlich körperlich wie 21. Aber mit 29 muss man langsam auch über die Zeit danach nachdenken“, sagt er selbst. Vor rund drei Monaten fing er eine duale Ausbildung im Finanzdienstleistungsbereich an. Das Thema interessiere ihn sehr, er sieht dabei einen „brutalen Bedarf bei Fußballern. Ich war selbst mal jung, dachte, dass ich jetzt ein neues Auto, eine größere Wohnung und eine schönere Couch brauche. Ich will die jungen Fußballer dafür sensibilisieren, dass sie auch an die Zeit danach denken.“ So bleibe er dem Fußball zwar später weiter erhalten, „bin aber nicht mehr abhängig davon“, sagt er.

Ein „absolutes nein“ sagt er zu einer möglichen Trainerkarriere. „Das hat gar nicht so sehr mit der Arbeit zu tun, sondern mit den Umständen. Da wäre man immer noch in der Fußballblase. Das läuft dann bis an dein Lebensende, dass die Zeit am Wochenende knapp ist, als Trainer hast du da ja noch mehr zu tun als als Spieler.“ Eine Aufgabe im Managementbereich sei da schon interessanter, dort allerdings einen guten Job zu bekommen, sei auch nicht einfach. „Im Profibereich gibt es 56 Sportdirektor-Stellen. Dass es so gut läuft, wie bei ,Schuppi’ (Sebastian Schuppan, Masts ehemaliger Mitspieler bei den Würzburger Kickers, d. Red.), dass du direkt nach der Karriere Sportdirektor wirst, da kannst du auch Lotterie spielen.“ Das ist allerdings alles eh noch Zukunftsmusik, zu allererst will Dennis Mast einfach wieder Fußball spielen.

Zur Person: In der Jugend bei Chemie Premnitz

Dennis Mast wurde am 15. Februar 1992 in Rathenow geboren. Den Großteil seiner Jugend spielte er bei Chemie Premnitz, anschließend wechselte er in die Nachwuchsabteilung des FC Energie Cottbus. Über die Jugend von Energie kam er 2009 zum Halleschen FC, wo er am 20. März 2011 in der Männermannschaft in der Regionalliga Nord debütierte.  Bei Halle spielte er bis zum Sommer 2013, nach dem Aufstieg in die 3. Liga wechselte er zum Zweitligisten Karlsruher SC, wo er eine Saison spielte. Mit dem damaligen Drittligisten Arminia Bielefeld stieg er als Stammspieler in die 2. Bundesliga auf, kam in der Folgesaison aber nur zu neun Einsätzen.  So wechselte er zum Drittligisten Chemnitzer FC (2016/17) und ging dann zu den Würzburger Kickers (2017 bis 2019), ehe er für zwei Jahre zum HFC zurückkehrte.