10. Oktober 2020 / 08:52 Uhr

Verletzung, RB-Leipzig-Comeback, EM? Die Achterbahnfahrt Willi Orbans

Verletzung, RB-Leipzig-Comeback, EM? Die Achterbahnfahrt Willi Orbans

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Beim Playoff-Halbfinale gegen Bulgarien leitet Willi Orban (r.) mit seinem Treffer zum 1:0 den Sieg für Ungarn ein.
Beim Playoff-Halbfinale gegen Bulgarien leitet Willi Orban (r.) mit seinem Treffer zum 1:0 den Sieg für Ungarn ein. © AP
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Nach seiner Verletzungspause verlor der RB-Musterprofi Willi Orban in Leipzig sein Kapitänsamt. Nun wirkt der ungarische Nationalspieler stärker denn je

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Leipzig. Reha, Ersatzbank, Startelf, Tor. Und als Krönung nun auch die EM-Qualifikation? Willi Orban erlebt gerade, wie schnelllebig und wirr das Fußball-Geschäft sein kann. Vor wenigen Wochen hatte sich beim Leipziger RB-Profi Frust angestaut, sogar Wechsel-Gerüchte machten die Runde. Als Kapitän war er abgewählt und sportlich nur noch zweite Wahl. Doch dann drehte sich sein Schicksal um 180 Grad.

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„Ich bin unglaublich zufrieden mit Willi. Er ist ein Vorzeigeprofi“, sagte Trainer Julian Nagelsmann vor Wochenfrist nach dem 4:0 gegen Schalke 04. Der einstige Abwehrchef hatte erstmals seit Oktober 2019 wieder in der RB-Startelf gestanden. Orban dankte es mit einer starken Leistung samt Kopfballtor, fünf Tage später traf er in der EM-Qualifikation auch für die ungarische Auswahl. „Es hat ja lange genug gedauert“, meinte Orban später über seine Leidenszeit.

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Die hatte am 30. Oktober 2019 in Wolfsburg begonnen. Beim famosen 6:1 im DFB-Pokal war Orban der Pechvogel, musste nach 26 Minuten mit einer Knieverletzung vom Platz. Aus anfangs prognostizierten drei Wochen Pause wurden nach einer Operation sieben Monate. Orban kämpfte sich durch die Reha, kam nach der Corona-Zwangspause noch auf ein paar Kurzeinsätze.

Sofort wieder auf altem Niveau

In der neuen Saison sollte alles besser werden. Doch der 27-Jährige fand sich zunächst auf der Bank wieder. Ein Gespräch mit Nagelsmann folgte. „Willi weiß natürlich, dass andere auf seiner Position gute Leistungen gebracht haben“, sagte Nagelsmann und meinte damit keinen geringeren als Nationalspieler Lukas Klostermann. „Aber er gibt immer Gas, verkriecht sich nicht. Er ist reflektiert und macht keinen Stunk. Seinen Platz hat er ja nicht wegen seiner Leistungen, sondern wegen der Verletzung verloren.“

Nicht nur seinen Stammplatz musste Orban abgeben, sondern auch die Binde. Die Mannschaft wählte mit Marcel Sabitzer einen neuen Kapitän, Peter Gulacsi und Yussuf Poulsen wurden die Stellvertreter. Für Orban blieb ein Mitspracherecht im Mannschaftsrat. RB holte in der vergangenen Woche auch noch den erst 18 Jahre alten Verteidiger Josko Gvardiol. Der Kroate kommt zwar erst im nächsten Jahr, doch für Orban bedeutet dies dennoch neue Konkurrenz.

Dann kam Schalke. Orban war wieder gefragt und sofort auf dem alten Niveau. Für Nagelsmann heißt es, nach der Länderspielpause eine schwere Entscheidung treffen zu müssen. Denn ein Argument, Orban wieder auf die Bank zu setzen, gibt es derzeit nicht.

Orban trifft, EM-Aus für Sörloth

Darüber macht sich der Innenverteidiger gerade keine Gedanken. Eher setzt er seinen Höhenflug fort. Nach dem Schalke-Spiel flog er nach Budapest zur ungarischen Nationalmannschaft. Beim 3:1-Erfolg im Halbfinale um das EM-Ticket in Bulgarien glänzte Willi Orban. Mit seinem Treffer zum 1:0 nach einer Ecke legte er den Grundstein zum Sieg. Die Vorlage lieferte der frühere RB-Profi Zsolt Kalmar, der später auch das zweite Tor besorgte. Nun wartet am 12. November im Playoff-Finale Island auf die Magyaren, für die am Donnerstag auch Torwart Peter Gulácsi glänzte. Beim EM-Turnier würden die beiden Leipziger auf Deutschland treffen. Orban meint: „Ich freue mich sehr, dass ich diese Chance habe. Mit der EM würde ein Traum in Erfüllung gehen.“

Geplatzt ist der Traum von der EM für Alexander Sörloth. Die Norweger mussten sich im Playoff-Halbfinale mit 1:2 nach Verlängerung gegen Serbien geschlagen geben. Sörloth spielte an der Seite von Erling Haaland durch – beide konnten das Aus aber nicht verhindern.

T. Bachmann, F. Schober, S. Ecker