12. Mai 2021 / 16:45 Uhr

Verletzung, Formschwäche & Co: Welche Stars die EM verpassen könnten – und wer sicher ausfällt

Verletzung, Formschwäche & Co: Welche Stars die EM verpassen könnten – und wer sicher ausfällt

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Könnten bei der EM nur als Zuschauer dabei sein: Trent Alexander-Arnold (v.l.), Sergio Ramos und Julian Brandt.
Könnten bei der EM nur als Zuschauer dabei sein: Trent Alexander-Arnold (v.l.), Sergio Ramos und Julian Brandt. © IMAGO/Christian Schroedter/Sportimage/PA Images/Sven Simon (Montage)
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Einen Monat vor der Europameisterschaft ist die Teilnahme zahlreicher Topstars noch nicht gesichert. Vor allem bei den großen Nationen zittern einige große Namen noch - wegen Verletzungssorgen oder einer Formschwäche zur Unzeit. Ein Überblick.

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Einige Superstars müssen bei der Europameisterschaft sicher zuschauen. Wenn der Ball ab dem 11. Juni rollt, sind beispielsweise BVB-Stürmerstar Erling Haaland oder Weltklasse-Torwart Jan Oblak von Atlético Madrid nicht dabei, deren Nationalmannschaften Norwegen und Slowakei sich nicht für die Endrunde qualifizieren konnten. Doch auch die Teilnahme anderer Topstars ist noch nicht sicher - zahlreiche große Namen von England, Spanien, Deutschland & Co. zittern noch. Der SPORTBUZZER gibt einen Überblick.

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Trent Alexander-Arnold (England/Liverpool)

Der junge Rechtsverteidiger ist mit einem Marktwert von 100 Millionen Euro (laut transfermarkt.de) der wertvollste der EM-Wackelkandidaten. Das liegt nicht nur am eindrucksvollen Angebot, das Nationaltrainer Gareth Southgate auf seiner Position hat (u.a. Kyle Walker, Kieran Trippier, Reece James), sondern auch an einer insgesamt schwachen Saison von "TAA" selbst. Der für seinen Offensivdrang bekannte 22-Jährige leistete sich vor allem im Abwehrverhalten immer wieder teils kapitale Aussetzer, etwa beim Champions-League-Aus gegen Real Madrid. Southgate verzichtete zuletzt immer häufiger auf Alexander-Arnold - und blieb selbst dann standhaft, wenn er sich deshalb Kritik von Liverpool-Trainer Jürgen Klopp gefallen lassen musste.

Ansu Fati (Spanien/FC Barcelona)

Das Wunderkind des spanischen Fußballs wird die EM verpassen, nachdem er sich in der vergangenen Woche einer dritten Operation unterziehen musste. Der 18-Jährige, dessen Marktwert auf 80 Millionen Euro taxiert wird, fehlt dem FC Barcelona mit Meniskusproblemen bereits seit November und soll erst in der Saisonvorbereitung wieder zur Verfügung stehen. "Armer Junge. Fünf, sechs Monate sind eine lange Zeit. Das Wichtigste ist aber, dass er sich erholt, gesund wird und wieder bei uns ist", sagte Barca-Trainer Ronald Koeman. Fati hatte im Herbst 2020 in der spanischen Nationalelf debütiert (beim 1:1 gegen Deutschland) und bisher vier Mal gespielt (ein Tor).



Virgil van Dijk (Holland/FC Liverpool)

Sogar noch länger dauert die Leidenszeit von Virgil van Dijk. Der Abwehr-Superstar fehlt dem FC Liverpool bereits, seit er sich Mitte Oktober im Derby gegen Everton (2:2) einen Kreuzbandriss zuzog. Seit Mittwoch ist klar: Van Dijk wird die EM verpassen, das teilte er selbst mit. Van Dijk kehrte zuletzt zwar ins Lauftraining der Reds zurück, Trainer Jürgen Klopp hatte einen Einsatz des 29-Jährigen beim Turnier aber wiederholt als "unwahrscheinlich" bezeichnet.

Dayot Upamecano (Frankreich/RB Leipzig/FC Bayern)

Aus ganz anderen Gründen muss Dayot Upamecano um seine Teilnahme zittern. Der 22-Jährige, der im Sommer von RB Leipzig zum FC Bayern wechselt, debütierte zwar Ende 2020 beim Weltmeister und deutschen Gruppengegner, wurde auch wegen Verletzungen jedoch seit seinen ersten drei Spielen entweder nicht mehr eingesetzt oder aus Verletzungsgründen nicht berufen. Didier Deschamps hat im Abwehrzentrum wie auf so vielen Positionen die Qual der Wahl: Mit Raphael Varane, Presnel Kimpembe, Kurt Zouma und Clément Lenglet gehören einige der besten Innenverteidiger der Welt zu seinem Aufgebot - da droht Upamecano das Nachsehen zu haben. Eine Nominierung für die EM wäre "traumhaft", sagte der Noch-Leipziger kürzlich im Interview mit dem SPORTBUZZER.

Sergio Ramos (Spanien/Real Madrid)

Sergio Ramos gehört zu den erfolgreichsten Spielern der Welt, der 35-Jährige wurde Welt- und zweimal Europameister, gewann vier Mal die Champions League, dazu nationale Meisterschaften und Pokale. Nun droht der Legende, deren Vertrag bei Real Madrid nach 15 Jahren ausläuft, ein bitterer Abschied von der großen Bühne. Am vergangenen Wochenende zog Ramos sich eine Sehnenverletzung im linken Bein zu. Über die Ausfallzeit wurde nichts bekannt, Medienberichten zufolge könnte der Innenverteidiger aber nicht nur den Saisonendspurt verpassen (und damit womöglich kein weiteres Spiel für Real absolvieren), sondern auch die EM.

Thomas Müller und Mats Hummels (Deutschland/FC Bayern/Borussia Dortmund)

Die beiden Weltmeister sind seit Monaten für eine Rückkehr ins DFB-Team im Gespräch. Bundestrainer Joachim Löw hatte das Duo gemeinsam mit Jerome Boateng im Frühjahr 2019 nach der verkorksten WM in Russland ausgebootet, zuletzt aber die Tür für ein Comeback der Routiniers geöffnet. Ob beide tatsächlich nominiert werden, will Löw im Mai entscheiden. Sowohl am überragenden Müller (15 Tore und 22 Vorlagen in 45 Saisonspielen) als auch an Hummels, der beim BVB als Abwehr-Stabilisator und Teilzeit-Torjäger (sechs Treffer in 45 Spielen) glänzt, dürfte es für den Bundestrainer eigentlich kein Vorbeikommen geben.

Julian Brandt (Deutschland/Borussia Dortmund)

Der Mittelfeldspieler erlebt keine leichte Saison und sucht auch knapp zwei Jahre nach seiner Verpflichtung noch seinen Platz im Team von Borussia Dortmund. Startelf-Einsätze waren unter BVB-Coach Edin Terzic zuletzt rar gesät, Bundestrainer Joachim Löw verzichtete bewusst auf den 25-Jährigen, den er noch dazu in die Pflicht nahm: Er habe genug Möglichkeiten, sein Potenzial auszuschöpfen, so Löw im März. "Ich werde das die nächsten zwei Monate beobachten." Was trotz Formschwäche für den gebürtigen Bremer spricht, ist die Erweiterung des Aufgebots von 23 auf 26 Profis.

Dele Alli (England/Tottenham Hotspur)

Für Dele Alli könnte die Trennung seiner Spurs von Trainer José Mourinho im April zu spät gekommen sein. Unter dem Portugiesen spielte der 25-Jährige anders als unter Vorgänger Mauricio Pochettino überhaupt keine Rolle mehr. Das hat sich bei dessen Interims-Nachfolger Ryan Mason zwar gebessert, dennoch fehlt dem offensiven Mittelfeldspieler wohl die Spielpraxis, um im extrem dicht besetzten englischen Kader einen EM-Platz zu ergattern. Zumal er letztmalig vor rund zwei Jahren im Aufgebot der Three Lions stand.

Marcus Thuram und Karim Benzema (Frankreich/M'gladbach und Real Madrid)

Zwei ganz unterschiedliche Problem-Fälle für Frankreich-Trainer Didier Deschamps. Beide Stürmer hätten leistungstechnisch durchaus eine Chance verdient, aber werden sie auch mit zum EM-Kader gehören? Deutlich größere Chancen hat Youngster Marcus Thuram, der sich bei Borussia Mönchengladbach zu einem der gefährlichsten Angreifer der Bundesliga gemausert hat. "Marcus besitzt die Fähigkeiten, Unterschiede herzustellen. Er hat die Wucht, den Vorwärtsdrang, er macht Tore und bereitet welche vor", schwärmte Deschamps, der dem 23-Jährigen Ende 2020 zum Debüt verhalf. Anders ist die Situation bei Karim Benzema. Der erfahrene Mittelstürmer glänzt seit Jahren als Superstar von Real Madrid, absolvierte das letzte seiner 81 Länderspiele aber vor sechs Jahren. Solange er Nationaltrainer sei, werde Benzema nicht ins Team zurückkehren, sagte Deschamps wiederholt. Benzema soll vor Jahren seinen damaligen Teamkollegen Mathieu Valbuena erpresst haben.

Nicolò Zaniolo und Marco Verratti (Italien/AS Rom/PSG)

Was wird aus Nicolò Zaniolo? Der Jungstar von der AS Rom hatte sich gerade so richtig in der Squadra Azzurra festgespielt, als er im September 2020 einen Kreuzbandriss erlitt - es war nur kurz nach dem ersten bereits der zweite in der noch jungen Karriere des 21-Jährigen. "Zur EM bin ich zurück", versprach das Talent zum Jahreswechsel. Allerdings wurde seine Reha immer auch von Schwierigkeiten begleitet - unter anderem von einer Corona-Infektion. Am Dienstag folgte die nächste Hiobsbotschaft für die Italiener: Mittelfeldspieler Marco Verratti fällt mit Knieproblemen mindestens vier Wochen aus, die Saison des 28-Jährigen ist vorzeitig beendet, die EM in Gefahr.

Auch sie zittern noch:

  • Mason Greenwood (England/Manchester United) - Gehörte nach seinem Debüt im September nicht mehr zum Kader
  • Daniel Carvajal (Spanien/Real Madrid) - Angeschlagen
  • Mikel Merino (Spanien/Real Sociedad) - Zuletzt nicht berücksichtigt
  • Pedro Neto (Portugal/Wolverhampton) - Fehlt aktuell mit Knieproblemen
  • Joe Gomez (England/FC Liverpool) - Fehlt definitiv mit Patellasehnenproblemen
  • Jordan Henderson (England/FC Liverpool) - Kämpft nach einer Leisten-OP um die Teilnahme
  • Konrad Laimer (Österreich/RB Leipzig) - Fehlt nach einer Knie-OP seit Monaten
  • Axel Witsel (Belgien/Borussia Dortmund) - Wird nach einem Achillessehnenriss wohl nicht rechtzeitig fit
  • Julian Draxler (Deutschland/Paris Saint-Germain) - Wegen großer Konkurrenz ein Wackelkandidat