11. April 2019 / 09:02 Uhr

„Verletzungsbedingt raus“: Mannschaftsärzte von RB Leipzig und SC DHfK sprechen am Uni-Klinikum

„Verletzungsbedingt raus“: Mannschaftsärzte von RB Leipzig und SC DHfK sprechen am Uni-Klinikum

Tilman Kortenhaus
Leipziger Volkszeitung
Die verantwortlichen Sportärzte von RB Leipzig, Dr. Frank Striegler, und des SC DHfK Leipzig, Dr. Pierre Hepp, im Hörsaal der Anatomie der Universität Leipzig . 
Die verantwortlichen Sportärzte von RB Leipzig, Dr. Frank Striegler, und des SC DHfK Leipzig, Dr. Pierre Hepp, im Hörsaal der Anatomie der Universität Leipzig .  © Andre Kempner
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Sportinteressierte, Medizinstudenten und Mitglieder des „Red Campus“ Fan-Clubs lauschten am Mittwochabend im Anatomie-Hörsaal der Universität Leipzig den Worten der Sportmediziner und erfuhren viel Wissenswertes über den Alltag eines Arztes im Profisport, typische Verletzungen und Behandlungsformen. 

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Leipzig. Sportinteressierte, Medizinstudenten und Mitglieder des „Red Campus“ Fan-Clubs hatten sich am Mittwochabend im Anatomie-Hörsaal der Universität Leipzig eingefunden, um dem Vortrag der Mannschaftsärzte von RB Leipzig und dem SC DHfK zu lauschen. Fast zwei Stunden sprachen Dr. Robert Percy Marshall und Dr. Frank Striegler von den Rasenballern sowie Dr. Pierre Hepp von den Bundesliga-Handballern über den Alltag eines Arztes im Profisport, typische Verletzungen und Behandlungsformen. Auch auf den Werdegang zum Mannschaftsarzt gingen die Redner ein und rührten damit vor den Medizinstudenten gleich etwas die Werbetrommel für den Job. Auf zukünfitge Profisportler wirkte die Veranstaltung vermutlich eher abschreckend, spätestens als Dr. Striegler die vergangenen sieben Jahre Verletzungen bei RB zusammenfasste.

Profisport ist schlecht für den Körper

Mit dem Titel „Verletzungsbedingt raus“ hatten die drei Mediziner den Inhalt der Präsentation bereits für alle Zuhörer gut zusammengefasst, aber auch die Prävention der Verletzungen gehört zu der Arbeit der Mannschaftsärzte. „Der beste Sportler ist der, der sich nie verletzt“, erklärt Marshall direkt zu Beginn. Falls dennoch behandelt werden müsse, sei es wichtig die Arbeit so zu machen, dass die Verletzung nicht wieder auftrete. Dennoch: „Je häufiger man sich bereits verletzt hat, desto häufiger wird es wieder passieren.“ Klar sei dabei aber vor allem eins: Profisport ist schlecht für den Körper – vor allem für die Gelenke, so der RB-Arzt, der bis 2017 noch beim HSV engagiert war. Besonders betroffen seien dabei Sprung- und Kniegelenke, in der jüngsten Vergangenheit seien allerdings auch Kopfverletzungen wie Gehirnerschütterungen in den Fokus gerückt. Fast 50 Prozent aller Fußballprofis hätten eine solche bereits erlitten.

Dr. Robert Marshall
 berichtet von seinen Erfahrungen mit Profisportlern. 
Dr. Robert Marshall berichtet von seinen Erfahrungen mit Profisportlern.  © Andre Kempner
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Doch auch auf die Jugendarbeit kam Marshall zu sprechen. „Wir haben als Betreuer eine absolute Verantwortungsposition. Es ist ein deutlicher Unterschied, ob du einem Millionär erzählst, dass sein Knie kaputt ist oder einem 16-Jährigen, bevor seine Karriere überhaupt angefangen hat.“

Dr. Hepp sprach anschließend über die Verletzungen im Handball und hatte den Anwesenden dafür schockierende Statistiken mitgebracht. „Ein Verein muss mit 2,5 Verletzungen und 25 Verletzungstagen pro Spieler pro Saison rechnen“, berichtet der Mediziner, der als Bereichsleiter für Gelenkchirugie und Sportverletzungen am Uni-Klinikum arbeitet. „Schwere Verletzungen brauchen bei Profisportlern genauso lang. Es gibt da keine Zwei-Klassen-Medizin. Ein schwerer Bruch dauert auch hier sechs Monate“, so Hepp, der anschließend Bilder einer Operation am Schultergelenk zeigte und weitere Verletzungsszenen von den DHfK-Sportlern präsentierte. Auf die Frage „Doc, wie lange falle ich aus?“ gäbe es also nur eine richtige Antwort: So lange wie jeder andere auch und vor allem so lange, bis es geheilt sei. Erneute Verletzungen würden nämlich genau dann auftreten, wenn die Athleten zu früh wieder auf die Platte zurückkehren.

Wenige Verletzungstage dank Prävention

Zunächst erfreuliche Daten hatte Dr. Striegler dabei, denn RB Leipzig hatte im vergangenen Jahr die geringsten Verletzungstage der Bundesliga und wird derzeit nur von Hoffenheim unterboten. Dennoch folgten die wohl heftigsten Bilder des Abends, bei denen die Mitglieder von „Red Campus“ die schlimmsten Momente ihrer Stars erneut ertragen mussten. Die ersten Bilder waren dabei von Daniel Frahn, der sich in einer Regionalligapartie die Schulter augekugelt hatte. „So ging es für mich damals los“, erzählte Striegler, der die Bilder und Filmsequenzen humorvoll auflockerte.

Auch anschließende Fragen zu der Gesundheit von Spielern und dem Gesundheitsstand des Kaders beantworteten die Ärzte. So führte Marshall die wenigen Verletzungstage bei den Rasenballern sowohl auf das junge Alter der Spieler als auch gute Prävention, Ernährung, Schlaf und Behandlung zurück. „Die Betreuung der Verletzungen ist auch in Bayern sicherlich sehr, sehr gut. Wir legen hier aber auch enorm großen Wert auf die Vorbeugung, auch wenn das ein Spiel Pause bedeutet. Wir haben da eine andere Philosophie“, so Marshall.

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