14. Januar 2022 / 19:10 Uhr

Verletzungsbilanz der Bundesliga-Hinrunde: RB Leipzig im Tabellenkeller

Verletzungsbilanz der Bundesliga-Hinrunde: RB Leipzig im Tabellenkeller

Stephanie Riedel
Leipziger Volkszeitung
Auch Emil Forsberg fehlte RB Leipzig verletzungsbedingt.
Auch Emil Forsberg fehlte RB Leipzig verletzungsbedingt. © dpa-Zentralbild
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Muskelverletzungen und Corona im Bullenstall: RB Leipzig hat in der Hinrunde unter einem Dauerfeuer sportlicher Belastungen gestanden. Die schmerzliche Konsequenz: In der Verletzungstabelle der Fußball-Bundesliga überwinterten die Roten Bullen auch in diesem Jahr im hinteren Drittel.     

Leipzig. Der Kader von Fußball-Bundesligist RB Leipzig gehört weiterhin zu den verletzungsanfälligsten im Oberhaus. Die Roten Bullen rangieren mit einer Anzahl von insgesamt 983 Tagen in der Hinrunde auf Rang 15 der Verletzungstabelle. Das geht aus den neuesten Auswertungen von fussballverletzungen.com hervor. Schlusslicht und weit abgeschlagen mit 1715 Fehltagen ist das Dortmunder Team von Coach Marco Rose. Am wenigsten Fehlzeiten weisen der SC Freiburg und abermals der FSV Mainz 05 auf. Beide Clubs kamen auf 408 Ausfalltage.

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Hohe Belastung für RB-Profis

Zwischen dem 0:1-Saisonauftakt anno 2021 in Mainz bis zum Stichtag an Silvester fehlte jeder RB-Profi im Schnitt geschlagene 33,9 Tage. Heißt: fast ein Viertel der 138 Arbeitstage absolvierte ein Leipziger Akteur verletzungsbedingt nicht. Damit reihen sich die Sachsen einen Rang hinter Bayern München ein - 33,67 Tage pro Spieler bedeuten Platz 14 für den Rekordmeister.


Die RB-Profis fahren seit dem Beginn der 59. Bundesligasaison weit mehr als eine Dreifachbelastung durch Ligabetrieb, Champions League und DFB-Pokal. Die erste Hälfte des Sportjahres machte seinem Namen alle Ehre. Nach einem Länderspielsommer traten die Roten Bullen im August zum Aufgalopp am Cottaweg an. In den maladen Knochen: die nachgeholten EM-Machtes von 2020 und die Sommerspiele in Tokio. Fazit: Benjamin Henrichs startete mit Knieproblemen in die Spielzeit. Nationalspieler Marcel Halstenberg, einer der zehn EM-Delegierten, bremst seither eine Kapselverletzung aus. Der Abwehrmann firmiert unter langzeitverletzt, ist seit 158 Tagen (Stand: 14.01.21) im Off-Modus, verpasste bis dato 25 Partien.

Muskuläre Blessuren am häufigsten

Die eng getaktete Hinrunde inklusive Englischer Wochen ließ wenig Zeit zum Erholen und Rasten. Während der Länderspielpausen jetteten 14 RB-Kicker um die Welt, waren in Sachen Wüsten-WM-Qualifikation unterwegs und bei der Nations League am Ball. Keeper Peter Gulácsi verletzte sich an der Bauchmuskulatur, Willi Orban kehrte mit einer Oberschenkelverletzung zurück.

Muskelverletzungen sind laut fussballverletzungen.com zu 32 Prozent die häufigste Ursache für Blessuren in der Beletage. So auch bei RB Leipzig: Spaniens Silberjunge Dani Olmo fiel nach internationalen Einsätzen bei der EM und den Olympischen Spielen wochenlang aus: Muskelfaserriss am rechten Oberschenkel. Dem nicht genug. Nach Comeback und zwei Kurzeinsätzen gegen Frankfurt und Dortmund: erneute Zwangspause. Gleiche Verletzung, anderes Bein. Auch Lukas Klostermann und Oldie Yussuf Poulsen reihten sich in die Riege eingerissener Muskelfasern. Auch Konrad Laimer, Angelino und Brian Brobbey laborierten an Muskelverletzungen. Zuletzt traf es Routinier Emil Forsberg mit einer hüftgelenksnahen Muskelverletzung.

Auch Corona ein Faktor

Die Rasenballer rollen im dritten Jahr in Folge die Verletzungstabelle von hinten auf, rangieren im Liga-Vergleich im unteren Tabellendrittel. Das sah in der Saison 2017/18 noch ganz anders aus. Da waren die Rot-Weißen ganz vorne dabei, schoben sich an die Tabellenspitze. Nur 13 Tage liefen die Spieler im Durchschnitt nicht auf. Seit jener Saison steuert der Club die Belastung der Kicker unter der Herausforderung nationaler und internationaler Einsätze.

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Ist eine Steuerung der Belastung bei einer Vielzahl an Wettbewerben wie anno 2021 nicht mehr realisierbar? „Muskuläre Verletzungen sind im Profisport leider nicht zu vermeiden, sind eher die Ausnahme, sollten aber nicht regelmäßig auftreten. Die aktuelle Situation, mit der die Bundesliga und auch die Ligen weltweit konfrontiert sind, gibt den Sportlern weniger Zeit zu regenerieren“, erklärt Helge Riepenhof auf SPORTBUZZER-Anfrage. Der RB-Direktor Medizin & Sportwissenschaft macht weiter klar: „Natürlich versuchen wir uns aber als Verein mit der medizinischen Abteilung bestmöglich an die Situation anzupassen und durch eine konsequente Optimierung der Belastungssteuerung bessere Ergebnisse zu erzielen.“

Die Pandemie beeinflusste den RB-Abwärtstrend nicht minder. Laut fussballverletzungen.com sind Erkrankungen zu 26 Prozent am zweithäufigsten ursächlich für Ausfälle von Ballakteuren. Corona grätschte schon zweimal bei den Sachsen dazwischen und auch die restliche Bundesliga blieb freilich nicht von einer Corona-Welle verschont. Im Gegenteil: Bisher gab es in der Liga noch nie so viele neue Corona-Fälle (29) wie im Dezember 2021. Auch RB startete in einen Rückrundenauftakt der Superlative. Positive PCR-Tests wurden kürzlich bei Andre Silva, Solomon Bonnah, Benjamin Hinrichs und Dani Olmo vermeldet. Aktuell schmort nur noch Nordi Mukiele in Quarantäne. Nun gilt für die Leipziger: Raus aus der pandemischen Strömung, rein in die sportliche Erfolgswelle.