21. Januar 2019 / 20:50 Uhr

Martin Strobel: Verletzungsdrama bei Handball-WM - Turnier-Aus für den Spielmacher

Martin Strobel: Verletzungsdrama bei Handball-WM - Turnier-Aus für den Spielmacher

Tamo Schwarz
Kieler Nachrichten
Verletzte sich gegen Kroatien: Martin Strobel (am Boden) musste mit der Trage aus der Halle getragen werden.
Verletzte sich gegen Kroatien: Martin Strobel (am Boden) musste mit der Trage aus der Halle getragen werden. © dpa
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Bitter für Deutschland: Spielmacher Martin Strobel hat sich beim Spiel der Handball-Nationalmannschaft gegen Kroatien in der Hauptrunde wohl schwer verletzt. Er knickte mit dem Knie weg und musste behandelt werden.

Früher Schock im wichtigen Hauptrunden-Spiel! Die deutsche Nationalmannschaft muss vorerst ohne Martin Strobel auskommen. Der einzige Zweitligaspieler in der Handball-Nationalmannschaft von Christian Prokop knickte bei einem Angriff in der Anfangsphase des Spiels gegen Kroatien (hier im Liveticker) mit dem linken Knie weg und musste verletzungsbedingt lange behandelt werden. Anschließend wurde er von Sanitätern aus der Halle gebracht.

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Gegen Ende der ersten Halbzeit wurde Strobel mit dem Krankenwagen aus der Halle in ein Krankenhaus gebracht. Dort soll das ohnehin schon bandagierte Knie genauer untersucht werden. Bob Hanning sagte gegenüber dem ZDF, dass die erste Diagnose bei Martin Strobel einen Innenbandriss im linken Knie ergeben hätte. Zudem besteht der Verdacht auf einen Kreuzbandriss. Für Strobel kam Fabian Wiede ins Spiel.

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Strobel war für die Angriffsbemühungen der Mannschaft von Christian Prokop im bisherigen Saisonverlauf besonders wichtig. Der Spielmacher, der bei der WM 2017 in Frankreich und bei der EM 2018 in Kroatien fehlte. Dieser konservative Typus Handball-Spielmacher. Alte Schule. Wer soll den jetzt noch brauchen, sagten viele 2016, als der 32-Jährige aus Rottweil zurückgetreten war. Abgetreten auf dem Höhepunkt seiner Karriere: Europameister, Olympia-Bronze. Strobel machte es sich im Baden-Württembergischen gemütlich. In Balingen-Weilstetten. Zweite Liga. Wer soll den jetzt noch brauchen, sagen viele.

Wer ist Martin Strobel? Prokop gilt als Fan

Bundestrainer Christian Prokop sieht das anders. Die deutsche Handball-Nationalmannschaft sieht das anders. Und Martin Strobel ist sowieso egal, was viele sagen. Deutschland ist eben nicht gerade reich an Weltklasse-Spielmachern. Strobel ist so einer. Eine „Spielmaus“, sagt Prokop. Strobel würde es vermutlich als Kompliment auffassen, würde man sagen: Dieser 1,89-Meter-Mann, der 2010 mit dem TBV Lemgo den EHF-Cup gewann, ist ein Handball-Spießer. Keiner, der Alleingänge liebt, keiner mit jemals einem Schnörkel zu viel. Eher ein Stratege alter Schule, der mit hoher Passgeschwindigkeit daherkommt, die Abwehr liest. Überraschend ist es nicht, dass der junge Strobel damals jedes Mal geflasht war, wenn er Magnus Wislander oder Stefan Lövgren spielen sah. „Damals war das Spiel noch nicht so athletisch. Ich mochte die Spielweise der schwedischen Generation.“

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Irgendwann klingelte nun also im gemütlichen Balingen am Rande der Schwäbischen Alb das Telefon bei Martin Strobel. „Ich war überrascht, musste erst einmal eine Nacht drüber schlafen.“ Strobel steckte mit Ehefrau Jenny die Köpfe zusammen und entschied sich für sein Comeback. Jetzt ist er wieder da, bringt es mittlerweile auf 143 Länderspiele (167 Tore), ist neben Uwe Gensheimer und Silvio Heinevetter erfahrenster Mann im Team des Deutschen Handballbundes. Ein Stratege, was nicht nur seine Hochzeit beweist. 2016 war es, kurz nach seinem Abtritt von der internationalen Bühne. Freunde, Verwandte waren eingeladen zur Taufe des kleinen Peer (3) in Rottweil, doch die Gäste besuchten plötzlich auch die Trauung von Martin und Jenny. So ganz kann man eben doch nicht immer damit rechnen, was Strobel als nächstes tut.

Strobel ordnet das Spiel der Mannschaft

Das Handballspiel jedenfalls habe Martin Strobel verstanden. Sagt Markus Baur – Spielmacher beim Wintermärchen 2007 – über Martin Strobel, bislang ganz klar Nummer eins auf der Rückraum-Mitte bei der Heim-WM. Er überzeugte in den ersten Spielen bisher mit viel Passgenauigkeit, Dynamik, zuweilen Torgefahr und einem brillanten Auge für den Kreisläufer. Kein Wunder, dass der Kieler Hendrik Pekeler ins Schwärmen gerät: „Ich mag Martin als Typen. Er ist ein Denker, hat einen unglaublichen Sachverstand. Er steuert unser Spiel, schaut genau, wie die Abwehr reagiert.“ Frei nach dem Motto: Was scheren uns die, die gesagt haben: Wie könnt Ihr einen Zweitligaspieler für die WM nominieren. „Ich kann ja nur mit Leistung antworten. Christian (Prokop, d. Red.) hat mir seine Vorstellungen geschildert, und meine Aufgabe ist es, das umzusetzen. So ein Event wie die Heim-WM, diese Herausforderung – das ist eine Riesenfreude für einen Leistungssportler. Darum habe ich zugesagt.“


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Diese Mannschaft krönt sich 2007 zum Handball-Weltmeister. ©

Es stecke, so Strobel, noch „jede Menge Krakau“ in der Mannschaft. Was Strobel meint, ist der Spirit vom EM-Märchen 2016. Dass dieser Spirit wieder auflebt, ist auch sein Verdienst. Große WM-Bühne statt Emsdetten, Essen, Schwartau. Na und?! Rückraumspieler Fabian Böhm sind die Strobel-Kritiker piepegal: „Ich traue ihm alles zu und sehe es anders als die Kritiker.“ Für Strobels Zimmerkollegen Böhm ist der Routinier „Ruhepol, Handballstratege, er gibt mir Sicherheit, jeder orientiert sich an ihm. Auf ihn kann man sich zu 100 Prozent verlassen“. Strobel, Linkshänder Fabian Wiede, Youngster Paul Drux – die Mischung auf dem Posten des Regisseurs stimmt. Nach dem Sieg gegen Brasilien sagte Prokop: „Martin hat das Spiel fantastisch geleitet, in kurzen Pausen kleine Veränderungen angeregt. Genau so, wie ich es mir wünsche.“ Sollte sich da also ein Wintermärchen 2.0 anbahnen, führt der Weg nur über das Gehirn der deutschen Mannschaft. Über Martin Strobel. Über den Denker.