03. September 2019 / 09:00 Uhr

Verliehen und verbessert? Klappte beim VfL Wolfsburg fast nie

Verliehen und verbessert? Klappte beim VfL Wolfsburg fast nie

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
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Offensiv-Talent John Yeboah soll bei VVV-Venlo reifen, darum hat ihn der VfL Wolfsburg verliehen. Bei ihm soll klappen, was in der Vergangenheit fast nie klappte: Dass der VfL von einem Leihgeschäft sportlich profitiert.

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Diee Idee, die hinter dem Wechsel von John Yeboah zu VVV-Venlo steckt, ist einfach und einleuchtend: Das Top-Talent des VfL Wolfsburg soll in der Eredivisie, der höchsten Liga der Niederlande, Spielpraxis sammeln – auf einem Niveau, dass ihm die deutsche Regionalliga (dort spielte er zuletzt für den VfL II) nicht bieten kann. Im Idealfall kehrt der 19-Jährige als besserer Spieler zum Wolfsburger Fußball-Bundesligisten zurück. Talent verleihen, Top-Spieler zurückbekommen: Der VfL hat das immer mal wieder versucht, geklappt hat es (fast) nie.

Mehr als 30 Spieler unter 23 Jahren hat der VfL in seiner Bundesliga-Geschichte verliehen – Joshua Kennedy war 2002 der erste (zu den Stuttgarter Kickers), Yeboah der bisher letzte. Nur bei einem einzigen kann man sagen, dass auch der VfL sportlich von der Leihe einigermaßen profitiert hat: Josip Brekalo. 2016 lieh der VfL den Kroaten, der gerade 18 geworden war, an den VfB Stuttgart in die 2. Liga aus. Mit den Schwaben stieg er auf, schoss sein erstes Bundesliga-Tor und kehrte im Januar 2018 vorzeitig zum VfL zurück. Auf den großen Durchbruch in Wolfsburg wartet er zwar noch, machte zuletzt aber wieder positiv auf sich aufmerksam (je ein Tor in Berlin und gegen Paderborn) und schnappte Felix Klaus den Startelf-Platz erst einmal weg.

Die Transfers des VfL Wolfsburg im Sommer 2019

Fällt für mehrere Monate aus: Xaver Schlager. Foto: Erwin Scheriau/APA Zur Galerie
Fällt für mehrere Monate aus: Xaver Schlager. Foto: Erwin Scheriau/APA ©
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Schmadtke: "Mal war es auch ein Schuss in den Ofen"

Ansonsten aber ist die Verleih-Geschichte des VfL keine Erfolgsgeschichte. Wobei es bei den Ausleihen nicht immer das Ziel war, dem Spieler Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten. Vor allem in jüngerer Vergangenheit ging es oft nur darum, den Spieler von der Gehaltsliste zu bekommen, zumindest teilweise, zumindest vorübergehend – so war es beispielsweise bei 11,9-Millionen-Euro-Einkauf Riechedly Bazoer, der allerdings weder beim VfL noch bei Leih-Verein FC Porto überzeugte und nach einer Zwischen-Leihe zum FC Utrecht für 1,5 Millionen Euro Ablöse zu Vitesse Arnheim wechselte. In solchen Fällen übernahm der VfL auch regelmäßig Teile des Gehalts, wenn der Spieler verliehen war – diesen Trend haben Manager Jörg Schmadtke und Sportdirektor Marcel Schäfer gestoppt. Schmadtkes Erfahrungen mit Leihgeschäften ist ebenso wechselhaft wie die des VfL. „Das war sehr unterschiedlich“, so der Ex-Torwart, „mal hat es supergut gepasst, dass der Spieler viel Spielpraxis bekommen hat und sich dadurch weiterentwickeln konnte – und mal war es auch ein Schuss in den Ofen.“

Die Liste der VfL-Beispiele für das erfolglose Verleihen junger Spieler ist lang – sie reicht von Matthias Langkamp über Bjarne Thoelke bis Oskar Zawada, von Daniel Adlung über Kevin Scheidhauer bis Paul Seguin. Aber: Es gibt eine ganze Reihe von Spielern, für deren persönliche Entwicklung sich die Leihe gelohnt hat, auch wenn der VfL nichts mehr davon hatte. Der Australier Joshua Kennedy etwa legte eine respektable Erst- und Zweitliga-Karriere in Dresden, Nürnberg und Karlsruhe hin und war zeitweise der Top-Stürmer der australischen Nationalmannschaft. Caiuby und Ja-Cheol Koo landeten über Zwischenstationen beide beim FC Augsburg, Simon Kjaer hat so namhafte Klubs wie AS Rom, OSC Lille, Fenerbahce, FC Sevilla und seit Montag Atalanta Bergamo in seiner Vita stehen.

Auch für Tolga Cigerci hat es sich gelohnt, sich 2012 vom VfL an Borussia Mönchengladbach ausleihen zu lassen. Bei den Fohlen sammelte er wertvolle Bundesliga-Erfahrung, bei Hertha BSC spielte er sich ins Rampenlicht und bekam schließlich einen Vertrag bei Galatasaray Istanbul. Jüngstes Beispiel dieser Art: Victor Osimhen. Der Nigerianer spielte und traf beim RSC Charleroi so gut, dass er einen lukrativen Vertrag beim OSC Lille bekam.

Ob ein Verein wirklich an die Entwicklung eines Spielers glaubt oder ihn nur irgendwie loswerden will, erkennt man am ehesten an der Kaufoption: Ist keine vereinbart – wie etwa im Fall Yeboah – geht der Klub davon aus, dass der Spieler auf jeden Fall zurückkommt. „Ich glaube, dass er im Seniorenbereich noch ein paar Erfahrungen machen muss, und mit Venlo haben wir einen Klub gefunden, bei dem das ganz gut für ihn passen müsste“, so Schmadtke. „Aber genau beurteilen kann man das jetzt nicht, das wird erst in einem halben Jahr gehen.“ Anders ist die Lage bei den anderen beiden VfL-Ausleihen in diesem Sommer: Bei PG Ntep (Kayserispor) ging es darum, die Karriere des 27-jährigen Franzosen zu retten, bei Felix Uduokhai (Augsburg) spekuliert der VfL auf einen ordentlichen Transfererlös, wenn der FCA in einem Jahr die Kaufoption zieht, der Innenverteidiger würde den Wolfsburgern dann rund 13 Millionen Euro (Leihgebühr plus Transfersumme) bringen.

Deutscher Spezialist in Sachen Leih-Entwicklung war übrigens immer der FC Bayern. Markus Babbel (an den HSV verliehen), Philipp Lahm (an Stuttgart) und Toni Kroos (an Leverkusen) entwickelten sich bei den Münchnern zu internationalen Top-Spielern. Die Top-Leihe der letzten Jahre gelang derweil 1899 Hoffenheim, das 2015 für 1,25 Millionen Euro Ablöse Joelintion aus Brasilien holte und ihn von 2016 bis 2018 an Rapid Wien verlieh. Nach seiner Rückkehr spielte er im Kraichgau eine so starke Saison, dass Newcastle United ihn jetzt für die sensationell anmutenden 44 (!) Millionen Euro kaufte.

Bilder zum Spiel des VfL Wolfsburg gegen SC Paderborn

Schweigeminute für Ferdinand Piech vor dem Spiel.  Zur Galerie
Schweigeminute für Ferdinand Piech vor dem Spiel.  ©
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