14. September 2020 / 09:16 Uhr

Verlierer der Herzen: Mainz 05 steht Spalier für den TSV Havelse

Verlierer der Herzen: Mainz 05 steht Spalier für den TSV Havelse

Christian Purbs
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Applaus für einen starken Gegner: Die Mainzer Profis bildeten ein Spalier, um den TSV Havelse zu verabschieden.
Applaus für einen starken Gegner: Die Mainzer Profis bildeten ein Spalier, um den TSV Havelse zu verabschieden. © imago images/Nordphoto
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So gut, mit so viel Herz wie der TSV Havelse in Mainz füllte kein anderes Team an diesem DFB-Pokalwochenende die Rolle des Davids gegen Goliath aus.

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Auf den letzten Metern gab es noch einmal Beifall für die Havelser Mannschaft. Die Mainzer Spieler verabschiedeten ihren Gegner mit einem Spalier in die Kabine und brachten den TSV-Spielern damit zum Abschluss dieses denkwürdigen Pokalspiels das entgegen, was diese sich zuvor verdient hatten: Respekt und Wertschätzung für eine bemerkenswerte Leistung.

Mischung aus Enttäuschung und Stolz

„Das war eine schöne Geste, über die wir uns gefreut haben“, sagte der Havelser Kapitän Tobias Fölster. So kurz nach dem Abpfiff war die freundliche Aktion des Bundesligisten jedoch nur ein schwacher Trost für die Verlierer. Die 1:5-Niederlage schmerzte nicht nur aufgrund ihrer trügerischen Deutlichkeit, denn der Außenseiter war nah dran am Pokalcoup. Sie hilft aber, die Dinge richtig einzuordnen.

Es sei eine Mischung aus einer leichten Enttäuschung und Stolz, sagte Fölster mit etwas Abstand zum Pokal-Aus in Runde eins. „Wir haben das lange Zeit richtig gut gemacht. Wir haben die Bälle nicht nur herausgekloppt, sondern uns auch einige gute Chancen erspielt“, sagt der Defensivspieler.

Die Stimmen zum DFB-Pokal-Spiel des TSV Havelse beim 1. FSV Mainz 05

Jan Zimmermann (Trainer TSV Havelse): Im Moment überwiegt die Enttäuschung über das Aus. Zumal wir die die Möglichkeit hatten, das 2:0 zu erzielen. Dann wäre richtig etwas drin gewesen. Aber ich bin mit dem Auftritt der Jungs absolut zufrieden. Es freut mich für unseren Torwart Norman Quindt, dass er sich heute so toll präsentieren konnte. Zur Galerie
Jan Zimmermann (Trainer TSV Havelse): "Im Moment überwiegt die Enttäuschung über das Aus. Zumal wir die die Möglichkeit hatten, das 2:0 zu erzielen. Dann wäre richtig etwas drin gewesen. Aber ich bin mit dem Auftritt der Jungs absolut zufrieden. Es freut mich für unseren Torwart Norman Quindt, dass er sich heute so toll präsentieren konnte." ©

Auch er hatte seinen Anteil daran, dass sich bei den etwa 50 Havelser Fans unter den 1000 Zuschauern im Stadion nach einer Viertelstunde ein „mulmiges Gefühl“ breitmachte. Robust ging der Viertligist in die Partie und holte sich durch Föls­ter und Noah Plume in den ersten 147 Sekunden bereits zwei Gelbe Karten ab.

Als sich dann auch noch Taktgeber Deniz Cicek verletzte – er zog sich eine Zerrung zu und fällt zwei bis vier Wochen aus – und in der 11. Minute ausgewechselt werden musste, sah es nicht gut aus für die Havelser. „Ich dachte: Au weia, was kommt da auf uns zu“, sagte der TSV-Kapitän.

Beim Trainer überwiegt die Enttäuschung

Das Gegenteil war der Fall. Gleich die erste Gelegenheit in der 17. Minute nutzten die Gäste zum 1:0 durch Plume. Und weil die Havelser die Führung mit viel Geschick und Konsequenz verteidigten, nahmen sie die zu diesem Zeitpunkt berechtigte Hoffnung auf die Pokalsensation mit in die Halbzeit.

Der Grund, warum auch Trainer Jan Zimmermann nach dem Spiel davon sprach, dass die Enttäuschung über das Aus überwiegt, war das Auslassen der beiden erstklassigen Chancen seines Teams unmittelbar nach Wiederanpfiff.

Den Schuss von Yannik Jaeschke parierte 05-Torwart Robin Zentner mit einer Glanzparade, nur eine Minute später blieb er bei einem Havelser Konter in Überzahl auch im Duell mit Kevin Schumacher der Sieger. „Es waren nicht viele Torchancen, die wir hatten. Aber die waren groß“, sagte Zimmermann.

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Als sein Team erst den Ausgleichstreffer durch Jean-Philippe Mateta kassierte (57.) und Adam Szalai den Erstligisten 20 Minuten später in Führung brachte, war das Spiel entschieden. Nach einer bis dahin herausragenden Energieleistung war der Akku schlichtweg leer, die weiteren Tore durch Mateta (78., 90.) sowie Robin Quaison (86.) zwangsläufig.

„Ich bin mit der Leistung und dem Auftritt der Jungs absolut zufrieden“, sagte Trainer Zimmermann. Eindruck hinterließen die Havelser auch beim staunenden Fernsehpublikum.

"Ich liebe euch jetzt schon"

So gut, mit so viel Herz wie die Garbsener füllte kein anderes Team an diesem Pokalwochenende die Rolle des Davids gegen Goliath aus. Es war erstklassige Werbung einer Mannschaft, die mit ihre Spielweise durch die Liveübertragung auf Sky bundesweit beeindruckte. Darauf kann und sollte der TSV Havelse stolz sein.

„Was für eine Leidenschaft, ich liebe euch jetzt schon“, sagte Sky-Reporter Klaus Veltman. Er wird nicht der Einzige gewesen sein.