21. November 2021 / 10:45 Uhr

Verrückte Achterbahnfahrt: FC Eilenburg holt Punkt in letzter Minute

Verrückte Achterbahnfahrt: FC Eilenburg holt Punkt in letzter Minute

Susan Stephan
Leipziger Volkszeitung
AH4E7796
Große Freude: Die Eilenburger Spieler bejubeln das 4:4. © Thomas Jentzsch
Anzeige

Was für ein Spektakel! Das Heimspiel des FC Eilenburg gegen den SV Lichtenberg war nichts für schwache Nerven. Vier Tore in der Schlussphase der Partie und der Last-Minute-Ausgleich von den Muldestädtern in der Nachspielzeit. Das 4:4 hatte einiges zu bieten – und das zum Geburtstag von Trainer Knaubel.

Eilenburg. Es war so oder so besonders am Samstag im Eilenburger Ilburg-Stadion: Trainer Nico Knaubel feierte seinen 42. Geburtstag, Schiedsrichter Eugen Ostrin pfiff sein 100. Regionalligaspiel, zum letzten Mal in diesem Jahr waren Zuschauer im Ilburg-Stadion erlaubt – da wollten sich die Spieler offenbar nicht lumpen lassen und boten ein Spektakel, was es lange nicht gegeben hat. Nach 90.+3 Minuten stand ein 4:4 auf der Anzeigentafel. Acht Tore im Ilburg-Stadion gab es zuletzt am 2. Oktober 2019 beim 5:3-Sieg gegen Wacker Nordhausen II. „Mein Körper ist jetzt noch voll mit Adrenalin“, atmete Knaubel durch.

Anzeige

Eilenburg dominierte die Anfangsphase

Natürlich hatte er sich drei Punkte gewünscht, war am Ende aber über den Punkt froh, denn danach sah es bis zur 78. Minute nicht aus. Sein Team lag 1:3 hinten und startete eine furiose Aufholjagd – und genau dieses Comeback machte den Coach stolz: „Wir haben den nächsten Entwicklungsschritt gemacht. Vor ein paar Wochen wäre das 1:3 der K.o.-Schlag gewesen und wir wären nicht zurückgekommen. Der Glaube ist zurück“, freute sich Knaubel, der seit 2015 beim FCE das Sagen hat. Das zweite Geburtstagsgeschenk folgte beim Blick auf die Tabelle: Der abgeschlagene FCE hat sich mit vier Spielen ohne Niederlage aus dem Keller gekämpft und steht nicht mehr auf einem Abstiegsplatz. „Jetzt trinken wir erst einmal 24 Bier und lassen die Seele baumeln“, lachte Knaubel auf die PK und in Anspielung auf sein Alter.

DURCHKLICKEN: Die Bilder zum Eilenburger Remis

Der FC Eilenburg konnte in einer spektakulären Partie gegen den SV Lichtenberg mit einem Last-Minute-Treffer noch ein Unentschieden holen. Endstand 4:4. Zur Galerie
Der FC Eilenburg konnte in einer spektakulären Partie gegen den SV Lichtenberg mit einem Last-Minute-Treffer noch ein Unentschieden holen. Endstand 4:4. ©

Dabei waren die Vorzeichen alles andere als rosig. Aufgrund der neuesten Bestimmungen in Sachsen durften nur zwei Ungeimpfte mitmischen. Beide Vereine einigten sich und stellten jeweils einen Spieler auf, der keine Impfung gegen das Corona-Virus hat. Das hatte Konsequenzen. Bei Lichtenberg traf es unter anderem ausgerechnet den Ex-Eilenburger Marius Ihbe. Ihbe stammt aus Löbnitz, spielte im Nachwuchs beim FCE und wechselte über RB Leipzig und Union Berlin nach Lichtenberg „Marius ist einer von denen, die wir streichen mussten. Wir mussten es ihm kurz vor dem Anpfiff mitteilen. Das tat mir am meisten weh“, beschrieb 47-Trainer Rajko Fijalek die missliche Lage. Am Mittwoch – beim Nachholer gegen den SV Babelsberg - kann der FCE – stand jetzt – wieder alle Spieler einsetzen. Dort zählt 3G.


Zurück zum Spiel: Eilenburg dominierte die Anfangsphase und jubelte früh: Nach einem ungeschickten Zweikampfverhalten im Strafraum von Lionel Salla gegen Pascal Sauer verwandelte Adam Fiedler den fälligen Elfmeter (17.). Danach versäumte es der Aufsteiger weiter Druck zu machen, Lichtenberg wurde stärker, kam aber nicht zu Chancen. Der erste geniale Angriff führte zum Ausgleich. Marcel Bremer scheiterte erst am starken Torwart Andreas Naumann, beim Nachschuss von Oliver Maric war er dann chancenlos.

Stelmak mit dem Schlusspunkt

Nach dem Wechsel wirkte Lichtenberg deutlich ausgepuffter und cleverer. Nach einem schlampigen Anspiel von Pascal Sauer auf Philipp Sauer ging es blitzschnell und Moritz Schöps nagelte den Ball aus spitzem Winkel unter die Latte. Für das nächste Traumtor sorgte Tarik Gösüsirin, der einen Freistoß aus 16 Metern direkt verwandelte. Was dann folgte, musste den Berlinern wie ein Albtraum vorgekommen sein. Philipp Sauer verkürzte auf 2:3 und der gerade eingewechselte U19-Spieler Lennert Möbius traf mit seiner ersten Ballberührung zum 3:3 (81.).

Paul Meseberg hatte das sichere 4:3 auf dem Fuß, schoss den Ball aber in die Wolken. Stattdessen hatte Lichtenberg noch einen Volltreffer parat: Erneut versenkte Gösüsirin die Kugel mit einem Direktschuss aus 16 Metern. (88.): 3:4. Doch das war es noch nicht. Für den Schlusspunkt sorgte Branden Stelmak. Der lange glücklose Stürmer traf in einer wilden Schlussphase sehenswert mit links zum 4:4-Endstand.

Erschreckend: Keine andere Mannschaft im Umfeld durfte spielen – der Sächsische Fußballverband setzt seinen Spielbetrieb aus – und dennoch verirrten sich nur 147 Geimpfte und Genesene ins Stadion. Dieses Spiel hatte wahrlich mehr Fans verdient. Noch ist unklar, ob Eilenburg heute (Montag) weiter trainieren darf. Dafür müsste die Regionalliga als Berufssport – der es ja für viele Teams ist - gelten. Knaubels Wunsch: „Ich hoffe, dass wir alle noch lange Fußball spielen können. Sicher ist, Fußball-Fans – egal welchen Status sie haben – müssen in Sachsen erst einmal draußen bleiben.

FC Eilenburg: Naumann – Ph. Sauer, dos Santos, Majetschak, Vogel (80. Meseberg) – Kim, Baumann, - Pa. Sauer (80. Möbius) – Fiedler, Michael (63. Rücker) - Stelmak