16. August 2020 / 18:54 Uhr

Vom Verteidiger zum Stürmer: Havelse-Talent Fynn Lakenmacher schießt jetzt die Tore

Vom Verteidiger zum Stürmer: Havelse-Talent Fynn Lakenmacher schießt jetzt die Tore

Christian Purbs
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Havelses Fynn Lakenmacher (Mitte) bejubelt seinen Treffer zum 1:0 gegen den TSV Stelingen im Porta-Pokal.
Havelses Fynn Lakenmacher (Mitte) bejubelt seinen Treffer zum 1:0 gegen den TSV Stelingen im Porta-Pokal. © Debbie Jayne Kinsey
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Fynn Lakenmacher hat beim TSV Havelse einen großen Schritt gemacht. Der 20-Jährige wurde von seinem Trainer vom Verteidiger zum Stürmer umfunktioniert. Lakenmacher trifft nun regelmäßig, Jan Zimmermann ist mehr als zufrieden.

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An das, was mal war, erinnert nur noch die Nummer auf dem Trikot von Fynn Lakenmacher. Der Nachwuchsspieler des Regionalligisten TSV Havelse trägt immer noch die Vier, traditionell die Zahl, mit der Innenverteidiger wie Reals Sergio Ramos oder der Liverpooler Virgil van Dijk den gegnerischen Angreifern das Leben schwer machen. Auch Lakenmacher hatte lange Zeit als Spieler in der Abwehrzentrale die Stürmer vor sich. Doch das ist vorbei. Jetzt stürmt er selbst. Und wie.

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Und Mittelstürmer Lakenmacher trifft. Im Testspiel gegen den TuS Garbsen erzielte der 20-Jährige zwei Tore, auch beim Porta-Pokal in Ramlingen beeindruckte er in den bisherigen Partien mit starken Leistungen und Treffsicherheit. Gegen Gastgeber RSE erzielte er beim 6:0-Sieg zwei Tore und holte zudem einen Elfmeter heraus, beim 3:0-Erfolg gegen den TSV Stelingen war er wieder zur Stelle und brachte die Havelser früh in Führung.

Eine große Umstellung

Verantwortlich für die Umschulung von Lakenmacher ist sein Trainer Jan Zimmermann, der im Winter-Trainingslager der Havelser „so ein Gefühl“ hatte. „Ich habe im Training ja gesehen, wie er sich bewegt. Da habe ich mir gedacht: Probier das doch mal aus“, sagt der TSV-Coach. Seitdem kommt Lakenmacher, der in der Jugend auch bei Hannover 96 spielte, mit seiner neuen Rolle immer besser zurecht. „Von ganz hinten nach ganz vorne, das ist natürlich eine große Umstellung. Da habe ich ein bisschen Anlauf gebraucht. Aber ich wusste, dass ich das kann“, sagt der 20-Jährige, der im vergangenen Sommer von den Havelser A-Junioren ins Regionalligateam der Garbsener kam.

Bilder vom Spiel des Porta-Pokals zwischen dem TSV Havelse und TSV Stelingen

Deniz Cicek (Havelse) mit der Fußspitze am Ball, Jakob Obermann (Stelingen) hat das Nachsehen. Zur Galerie
Deniz Cicek (Havelse) mit der Fußspitze am Ball, Jakob Obermann (Stelingen) hat das Nachsehen. ©

"Hat sich absolut den Respekt der Mitspieler erarbeitet“

Mit insgesamt 26 Minuten Einsatzzeit waren seine Auftritte im ersten Herrenjahr überschaubar. Dass sich das in der kommenden Spielzeit ändern wird, davon ist Zimmermann überzeugt. „Ich bin mir sicher, dass sein Weg noch nicht zu Ende ist. In den vergangenen Wochen hat er einen großen Schritt nach vorne gemacht. Er hat viel von dem verstanden, über das wir gesprochen haben. Fynn merkt, dass es so funktioniert und hat jede Menge Selbstvertrauen gewonnen. Und er belohnt sich mit Toren, was für einen Stürmer auch immer eine gute Bestätigung ist“, sagt Zimmermann. „Er hat sich in den vergangenen Wochen absolut den Respekt der Mitspieler erarbeitet.“


Viel Lob für den Nachwuchsspieler, der sich in seiner neuen Rolle sichtlich wohlfühlt. „Am Anfang war es natürlich eine Umstellung, als Innenverteidiger in den Sturm zu gehen. Aber ich weiß, dass ich das nötige Durchsetzungsvermögen habe und auch abschlussstark bin. Jetzt geht es für mich darum, viel zu investieren und mich weiter zu entwickeln. Dann kommen auch die Tore“, sagt der Mittelstürmer.

Bilder vom Spiel beim Porta-Pokal zwischen dem SV Ramlingen/Ehlershausen und TSV Havelse

Ramlingens Timo Gieseking Im Zweikampf mit Havelses Fynn Lakenmacher. Zur Galerie
Ramlingens Timo Gieseking Im Zweikampf mit Havelses Fynn Lakenmacher. ©

„Komisches Gefühl, den Gegner auf einmal im Rücken zu haben“

Während seiner Zeit als Jugendspieler bei Hannover 96 habe er auch schon mal weiter vorne im offensivem Mittelfeld gespielt, sagt Lakenmacher. „Ein paar Abläufe hatte ich deshalb schon drin. Das ich so weit hinten gelandet bin, kam erst später. Es ist aber schon ein komisches Gefühl, wenn man den Gegenspieler auf einmal im Rücken statt vor einem hat.“

Aber auch mit dem Atem einer knallharten Vier im Nacken weiß sich Lakenmacher zu wehren. Geschickt schirmt er den Ball ab, denkt und spielt mit. Und wenn er dann doch einmal die falsche Entscheidung trifft, ist da ja an der Seitenlinie mit Trainer Zimmermann immer noch einer, der weiß, wie es geht. Und gerne hilft. „Ich denke, es ist kein Nachteil, dass ich selbst auch ein bisschen gekickt habe“, sagt der TSV-Coach, der als Angreifer in seiner Karriere mehr als 300 Tore erzielt hat. „Ich war vielleicht nicht der Schnellste und Kaltschnäuzigste, aber doch einer der clevereren Stürmer“, sagt der 40-Jährige. Manchmal seien es nur „Kleinigkeiten“, die er bei Lakenmacher korrigieren muss. „Da kommt es dann auf einen Schritt an oder das richtige Timing“, sagt Zimmermann.

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Schon bald gegen Mainz 05?

Der 20-Jährige nimmt die Hinweise gerne an und versucht schon in der nächsten Aktion, es besser zu machen. „Das hilft, da kann er mir auf jeden Fall viel beibringen. Wir haben in den vergangenen Wochen viele Gespräche geführt, auch das bringt mich weiter“, sagt der TSV-Stürmer. Auch schaue er sich in Videos die Laufwege von Stürmern in den Profiligen an, die seiner Spielweise ähneln.

Gut möglich, dass Lakenmacher schon bald Anschauungsunterricht von den Profis von Mainz 05 erhält. Der Bundesligist wäre in der ersten Runde des DFB-Pokals der Gegner des TSV Havelse, sollte der Regionalligist am kommenden Sonntag das NFV-Pokalfinale gegen den BSV Rehden gewinnen. „Das wäre schon ein Highlight. Ich wäre froh, wenn ich meinen Beitrag dazu leisten kann, mit einem Sieg im Endspiel in den DFB-Pokal einzuziehen“, sagt Lakenmacher.