29. Juli 2022 / 15:03 Uhr

Mit Vertrauen, Jugend und Zusammenhalt: Wie der VfB Stuttgart ruhigere Zeiten erleben will

Mit Vertrauen, Jugend und Zusammenhalt: Wie der VfB Stuttgart ruhigere Zeiten erleben will

Timon Zöfelt
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Beim VfB Stuttgart hoffen alle auf eine Saison ohne große Abstiegssorgen.
Beim VfB Stuttgart hoffen alle auf eine Saison ohne große Abstiegssorgen. © IMAGO/Sportfoto Rudel/Avanti (Montage)
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Nach dem Last-Minute-Klassenerhalt in der vergangenen Saison hofft der VfB Stuttgart mit Blick auf die kommende Spielzeit auf ruhigere Zeiten. Die Schwaben setzen dabei auf Zusammenhalt und Jugendstil.

Beim VfB Stuttgart setzt man auf Zusammenhalt - selbst dann, wenn es sehr schwierig wird. Die Personalie Atakan Karazor, gegen den in Spanien wegen einer "mutmaßlichen Straftat der sexuellen Nötigung“ ermittelt wird, überschattete die Vorbereitung auf die anstehende Saison. Bei den Schwaben steht man trotz der Vorwürfe und der prekären Situation zu dem Profi. "Das ist ein Mensch, der noch nicht mal angeklagt ist", sagte Sportdirektor Sven Mislintat und stellte sich demonstrativ vor den gegen eine Kautionszahlung inzwischen aus der Haft entlassenen Mittelfeldspieler. Solange dies so bleibe, sei Karazor "ganz klar unser Spieler, unser Junge."

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Der loyale Umgang mit der sensiblen Karazor-Thematik ist bezeichnend für das Stuttgarter Vorgehen in der jüngsten Vergangenheit. Bis zur buchstäblich letzten Minute kämpfte der VfB in der vergangenen Spielzeit um den Klassenerhalt. Nachhaltige Diskussionen um Trainer Pellegrino Matarazzo? Fehlanzeige. Immer, wenn sich während der holprigen Saison kritische Stimmen mehrten, wiegelte Mislintat ab und stärkte Matarazzo den Rücken. "Uns verbindet die Leidenschaft für den VfB und der Antrieb, diesen wunderbaren Verein in eine erfolgreiche Zukunft zu führen", betonte auch Vorstandschef Alexander Wehrle im Anschluss an den gesicherten Liga-Verbleib.

Jene erfolgreichere Zukunft soll im Idealfall am Freitag in der ersten DFB-Pokalrunde gegen Drittligist Dynamo Dresden beginnen. Der Kader ist weitgehend zusammengeblieben. Auch hier geizen die Schwaben nicht an Vertrauen. Die Abgänge von Daniel Didavi (vereinslos), Erik Thommy (Kansas City) oder Philipp Förster (VfL Bochum) betreffen allesamt Spieler, die keine Stammspieler waren. Das Leih-Ende von Omar Marmoush (VfL Wolfsburg) wird durch den kolumbianischen Mittelstürmer Juan José Perea aufgefangen, der aus Griechenlands Eliteklasse kommt.

Neben den festen Verpflichtungen von Konstantinos Mavropanos (FC Arsenal) und Hiroki Ito (Jubilo Iwata) landete der Vorjahres-15. mit dem deutschen U21-Nationalspieler Josha Vagnoman den größten Coup. Für 3,7 Millionen vom Hamburger SV verpflichtet, ist der Außenverteidiger der teuerste Einkauf des VfB – und mit seinen 21 Jahren zugleich bezeichnend für die Kaderplanung in Stuttgart. Mit einem Durchschnittsalter von 22,7 Jahren verkörpert das aktuelle Aufgebot einen wesentlichen Charakterzug der "Jungen Wilden", die einst ein erfolgreiches Kapitel der Vereinsgeschichte prägten.

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Und dann wäre da noch Silas Katompa Mvumpa: Der 23-Jährige verpasste weite Teile der vergangenen Spielzeit aufgrund eines Kreuzbandrisses und einer Schulter-OP, der Wirbel um seine falsche Identität tat sein Übriges. Nun ist er wieder zurück und dürfte bei einem Verbleib des umworbenen Sasa Kalajdzic eine von zwei vielversprechenden Lösungen in der Matarazzo-Offensive sein, glänzte bereits beim überzeugenden letzten Test gegen den FC Valencia (5:2). Und: In der Aufstiegssaison 2020/21 erzielte das Duo gemeinsam 27 Liga-Tore.

Orel Mangala wird den Verein indes wohl verlassen, auch ein Verbleib von Borna Sosa ist keineswegs gesichert. So oder so gilt für den im Herzschlagfinale der Vorsaison gerade so geretteten Klub auch in diesem Jahr vorerst der Blick nach unten. Die fünf gewonnenen Tests geben Anlass zur Hoffnung. Genauso der Glaube daran, dass sich das investierte Vertrauen in eigene Prinzipien auszahlt.

Prognose des Autors: Der Klassenerhalt wird auch in dieser Saison das übergeordnete Ziel sein müssen. In der jungen Stuttgarter Mannschaft steckt aber Potenzial für mehr. Bei einem Verbleib von Kalajdzic und Co. wird der Liga-Verbleib diesmal deutlich früher gelingen.

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