19. April 2020 / 18:08 Uhr

Vertrauens-Bruch beim FC Bayern? Die Hintergründe des Ärgers im Vertragspoker mit Manuel Neuer

Vertrauens-Bruch beim FC Bayern? Die Hintergründe des Ärgers im Vertragspoker mit Manuel Neuer

Patrick Strasser
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Manuel Neuer und der FC Bayern konnten sich bisher nicht auf eine Vertragsverlängerung einigen.
Manuel Neuer und der FC Bayern konnten sich bisher nicht auf eine Vertragsverlängerung einigen. © imago images/Montage
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Die Vertragsverhandlungen zwischen dem FC Bayern und Kapitän Manuel Neuer laufen nicht ohne Nebengeräusche ab – nun droht sogar richtig Ärger. Der SPORTBUZZER fasst die Hintergründe zusammen.

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Neuer Ärger beim FC Bayern München – und das in ganz neuer Qualität. Denn nun macht der Kapitän Stunk: Der Neuer-Ärger ist eine Retourkutsche gegenüber seinem Verein und wird den Rekordmeister noch lange beschäftigen. Angeblich soll Neuer, im auch für einen Torhüter recht stolzen Alter von 34 Jahren, in den Verhandlungen über eine Verlängerung seines Vertrags über 2021 hinaus einen neuen Deal über fünf Jahre (dann wäre er im wirklich sehr stolzen Torwartalter von 39) gefordert haben, mit einem satten Jahressalär von 20 Millionen Euro. Die Bayern-Bosse bieten ihrem Aushängeschild wohl nur einen Kontrakt bis 2023. Details aus den vertraulichen Gesprächen gerieten via Medien an die Öffentlichkeit - ein weiterer Punkt, der die Verhandlungen ins Stocken brachte.

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Nun wehrt sich der Weltmeister von 2014 auch nicht intern, sondern öffentlichkeitswirksam via BamS. Auge um Auge? Zahn um Zahn? Er sei "irritiert", meinte Neuer über die Indiskretionen der letzten Zeit. "Das ärgert mich. Das kenne ich so nicht beim FC Bayern." Seit 2011 ist der ehemalige Schalker in München. "Nie ist etwas nach außen gedrungen". Jetzt aber stünden "ständig Details aus den aktuellen Gesprächen in den Medien, die oft nicht einmal stimmen", betonte Neuer und klagt: "Wenn jetzt Sachen offenbar gezielt nach außen getragen werden, ist das auch etwas, das den Bereich 'Wertschätzung' betrifft."

Passend dazu: Unsere SPORTBUZZER-Schalte mit dem stellvertretenden Sportchef Sebastian Harfst und Bayern-Reporter Patrick Strasser:

SPORTBUZZER-Schalte zum Neuer-Poker mit Bayern-Reporter Patrick Strasser

Es droht weiterer Zoff im Fall Neuer: Klärungsbedarf besteht jetzt schon. Ein paar Erläuterungen des SPORTBUZZER:

Wen hat Neuer als Maulwurf im Auge?

"Ich bin bei den Gesprächen nicht dabei, das macht ja Thomas", erklärt Neuer und verweist auf seinen Berater Thomas Kroth, ebenfalls in das Interview involviert. Der Keeper weiter: "Darum kann und will ich nicht mit dem Finger auf einzelne Personen zeigen. Aber der Personenkreis dort ist ja überschaubar." Ein dezenter Hinweis, den Kroth selbst bei der Frage nach den kursierenden Summen beim angeblichen Gehaltswunsch präzisiert: "Diese Zahlen sind beide schlichtweg falsch. Ich kann klar sagen, dass wir in den Gesprächen, die ich mit Hasan Salihamidzic und Oliver Kahn geführt habe, immer flexibel waren, was die Laufzeit betrifft." Also mit dem Sportdirektor und dem neuen Vorstand. Bayerns Ex-Kapitän Kahn ist seit Anfang Januar im Amt und damit unter dem Brennglas. Es ist kaum vorstellbar, dass der ehemalige Torhüter nur etwas mehr als 100 Tage im frischen Job, derartige Interna herausgibt.

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Was ist Neuers Motiv?

Der Ärger über das Durchstecken von Infos. Außerdem will er sich rechtfertigen, um gegenüber seinen Fans besser dazustehen und nicht als raffgieriger Profi zu gelten. "Aktuell haben wir den Eindruck, dass da öffentlich ein Bild von Manuel entsteht, das einfach falsch ist", so Neuer-Berater Kroth.

Was bezweckt Neuer mit der Gegenoffensive?

Vom seinen Arbeiter verlangte er in erster Linie dies: "Vor allem möchte ich Vertrauen spüren, das ist das Wichtigste", erklärte der 34-Jährige. Sein Wunsch: Er wolle einen Vertrag, "bei dem der FC Bayern und ich eine Win-Win-Situation haben, mit dem alle glücklich sind. Ich will meine Leistung bringen, für die Mannschaft da sein und alles dafür geben, dass wir den maximalen Erfolg haben - mit 100 Prozent Leidenschaft. Dafür müssen die Voraussetzungen stimmen, darum geht es gerade."

Wie sieht Neuer Nübels Verpflichtung?

Der 23-jährige Nübel (bisher Schalke) hat bis 2025 unterschrieben, gilt als Neuers Kronprinz und designierter Nachfolger. Für Neuer eine "super Verpflichtung" und "ein guter Torwart". Kommt der Konkurrent im Sommer wie kolportiert mit Einsatzgarantien? "Das gibt es im Leistungssport eigentlich nicht", findet Neuer, "solche Versprechen sind riskant. Ich glaube nicht, dass sich ein Spitzentrainer, der einen Verein wie die Bayern trainiert, vorschreiben lässt, wen er spielen zu lassen hat."

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Warum lobt er seinen Stellvertreter Ulreich derart?

Im Nübel-Kontext sagt Neuer: "Perspektivisch verstehe ich den Transfer, wobei wir mit Sven Ulreich ja schon eine bärenstarke Nummer zwei haben." Der 31-jährige Ulreich hatte während der langen Verletzungsphase der Nummer eins (wegen Mittelfußbrüchen von 2017 bis 2018) nicht nur sehr ordentlich gehalten, sondern sich auch immer als loyaler Stellvertreter geäußert ("Wenn Manuel fit ist, ist er die klare Eins"). Ulreich hat Vertrag bis 2021, wird wohl im Sommer gehen.

Fazit:

Neuer kämpft. Um sein Standing und um seinen Platz ("Solange ich meine Leistungen bringe, werde ich auch spielen, davon gehe ich aus"). Die Vertrauensbasis zum Verein scheint erst einmal zerstört. Vor der nächsten Verhandlungsrunde herrscht Klärungsbedarf, denn diese beinhaltet viel Sprengstoff.