28. Juli 2020 / 13:48 Uhr

Bei möglichem Indians-Rückzug: Auch die Scorpions denken über Regionalliga nach

Bei möglichem Indians-Rückzug: Auch die Scorpions denken über Regionalliga nach

Stephan Hartung
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Lieber Derbys in der Regionalliga als in der höheren Spielklasse ohne den Nachbarn? Könnte für die Scorpions ein Thema werden bzw. ist es bereits.
Lieber Derbys in der Regionalliga als in der höheren Spielklasse ohne den Nachbarn? Könnte für die Scorpions ein Thema werden bzw. ist es bereits. © Florian Petrow
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Die Hannover Indians haben keine Lizenz für die Oberliga bekommen. Die endgültige Entscheidung darüber fällt das DEB-Spielgericht am 20. August. Gehen die Indians runter, könnte es einen Dominoeffekt geben. Mehrere Vereine denken über einen Rückzug in die Regionalliga nach - darunter die Scorpions.

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Jetzt steht der Termin fest: Am 20. August entscheidet das Spielgericht des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) endgültig, ob die Hannover Indians zur Oberliga zugelassen werden. Bis dahin kann der ECH Stellungnahmen abgeben und sich zur Sachlage äußern. Dies betrifft auch die Ice­figh­ters Leipzig, die ebenso wie die Indians aus wirtschaftlichen Gründen keine Lizenz erhalten hatten.

"Auch in Hamburg oder Rostock wird darüber nachgedacht"

Unabhängig vom Gerichtsurteil: Sollten die Indians in der kommenden Saison eine Klasse tiefer in der Regionalliga antreten – aus finanziellen Gesichtspunkten tendieren sie aktuell sogar dazu –, könnte dies zu einem Dominoeffekt in der Oberliga führen.

Auch bei den Hannover Scorpions beschäftigt man sich mit der Regionalliga. Und Sportchef Eric Haselbacher, der mit vielen Vereinen im engen Austausch steht, be­rich­tet davon, „dass auch in Hamburg oder Rostock darüber nachgedacht wird“.

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Das Problem ist und bleibt der Faktor Zuschauer: Niemand weiß, wie sich die Corona-Pandemie entwickelt und ob Zuschauer ab Mitte Oktober in den Eisstadien erlaubt sind. Und wenn ja: wie viele? Nach dem 81-seitigen Konzept des DEB, wonach Hygiene, Ab­stän­de und Sitzen auf festen Plätzen vorgeschrieben sind, könnten im Mellendorfer Stadion 180 Leute zuschauen. „Selbst mit 300 Zuschauern macht das keinen Sinn“, sagt Haselbacher.

Unterlagen müssten überarbeitet werden

Sollten doch viel mehr Zuschauer in die Hallen dürfen, Indians und Leipzig aber keine Lizenz erhalten, würden nicht nur den Scorpions Heimspiele wegbrechen ge­gen Teams mit einer großen Masse an zahlender Kundschaft – wegen des Doppelrundenmodus also insgesamt vier Partien vor eigener Kulisse.

Die Folge bei beiden Szenarien: Die Vereine, die auf Anordnung des DEB im Mai bei der Beantragung der Oberliga-Lizenz von einem ganz normalen Spielbetrieb ausgehen sollten, müssten ihre Unterlagen überarbeiten. Das aus fehlenden Zuschauereinnahmen resultierende Minus könnte 300 000 Euro betragen – mit Ausnahme vielleicht von einem Verein wie dem Krefelder EV 81, der auch im Normalzustand weniger als 100 Besucher zu seinen Heimspielen begrüßt und diesen Faktor gar nicht spürt.

Die Bilder der Derbys zwischen den Indians und Scorpions:

Derby im Stadion am Pferderturm vom 16. Februar 2018: Brian Gibbons (Scorpions) guckt nicht begeistert, dahinter jubelt die torhungrige Mannschaft der Indians. Zur Galerie
Derby im Stadion am Pferderturm vom 16. Februar 2018: Brian Gibbons (Scorpions) guckt nicht begeistert, dahinter jubelt die torhungrige Mannschaft der Indians. ©

Als Konsequenz muss der DEB, um selbst aus der Schusslinie zu sein, unter diesen neuen Voraussetzungen Lizenzentzüge aussprechen – was einigen Vereinen sogar ganz gelegen kommen könnte, weil sie ursprünglich nicht für die Regionalliga gemeldet hatten, bei einem Oberliga-Lizenzentzug aber das Startrecht erhalten.

Der Oberliga droht also ein Ausbluten. Zwar ist die Regionalliga kein Allheilmittel, auch hier muss man sich mit Corona beschäftigen – diese Zeit lässt sich dort durch weitaus geringe Fixkosten aber besser überstehen. „Natürlich wollen wir Oberliga spielen, wir haben alle Prüfungen und Bescheinigungen“, sagt Eric Haselbacher – und fügt mit einem Augenzwinkern an: „In der Regionalliga würde dann trotzdem Branislav Pohanka vom ECH gegen Patrick Schmid von uns spielen.“ Vielleicht wird also die Regionalliga zur neuen Oberliga.

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Peter Baumgartner: Der Verteidiger ließ seine Laufbahn beim EV Landshut ausklingen. In der Stadt hat er den Laden seiner Eltern übernommen: ein Etablissement. Zur Galerie
Peter Baumgartner: Der Verteidiger ließ seine Laufbahn beim EV Landshut ausklingen. In der Stadt hat er den Laden seiner Eltern übernommen: ein Etablissement. ©

Dass es weiter Eissport geben wird, ist ohnehin unbestritten. „Natürlich ist es schöner, wenn die Indians als unsere Profimannschaft vor vielen Zuschauern spielen und dadurch auch viele Einnahmen über die Gastronomie erwirtschaftet werden“, sagt Gerhard Griebler, der mit seiner Firma KMG Network das Eisstadion am Pferdeturm betreibt. „Aber wir haben viele andere Töpfe, über die wir ein schwächeres Jahr ausgleichen können.“

Damit meint er beispielsweise den öffentlichen Eislauf, der am 1. Oktober wieder beginnt. „Der ist eine große Einnahmequelle. Das wird oft unterschätzt“, sagt Griebler, der „von einer guten Infrastruktur des Eisstadions“ spricht: „Wir haben jetzt unseren Fünfjahresplan mit Sanierungsarbeiten abgeschlossen. Eine weitere Idee ist eine neue Eisaufbereitungstechnik, vielleicht ma­chen wir damit erst 2021 weiter.“