18. Mai 2020 / 14:36 Uhr

Kommentar: Mercedes oder gar nichts – Sebastian Vettel geht gewaltig ins Risiko

Kommentar: Mercedes oder gar nichts – Sebastian Vettel geht gewaltig ins Risiko

Karin Sturm
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Bald Teamkollegen bei Mercedes? Das Cockpit neben Lewis Hamilton ist für Sebastian Vettel inzwischen die einzige realistische Option, wenn er in der Formel 1 bleiben will.
Bald Teamkollegen bei Mercedes? Das Cockpit neben Lewis Hamilton ist für Sebastian Vettel inzwischen die einzige realistische Option, wenn er in der Formel 1 bleiben will. © imago images/HochZwei
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Nach dem Aus bei Ferrari pokert Sebastian Vettel hoch. Ein Engagement bei McLaren kommt für ihn nicht in Frage, er setzt voll auf die Karte Mercedes. Auch wenn Vettel dabei leer ausgehen könnte, zeigt sich auch das Selbstbewusstsein des viermaligen Weltmeisters, meint Karin Sturm.

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Alles auf eine Karte: Mercedes oder gar nichts – auf dieses Pokerspiel hat sich Sebastian Vettel in der Formel 1 freiwillig eingelassen. Die Trennung von Ferrari war mit Sicherheit richtig. Angesichts der dortigen Politik hätte es für ihn da keine echte Zukunft mehr gegeben. Aber das plötzliche "Nein" zu McLaren – in der Hoffnung auf einen Platz bei Mercedes, das ist schon riskant. Die Taube auf dem Dach statt den Spatz in der Hand...

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Ob sich Vettels Poker auszahlt, muss sich zeigen. Auch wenn er von Mercedes offensichtlich ein Signal bekam, dass es eine Chance für ihn gebe, 2021 im Silberpfeil zu sitzen: Das heißt ja noch lange nicht, dass das am Ende dann auch klappen muss. Vor allem angesichts der unsicheren Situation um das Team insgesamt, der angekündigten Sparmaßnahmen im Konzern – und der allgemein bekannten Tatsache, dass in der Formel 1 auch Versprechen nicht immer viel bedeuten. Und dann stünde er am Ende ganz mit leeren Händen da.

Selbst wenn es klappen sollte, was vor allem auch für die Fans, vor allem die deutschen, zu wünschen wäre: Leicht wird es für ihn dann mit Sicherheit nicht an der Seite von Lewis Hamilton, der dort seit Jahren die absolute Hausmacht hat und rein sportlich ein gewaltiges Kaliber darstellt. Mercedes ist, da darf man sich nichts vormachen, von der Basis her viel eher ein britisches denn ein deutsches Team. Und Teamchef Toto Wolff für Vettel sicher nicht der gute Freund, Beschützer und Kumpel aus alten Zeiten, der ihm die geliebte Nestwärme geben kann - wie es Andreas Seidl bei McLaren wohl hätte tun können.

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Sebastian Vettel und seine Saison 2019: Er wollte Weltmeister werden und erlebte ein Jahr zum Vergessen. Der SPORTBUZZER zeichnet das Vettel-Jahr in Bildern nach. ©

Vettels Pokerspiel zeigt auch sein Selbstbewusstsein

Dass der viermalige Weltmeister sich für diesen riskanten Weg entschieden hat, zeigt aber auch sein Selbstbewusstsein – und dass er es schon gern noch einmal allen zeigen möchte. Denn eines ist auch klar: Gelingt es ihm tatsächlich, bei Mercedes gegen Hamilton zu bestehen, ihn vielleicht sogar zu schlagen, dann hätte er all die Zweifler und Kritiker der letzten Jahre eines Besseren belehrt. Ein Deutscher hat Hamilton ja schon einmal bezwungen: Nico Rosberg. Allerdings zu einer Zeit, als der Brite noch nicht ganz so fest im Sattel saß wie heute...