30. April 2021 / 19:07 Uhr

Vettel-Probleme, Schumacher-Kollege, neues Quali-Format: Thesen zum Formel-1-Monat – mit Norbert Haug

Vettel-Probleme, Schumacher-Kollege, neues Quali-Format: Thesen zum Formel-1-Monat – mit Norbert Haug

Norbert Haug
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Norbert Haug blickt für den SPORTBUZZER auf den Formel-1-Monat.
Norbert Haug blickt für den SPORTBUZZER auf den Formel-1-Monat. © Getty Images (Montage)
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Eine neue Ausgabe der SPORTBUZZER-Kolumne mit dem ehemaligen Mercedes-Sportchef Norbert Haug, der bereits mit Lewis Hamilton und Michael Schumacher zusammenarbeitete als diese als Renn-Junioren von Mercedes gefördert wurden. Wir legen dem F1-Experten Thesen vor – und Haug gibt seine Einschätzungen dazu ab. Diesen Monat geht es unter anderem um die Probleme von Aston Martin und Sebastian Vettel.

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Jetzt geht die Formel-1-Saison erst richtig los: Nach nur einem Rennen im gesamten Monat April stehen im Mai mit den Grand Prixs von Portugal (2. Mai) und Spanien (9. Mai) sowie dem legendären Rennen in Monaco (23. Mai) gleich drei Rennwochenenden auf dem Plan. Also gibt es drei neue Chancen für Aston Martin, das neue Team des deutschen Top-Piloten Sebastian Vettel, zu zeigen, dass es sich beim schwachen Abschneiden in Bahrain und zuletzt Imola um Ausrutscher gehandelt hat. Vettel kam beide Male nicht in die Punkte. Der viermalige Weltmeister scheint sich mit dem Wechsel vertan zu haben.

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Der SPORTBUZZER hat dem ehemaligen Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug unter anderem diese These vorlegt – und noch fünf weitere. So bewertet der 68-Jährige, der die Karrieren der jeweiligen siebenmaligen (Rekord-)Weltmeister Lewis Hamilton und Michael Schumacher und mit beiden als Sportchef erfolgreich gearbeitet hat, auch das Abschneiden Hamiltons in Imola, Trotz eines Ausritts holte der amtierende Champion sensationell den zweiten Platz hinter Max Verstappen im ebenbürtigen Red Bull.

Zudem Thema: Mick Schumachers Haas-Teamkollege Nikita Masepin, der zuletzt mit vielen Fahrfehlern und seinem Verhalten neben der Rennstrecke für Negativschlagzeilen gesorgt hatte. Auch das neue Qualifikationsformat mit Sprintrennen, das noch in diesem Jahr bei drei Grand Prixs an den Start kommen soll und bei dem die drei Erstplatzierten Punkte bekommen, wird besprochen. Hier die Thesen zum Rennmonat, diskutiert von Norbert Haug!

These 1: Nur Probleme bei Aston Martin – Sebastian Vettel hat sich mit dem Wechsel vertan

Haug: "Bisher war’s ein Fehlstart für Aston Martin und Sebastian Vettel. Aber grün ist ja die Hoffnung, zumindest wenn’s Racing Green ist. Die identische Mannschaft hat als Racing Point und zuvor als Force India gezeigt, dass sie nach den Top-Drei-Teams – und gelegentlich auch zwischen ihnen – fahren kann. Der nächste Schritt nach vorne wird bestimmt folgen – und das muss er auch."

These 2: Nikita Masepin ist für die Bewertung von Mick Schumacher kein Maßstab

Haug: "Das ist mir nach zwei Rennen zu harsch geurteilt. Wirkungsvolles Coaching ist bei Nikita Masepin sicher besonders gefordert, das scheint eher notwendig als mehr Speed. Ich bin sicher, Mick nimmt seinen Teamkollegen nicht auf die leichte Schulter, und genau so ist’s richtig."

These 3: McLaren wird noch in dieser Saison ein Rennen aus eigener Kraft gewinnen

Haug: "Ein McLaren-Sieg würde mich wirklich sehr freuen, auch aus nostalgischen Gründen und sehr guten Erinnerungen an unsere McLaren-Mercedes-Zeit mit WM-Titelgewinnen von Mika Häkkinen und Lewis Hamilton. Die Richtung stimmt beim Team, und der Motor ist auch der richtige. Zum Sieg kann es 2021 nach meiner Einschätzung nur bei außergewöhnlichen Umständen reichen – aber die gibt’s ja bekanntlich in der Formel 1 gar nicht so selten."

These 4: Die Formel 1 sollte öfter auf Traditionsstrecken wie in Imola fahren

Haug: "Sehr gerne, die Tradition hilft der Formel 1 zweifellos. Aber die Mischung macht’s. Ich halte die Umsetzung des Miami-Grand-Prix im nächsten Jahr in den USA für wichtiger, als ausschließlich der Tradition den Vorzug zu geben."

These 5: Lewis Hamilton kaschiert mit seinem Talent die Mercedes-Probleme

Haug: "... und umgekehrt. Genau so muss ein Weltmeister-Team arbeiten. Lewis Hamilton gewinnt Rennen, die eigentlich nicht zu gewinnen sind, und Mercedes gibt ihm das Auto und die Resnnstrategie dazu. Nur, weil der Silberpfeil jetzt schwarz ist, gibt’s keinen Grund schwarzzusehen. Dominanz muss im Sinne spannender Rennen und begeisterter Zuschauer gar nicht sein. Ein Punkt Vorsprung am Jahresende genügt, und Lewis weiß das aus eigener Erfahrung."

These 6: Das neue Qualifikationsformat hilft nur den Topteams

Haug: "Das neue Quali-Format möchte ich mir zuerst einmal anschauen. Normalerweise müssten die Topteams die wenigen zur Verfügung stehenden Punkte abkassieren. Aber schauen Sie einmal, wie "normal" das letzte Rennen in Imola verlaufen ist ..."