20. März 2020 / 20:39 Uhr

VfB Lübeck mit klarer Ansage: Kurzarbeit als Option, Gehälter gehen runter

VfB Lübeck mit klarer Ansage: Kurzarbeit als Option, Gehälter gehen runter

Jürgen Rönnau
Lübecker Nachrichten
VfB Lübecks Vorstandssprecher Thomas Schikorra
VfB Lübecks Vorstandssprecher Thomas Schikorra © Agentur 54°
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Exklusiv-Interview mit Vorstandssprecher Thomas Schikorra zu den Auswirkungen der Corona-Krise beim Regionalligisten von der Lohmühle.

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Eigentlich sollte der VfB Lübeck an diesem Freitag auf der Lohmühle seine Tabellenführung in der Regionalliga im Spiel gegen Rehden verteidigen, möglichst ausbauen - den nächsten Schritt in Richtung 3. Liga machen. Doch der Fußball, der Sport und das ganze öffentliche Leben ruhen unter dem Eindruck der Corona-Krise. Wie geht der VfB mit der Situation um, wie ist der Stand der Dinge, welche Konsequenzen kann es geben? Vorstandssprecher Thomas Schikorra stellt sich den Fragen im Sportbuzzer-Interview.

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Der Spielbetrieb ruht mindestens bis Mitte April. Was macht die Mannschaft, wie halten sich die Spieler fit?

Thomas Schikorra: Die Spieler sind zu Hause und trainieren individuell, sie haben von Trainer Landerl Trainingspläne bekommen. An Mannschaftstraining oder auch Training in Kleingruppen ist derzeit nicht zu denken."

Alle Sportplätze sind gesperrt. Wurde beim Gesundheitsamt eine Sondergenehmigung für den Trainingsbetrieb beantragt?

Schikorra: Wir haben uns mit dem Gesundheitsamt in Verbindung gesetzt und nachgefragt, ob es für uns eine Möglichkeit gäbe, zu trainieren. Das Gesundheitsamt hat die Frage nach Kiel weitergereicht. Wir warten noch auf eine Antwort. Wir rechnen aber nicht damit, dass derzeit eine Ausnahmegenehmigung erteilt werden würde und selbst wenn die käme, werden wir erst dann wieder trainieren, wenn das auch aus Sicht unserer Vertrauensärzte wieder vertretbar ist."

Geschäftsstelle geschlossen, Kurzarbeit als Option

Ist die Geschäftsstelle denn jetzt überhaupt noch besetzt?

Schikorra: "Unsere Geschäftsstellenmitarbeiter Florian Möller, Annette Stonies und Sven Theißen sind im Homeoffice. Die Geschäftsstelle ist geschlossen. Unser Hausmeister Günter Kissmann war die letzten Tage noch sporadisch im Stadion im Einsatz. Platzwart Torsten Kastens hat das gute Wetter die gesamte Woche zur Platzpflege ausgenutzt."

Wurde Kurzarbeit beantragt?

Schikorra: "Wir behalten uns das vor. Grundsätzlich sind wir finanziell stabil aufgestellt. Aber wir haben natürlich als Vorstand die Aufgabe, die Schäden für den Verein möglichst gering zu halten. Da kann es ein Mittel sein, Kurzarbeit zu vereinbaren und dann zu beantragen."

Gehaltsniveau wird sinken - keine gute Zeit, um Verträge zu pokern

Wie sieht es mit auslaufenden Verträgen aus?

Schikorra: "Wir waren vor der Corona-Krise bereits für die nächste Saison durchfinanziert, und zwar sowohl für das Szenario 3. Liga als auch für ein weiteres Jahr Regionalliga, in dem wir erneut einen Anlauf in Richtung 3. Liga unternehmen würden. Wie alle anderen Vereine auch werden wir nun natürlich ein paar Anpassungen vornehmen müssen, aber wir können nach unserer Überzeugung immer noch für die Spieler einen vergleichsweise sicheren Hafen bieten, und das ist in dieser Situation verdammt viel Wert. In der kommenden Transferperiode wird das Gehaltsniveau sinken und da muss sich jeder genau überlegen, ob dies die Zeit zum Pokern ist. Unabhängig vom Finanziellen ist es natürlich verständlich, dass die Jungs in den Profifußball möchten. Wir haben halt einige Spieler, die durch hervorragende Leistungen auf sich aufmerksam gemacht haben. Wir sind aber sehr zuversichtlich, dass etliche bei uns bleiben werden."

Scorerrangliste: VfB Lübeck (2019/2020). Stand: 07. März 2020

Ahmet Arslan: 16 Tore, 3 Vorlagen. Zur Galerie
Ahmet Arslan: 16 Tore, 3 Vorlagen. ©

Keine Regressforderungen - aber mindestens 120 000 Euro Schaden

Gibt es bereits Regressansprüche von Sponsoren und Dauerkarteninhabern? 

Schikorra: "Bisher haben weder Sponsoren noch Dauerkarteninhaber Ansprüche angemeldet. Wir warten ab, bis feststeht, ob die Spiele nachgeholt werden und werden dann aktiv. Erfreulich ist aber, dass sich bereits die ersten Dauerkarteninhaber gemeldet und ihren Verzicht auf etwaige Ansprüche erklärt haben, sollten sie nicht mehr alle Heimspiele zu sehen bekommen."

Wie hoch ist der finanzielle Schaden bisher?

Schikorra: "Dazu können wir gegenwärtig keine seriöse Angabe machen. Das hängt davon ab, ob die Saison fortgesetzt wird und wenn ja, ob und wie viele Zuschauer zugelassen werden. Wenn wir in dieser Saison keine Spiele mit Zuschauern mehr haben sollten, wird uns allein deshalb ein Betrag in einer Größenordnung von 120 000 Euro fehlen. Tendenz eher steigend, sollten wir bis zum letzten Spieltag reelle Chancen auf den Aufstieg haben."

Wenn die Saison nach hinten hinaus verlängert wird, bis wann ist das möglich? Welche Szenarien seht ihr? Gibt es Ansagen, Pläne vom NFV/SHFV?

Schikorra: "Da die Spielerverträge bis zum 30. Juni laufen, müsste die Saison wohl spätestens bis dahin beendet werden. Zu möglichen Szenarien möchten wir uns jetzt nicht äußern. Konkrete Pläne der Verbände sind uns nicht bekannt. Wir können derzeit alle nur abwarten, ob weiter gespielt werden kann. Wünschenswert wäre aber, dass der DFB und seine Regional- und Landesverbände einheitlich über den weiteren Saisonverlauf entscheiden und nicht jeder sein eigenes Süppchen kocht."

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