29. Februar 2020 / 15:10 Uhr

VfB Lübeck nach 2:1 beim VfL Wolfsburg II Spitzenreiter

VfB Lübeck nach 2:1 beim VfL Wolfsburg II Spitzenreiter

Volker A. Giering
Lübecker Nachrichten
Ringkampf: Daniel Halke gegen Omar Marmoush.
Ringkampf: Daniel Halke gegen Omar Marmoush. © Agentur 54°
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Arslan und Riedel treffen nach 0:1-Rückstand durch Rizzis Freistoß zum Lübecker Sieg

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„Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey, hey“: Der VfB Lübeck hat das „vorweg genommene“ Finale um den Titel der Regionalliga Nord beim bisherigen Tabellenführer VfL Wolfsburg II mit 2:1 dank einer Leistungssteigerung im zweiten Abschnitt gewonnen.

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Die Choreo der VfB-Fans vorm Wolfsburg-Spiel

Heimspiel-Atmosphäre

Heimspiel-Atmosphäre 282 Kilometer entfernt im kleinen schmucken AOK-Stadion am Wolfsburger Allerpark. Für den VfB bedeuten die knapp 1400 Fans, die mit nach Wolfsburg gereist sind, einen Allzeithöchststand, seit dem 16. März 2004 fast 10000 Lübecker mit dem VfB nach Bremen gefahren waren, um im DFB-Pokal das „Wunder von der Weser“ zu feiern, das dann im Halbfinale durch das unglückliche 2:3 nach Verlängerung verpasst wurde. Zehn Sonderbusse waren um 8 Uhr an der Lohmühle zu einem grün-weißen Konvoi aufgebrochen. Zudem sind viele Fans entweder mit dem privaten PKW oder der Bahn angereist. Am Stadioneingang ging es bei nur zwei Eingängen zum Gästebereich nur schleppend voran.

Impressionen vorm Spiel VfL Wolfsburg II - VfB Lübeck

VfB-Fans bei der Abreise auf der Lohmühle. Zur Galerie
VfB-Fans bei der Abreise auf der Lohmühle. ©

Überragende Unterstützung

„Das ist Gänsehaut“, sagte Lübecks Sportdirektor Rocco Leeser vor dem Anpfiff ob der überragenden Unterstützung und machte keinen Hehl daraus, dass er wie die gesamte Mannschaft einen Tick angespannter als sonst sei. „Das ist ein wichtiges Spiel“, betonte er und ergänzte: „Die Geschlossenheit der Mannschaft spricht für uns. Wir müssen kämpfen und fighten.“ Eine einzige personelle Veränderung nahm Trainer Rolf Landerl im Vergleich zum Landesderby gegen Holstein Kiel II (5:0) vor. Für Rotsünder Ryan Malone (das Urteil ist noch offen) kehrte der wiedergenesene Kapitän Daniel Halke in die Startformation zurück. Bei den „Jung-Wölfen“ bot der zum Saisonende ausscheidende Trainer Rüdiger Ziehl drei neue Spieler (Mamoudou Karamoko, Luca Finn Horn und Iba May) auf. Wobei May am Donnerstag noch im Kader der VfL-Profis beim Europa League Spiel in Malmö (3:0) stand.

Die besten Bilder vom Spiel des VfB Lübeck beim VfL Wolfsburg II

Ahmet Metin Arslan (v.l.), Morten Rüdiger, Patrick Hobsch, Daniel Halke und Dongsu Kim freuen sich über den Sieg. Zur Galerie
Ahmet Metin Arslan (v.l.), Morten Rüdiger, Patrick Hobsch, Daniel Halke und Dongsu Kim freuen sich über den Sieg. ©

Sensationelle Stimmung

Es war also angerichtet für das Spiel des Jahres, zumal sich beide Teams zuletzt in blendender Form zeigten. Während die Wolfsburger die letzten acht Spiele gewannen, feierte der VfB sechs Siege in sieben Spielen. Im Hinspiel siegten die „Wölfe“ an der Lohmühle mit 2:1. Die Stimmung in der schmucken AOK-Arena war sensationell. Die VfB-Fans peitschten ihre Mannschaft von Beginn und ununterbrochen mit lautstarken Gesängen wie „Unser Leben ist der VfB“, „Auf geht’s Lübeck, kämpfen und siegen“ oder „Schießt ein Tor für uns“ nach vorne. In der ersten Halbzeit spielten die Grün-Weißen in Richtung des eigenen Fanblocks. Die erste gefährliche Aktion leitete Florian Riedel mit einer Rechtsflanke ein. Doch VfL-Torwart Lino Kasten war schneller als VfB-Stürmer Patrick Hobsch, der den Vorzug vor Hansa-Rostock-Leihgabe Elsamed Ramaj erhielt, der unter der Woche einen starken Eindruck im Training hinterlassen hatte. Kurz darauf bekam Marvin Thiel den Ball nach einem Fehler von Kasten nicht reingeschlenzt.

Schock durch Rizzi

Schock in der 28. Minute: Es gab Freistoß für die Hausherren. Michele-Claudio Rizzi trat aus 22 Metern an und schlenzte den Ball gefühlvoll über die VfB-Mauer genau in den rechten Giebel. Keine Chance für VfB-Schlussmann Lukas Raeder. Der VfB ließ sich durch den Rückstand aus der Ruhe bringen und kassierte innerhalb kurzer Zeit drei Gelbe Karten (Halke, Arslan, Grupe). Kurz vor der Pause reagierte Landerl und brachte den schnellen Ramaj für den gelbrotgefährdeten Halke und stellte hinten auf 4er Kette um. Der Angreifer sorgte gleich für Schwung. Nach einer Arslan-Ecke versuchte er aus 30 Metern, der Ball strich knapp über das Tor.

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Ausgleich durch Arslan

Der VfB sammelte sich in der Halbzeitpause und kam mit der richtigen Antwort aus der Kabine. Nach einem genialen Außenrisspass von Riedel auf Yannick Deichmann, flankte dieser in den Strafraum. Zwar verpasste dort Hobsch in der Mitte, doch am langen Pfosten brauchte Ahmet Arslan den Ball nur über die Linie zu drücken – 1:1 (46.), sein 16. Saisontreffer. Auf der Tribüne fieberte Leeser mit und kommentierte nach dem Seitenwechsel fast jeden Spielzug. Vor ihm saß Vorstandsmitglied Florian Möller, der noch vor dem 1:1-Ausgleich sagte: „Wir drehen das Ding noch.“ Und tatsächlich: Nach einem Schnitzer von Wolfsburgs Jannis Heuer schaltete Riedel am schnellsten und schob flach ins linke Eck – 1:2 (55.). Die VfB-Fans waren jetzt nicht mehr zu halten und verwandelten die AOK-Arena in einen Hexenkessel. „Wir sind alle Lübecker Jungs“, sangen sie. Die Grün-Weißen steigerten sich im zweiten Durchgang und gingen vorne gleich drauf. In der 71. Minute hätte „Ahmo“ Arslan das 1:3 machen können, scheiterte aber aus kurzer Distanz an Kasten.

Karten satt am Ende

Die hektische Schlussphase eines hitzigen Topspiels war total offen. Schiedsrichter Konrad Oldhafer hatte alle Hände voll zu tun und zeigte insgesamt 12 Gelbe Karten und eine Gelb-Rote Karte. Unter dem Hamburger hat der VfB übrigens noch nie verloren. So auch am Samstag: Um 14.51 Uhr stand der achte Sieg im achten Spiel fest. Zuletzt hatten die Grün-Weißen am 19. August 2017 in der AOK-Arena gewonnen. Torschütze beim 0:1-Last-Minute-Sieg war damals Leon Dippert in der Nachspielzeit (90. +2). „Oh, wie ist das schön“, sangen die Fans. Arslan & Co. tanzten ausgelassen vor dem Gästeblock. Der Traum vom Aufstieg in die Dritte Liga lebt mehr denn je.

Statistik zum Spiel

VfL Wolfsburg II: Kasten – Heuer, Rizzi, Siersleben – Itter (82. Pohlmann), Marmoush, May (41. Stach), Möker, Horn – Justvan – Karamoko (66. Herrmann), Marmoush.

VfB Lübeck II: Raeder – Riedel, Halke (44. Ramaj), Grupe, Kim, Thiel – Deichmann, Mende, Rüdiger (66.Lippert) – Arslan, Hobsch (88. Weißmann).

Schiedsrichter: Konrad Oldhafer (Hamburg).

Zuschauer: 2385 (in der AOK-Arena im Wolfsburger Allerpark)

Tore: 1:0 Rizzi (28.), 1:1 Arslan (46.), 1:2 Riedel (55.).

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Gelbe Karten: May, Justvan, Rizzi, Stach, Heuer – Halke (2), Arslan (3), Grupe (4), Rüdiger (1), Mende (4), Kim (2), Parduhn (2).

Gelb-Rote Karte: Thiel (90. +3, wiederholtes Foulspiel).