11. August 2019 / 18:58 Uhr

VfB Lübeck unterliegt FC St. Pauli im Elfmeterschießen

VfB Lübeck unterliegt FC St. Pauli im Elfmeterschießen

Volker A. Giering
Lübecker Nachrichten
Patrick Hobsch (VfB Lübeck) gegen Marvin Knoll (FC St. Pauli).
Patrick Hobsch (VfB Lübeck) gegen Marvin Knoll (FC St. Pauli). © Agentur 54°
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Tolle Moral nicht belohnt: 2:0 geführt, 2:3 zurückgelegen, 3:3 gemacht - und vom Punkt dann verloren

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Schade, der VfB Lübeck hat die Überraschung im DFB-Pokal verpasst. Die Grün-Weißen lieferten dem Zweitligisten FC St. Pauli einen tollen Pokalfight, verloren aber unglücklich mit 6:7 nach Elfmeterschießen.

Landerl stellt Raeder ins Tor

Während Gästetrainer Jos Luhukay mit Marc Hornschuh, Viktor Gyökeres, Christopher Buchtmann und Waldemar Sobota gleich vier neue Spieler im Vergleich zur letzten 1:3-Niederlage in der zweiten Liga gegen Greuther Fürth brachte, veränderte Lübecks Trainer Rolf Landerl seine Mannschaft auf fünf Positionen. Die größte Überraschung war, dass Neuzugang Lukas Raeder im Tor den Vorzug vor Benjamin Gommert erhielt. Im defensiven Mittelfeld vertraute er auf Neuling Ryan Malone. Was sich schon in der Trainingswoche angedeutet hatte.

Kein Klassen-Unterschied

Vor 11 000 Zuschauern war kein Zwei-Klassen-Unterschied zu sehen. Die Lübecker waren auch spielerisch auf Augenhöhe und gingen schon nach neun Minuten durch Yannick Deichmann in Führung. Der frühere St. Paulianer stand in der Mitte nach einer Hereingabe von Ahmet Arslan goldrichtig. Der Rettungsversuch von Paulis Kapitän Daniel Buballa kam zu spät. Marvin Thiel hatte den Ball zuvor zu Arslan durchgesteckt.

VfB Lübeck - FC St. Pauli: Die besten Bilder

Die Spieler des VfB Lübeck stehen nach der Niederlage vor dem eigenen Fanblock in der Pappelkurve. Zur Galerie
Die Spieler des VfB Lübeck stehen nach der Niederlage vor dem eigenen Fanblock in der Pappelkurve. ©
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Fast das 2:0 durch Deichmann

Schon nach 22 Minuten schickte Luhukay seine Reservespieler zum Aufwärmen. Diese mussten hinter dem eigenen Tor mitansehen, wie Deichmann fast das 2:0 erzielt hätte. Nach einer tollen Rechtsflanke von Dennis Hoins flog sein Kopfball nur haarscharf am linken Pfosten vorbei. Die Stimmung war grandios. Die Lübecker Fans feuerten ihre Mannschaft lautstark an, die fast jeden Zweikampf gewann. Die Gäste waren vorne erschreckend schwach. Einzig Mats Möller Dahli prüfte Raeder mit einem Freistoß auf Höhe der Strafraumgrenze. Doch der Lübecker Neuzugang konnte den Ball mit beiden Fäusten nach vorne parieren (27.).

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Malones Riesenjob im Mittelfeld

„Steht auf, wenn ihr für den VfB Lübeck seid“, riefen die VfB-Fans und die ganze Tribüne stand auf. Unten auf dem Platz puschten sich die Grün-Weißen gegenseitig und feierten jeden Zweikampf, als wäre es der letzte gewesen. Vor allem Malone machte einen Riesenjob im defensiven Mittelfeld. „Das ist ein ausgeglichenes Spiel. Es ist kein Unterschied zu sehen. Die Stimmung auf der Lohmühle ist klasse“, sagte Ex-Trainer Michael Lorkowski in der Halbzeitpause, der früher für beide Klubs tätig war. Und es kam noch besser aus Sicht des Regionalligisten. In der 55. Minute nahm sich Marvin Thiel ein Herz und hielt aus 17 Metern – nach einer Querablage von Arslan – einfach mal drauf. Der Paulianer Verteidiger Marc Hornschuh fälschte den Ball unglücklich ins eigene Tor ab – 0:2. Spätestens jetzt stand die Lohmühle Kopf.

Pauli schlägt eiskalt zurück

War es das schon? Nein, der Favorit stemmte sich gegen die drohende Pokalpleite und konnte innerhalb von nur drei Minuten durch Waldemar Sobota (63.) und Dimitrios Diamantakos (66.) ausgleichen. Jetzt war es ein echter Pokalfight. In der 85. Minute forderten die Gastgeber einen Strafstoß nach einem klaren Foulspiel von Ryo Miyaichi am eingewechselten Sven Mende. Kann man geben. Wie auch nach einem Einsteigen vom norwegischen Nationalspieler Dahli an Florian Riedel (86.). Stattdessen sah der völlig verdutzte Riedel die Gelbe Karte wegen einer Schwalbe. Pfiffe von den Rängen. „Schieber, Schieber“, riefen die Lübecker Anhänger. Arslan & Co. warfen nochmals alles nach vorne. In der Nachspielzeit flog ein Schuss von Hoins am gegnerischen Gehäuse vorbei (90. +1). Um 17.21 Uhr pfiff Schiedsrichter Frank Willenborg ab – Verlängerung.

Knoll köpft Pauli in Front

Es waren vier Minuten in der Verlängerung gespielt, als der eingewechselte Enver Cenk Sahin eine Ecke von links in den Strafraum trat. In der Mitte rauschte Paulis Verteidiger Marvin Knoll an und köpfte völlig freistehend zum 2:3 ein. Neu ist, dass im DFB-Pokal ab sofort in der Verlängerung ein vierter Spieler eingewechselt werden kann. Lübecks Coach Rolf Landerl machte von dieser Regelung Gebrauch und brachte in der 99. Minute Neuzugang Marcel Schelle für Hoins. Die Hausherren mobilisierten in der zweiten Halbzeit der Verlängerung nochmal alle Kräfte und wollten unbedingt den Ausgleich. Nach 109 Minuten lag den Fans schon der Torjubel auf den Lippen. Doch der Paulianer Miyaichi klärte eine scharfe Hereingabe von Riedel vor der Linie. Riedel hatte zuvor den eingewechselten Niklas Hoffmann auf der rechten Seite im Zweikampf vernascht.

Arslan gleicht aus

Glück hatte die Landerl-Elf, dass Stürmer Diamantakos den rechten Pfosten traf, nachdem er schon Raeder ausgespielt hatte (113.). Im Gegenzug stürmte Ahmet Arslan auf das Pauli-Tor zu und behielt die Nerven. Eiskalt schob er den Ball flach rechts unten ein (115.). Im Lübecker Block wurde bengalischen Feuer entzündet. „Das ist so was von verdient“, jubelte ein Fan auf der Tribüne. In der 119. Minute sah Diamantakos dann die Rote Karte. Der Stürmer hatte gegen Torwart Raeder nachgetreten, obwohl dieser den Ball schon sicher aufgenommen hatte. Um 17.59 beendete Willenborg die Verlängerung – Elfmeterschießen. Was für ein Drama an der Lohmühle.

Bitter: Pech vom Punkt

Das Elfmeterschießen fand in Richtung des Gästeblocks statt. Als erster trat Sobota an und traf sicher ins linke Eck. Dann musste Arslan ran. Der VfB-Stürmer machte ein überragendes Spiel, schoss aber drüber. Danach hielt Raeder gegen Hoffmann, wehrte den Ball mit den Beinen ab. Den 1:1-Ausgleich erzielte Geburtstagskind Malone (wurde heute 27 Jahre alt). Lankford erhöhte auf 1:2 für die Gäste. Knapp, aber drin: Lübecks Kapitän Daniel Halke war zum 2:2 erfolgreich. Als nächster lief Buchtmann an. Raeder hatte den Ball fast schon, doch rollte dieser über die Linie. Matovina erzielte das 3:3. Pauli legte wieder durch Knoll vor. Zum Pechvogel avancierte Fernandes, der als letzter Schütze an Paulis Torwart Robin Himmelmann scheiterte.

Statistik zum Spiel

VfB Lübeck: Raeder – Riedel, Halke, Grupe, Weißmann, Thiel (82. Matovina) – Deichmann (76. Fernandes), Malone, Hoins (99. Schelle) – Hobsch (70. Mende), Arslan.

FC St. Pauli: Himmelmann – Hornschuh (77. Bednarczyk), Knoll, Buballa – Miyaichi, Sobota, Möller Daehli (107. Hoffmann), Conteh (67. Sahin)– Buchtmann – Gyökeres (55. Lankford), Diamantakos.

Schiedsrichter: Frank Willenborg (Osnabrück).

Zuschauer: 11 000 (ausverkauft).

Tore: 1:0 Deichmann (9.), 2:0 Thiel (55.), 2:1 Sobota (63.), 2:2 Diamantakos (66.), 2:3 Knoll (94.). 3:3 Arslan (115.).

Gelbe Karten: Thiel, Riedel – Buballa, Lankford.

VfB Lübeck: Einzelkritik zum Pokalfight gegen den FC St. Pauli

Lukas Raeder: War auf dem Posten, wenn er gefordert war. Bereits nach drei Minuten parierte er aus kurzer Distanz doppelt, in der 40. lenkte er einen Norderstedter Kopfball gerade noch mit den Fingerspitzen über die Latte. Erlaubte sich in 90 Minuten nur einen Mini-Wackler beim Rauslaufen bei einer Ecke. Zur Galerie
Lukas Raeder: War auf dem Posten, wenn er gefordert war. Bereits nach drei Minuten parierte er aus kurzer Distanz doppelt, in der 40. lenkte er einen Norderstedter Kopfball gerade noch mit den Fingerspitzen über die Latte. Erlaubte sich in 90 Minuten nur einen Mini-Wackler beim Rauslaufen bei einer Ecke. ©

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