18. Dezember 2019 / 19:16 Uhr

VfB Lübeck will sich im Winter verstärken

VfB Lübeck will sich im Winter verstärken

Jürgen Rönnau
Lübecker Nachrichten
VfB-Vorstandssprecher Thomas Schikorra (l.) und der neue Sportdirektor Rocco Leeser.
VfB-Vorstandssprecher Thomas Schikorra (l.) und der neue Sportdirektor Rocco Leeser. © Agentur 54°
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Rocco Leeser spricht bei seiner Präsentation als neuer Sportdirektor des VfB Lübeck von Veränderungen im Kader – der Blick geht nach Holland

Exakt fünf Wochen, nachdem der VfB Lübeck und Stefan Schnoor sich getrennt haben, haben die Grün-Weißen auf der Lohmühle in einem kurzfristig anberaumten Pressegespräch den Nachfolger als Sportdirektor vorgestellt. Die Wahl fiel auf Rocco Leeser, der bereits seit dem 1.7. 2018 Nachwuchsleiter beim VfB ist. Der 52-jährige Holländer wird künftig beide Jobs hauptamtlich ausüben, sein Vertrag läuft bis zum 30. Juni 2021.

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"Wir wollten keinen Ex-Profi, der uns seine Ideen überstülpt!"

„Wir hatten eine Flut von Bewerbungen, 30 bis 40 waren es bestimmt“, sagt Vorstandssprecher Thomas Schikorra, der zusammen mit Timo Neumann, Aufsichtsrat und „Interimssportchef“ die Schreiben gesichtet und bewertet hat. „Wir haben mit einigen Bewerbern gesprochen, Rocco hatte seine Kandidatur frühzeitig angemeldet – und nachdem wir uns mit ihm getroffen hatten, war die Entscheidung eigentlich schon gefallen. Das Gespräch war herausragend, seine Präsentation war überragend. Danach haben Timo und ich uns nur angeschaut, und haben gesagt: ’Wow! Das ist es, da geht jetzt nicht mehr viel drüber!“ Ganz wichtig sei gewesen, dass man „keinen Ex-Profi wolle, der uns seine Ideen überstülpt“, sondern einen, „der unsere DNA und Identität“ mitlebe.

Führungsstärke und großer Sachverstand zeichnen Leeser aus

Leeser erfülle alle Profianforderungen. Er sei strukturiert und analytisch, empathisch, habe großen Sachverstand, Führungsstärke – er sei verhandlungssicher und wisse, wie man mit Geld umgehe. Dazu muss man wissen: Leeser, gebürtig in Rotterdam, hat selbst beim NAC Breda gespielt („Fußballerisch hat es nicht zur großen Karriere gereicht – so ehrlich muss man sein“), war Nachwuchscoach in Rozendaal. Hauptberuflich war Leeser 15 Jahre lang Direktor und Manager bei der Rabobank, verantwortlich für Gruppen von „30 bis 300 Leuten“.

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Familie zog ihn zurück nach Schleswig-Holstein

2015 hat er einen Cut gemacht. Seine Frau stammt aus Breitenfelde, wollte aus familiären Gründen zurück. Leeser zog also mit Gattin und Sohn ( zehn Jahr alt) nach Deutschland und setzte ganz auf die Karte Fußball, wurde Regionaldirektor Nord bei der Trainingsmethode „Coerver Coaching“ – und kam so als Techniktrainer in Verbindung mit dem VfB, wo er eine rasanten Aufstieg nahm. Bis hin zum Sportdirektor.

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Landerl und Leeser sportlich und sprachlich auf einer Wellenlänge

Die Arbeit hat er längst aufgenommen. Mit Trainer Rolf Landerl tauscht er sich schon immer regelmäßig aus („Ich bin ein Brückenbauer“) – wenn beide wollen, können sie sich sogar fließend holländisch unterhalten, denn Landerl hat acht Jahre in den Niederlanden Fußball gespielt. Und auch ihre Auffassung vom Spiel ist sehr ähnlich. Leeser: „Wir wollen immer aktiv, offensiv, dominant und attraktiv spielen und nicht mauern.“ Seine Spielphilosophie hat er zusammen mit einem Verhaltenskodex aufgeschrieben und den VfB-Jugendteams verordnet.

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Ahmet Arslan: 16 Tore, 3 Vorlagen. ©

Sein Platz bei den Spielen könnte zunächst auf der Bank sein, „um die Dynamik dort zu erleben“. Später will er „die Perspektive ändern“. „Aus der Distanz sieht man manchmal mehr.“ Und dann setzt Leeser gleich mal ein Ausrufezeichen. „Wir werden den Kader im Winter gezielt verstärken – dabei schauen wir auch nach Holland“, sagt er. Und. „Ich schließe nicht aus, dass uns im Winter auch jemand verlassen könnte . . .“ Denn sein Ziel ist das des VfB: „Wir wollen im Mai in die 3. Liga aufsteigen!“