12. August 2019 / 19:36 Uhr

VfB Lübeck: „Wir sind auf dem absolut richtigen Weg“

VfB Lübeck: „Wir sind auf dem absolut richtigen Weg“

Volker A. Giering
Lübecker Nachrichten
Pauli-Torhüter Robin Himmelmann pariert den letzten Elfmeter von Miguel Fernandes.
Pauli-Torhüter Robin Himmelmann pariert den letzten Elfmeter von Miguel Fernandes. © Agentur 54 Grad
Anzeige

Vom Pokalspiel gegen den FC St. Pauli wird man noch lange in Lübeck sprechen. Das war beste Werbung für den Fußball, so bitter er auch sein kann. Vorstand Thomas Schikorra: „Im Vergleich zur Pokalpleite vor drei Jahren gegen St. Pauli waren das Welten.“

Anzeige
Anzeige

So bitter kann Fußball sein. Die Spieler des VfB Lübeck hatten Tränen in den Augen nach dem 6:7 nach Elfmeterschießen (1:0, 2:2, 3:3) im DFB-Pokal gegen Zweitligist FC St. Pauli. Dabei war der Regionalligist 60 Minuten lang die bessere Mannschaft, führte verdient mit 2:0 und kam selbst nach dem 2:3 überragend zurück. Am Ende standen die großartig kämpfenden Grün-Weißen aber mit leeren Händen da. Pechvogel war ausgerechnet der Ex-St. Paulianer Miguel Fernandes, der den entscheidenden Elfmeter verschoss.

Fernandes: „Ich war mir so sicher und bin sehr enttäuscht“

Während Sobota, Lankfort, Buchtmann und Knoll für den Favoriten trafen, setzte Arslan als erster Lübecker Schütze den Ball über das Tor. Doch Raeder parierte danach gegen Hoffmann und Halke und Matovina glichen zum 3:3 aus. Nach dem 3:4 durch Knoll trat Fernandes gegen seinen Ex-Klub an. Bis zum Sommer spielte er dort in der U23-Elf und hatte im Vorwege auf einen Sieg der Grün-Weißen gesetzt. „Er wollte den letzten Elfer nehmen, da stehe ich ihm nicht im Wege“, sagte Landerl später. Doch Paulis Robin Himmelmann parierte und rettete die Hamburger in die zweite Runde. „Ich war mir so sicher und bin sehr enttäuscht über das Ausscheiden“, sagte der Pechvogel zu den LN. „Es ist einfach nur schade für die Mannschaft, weil wir es zu 100 Prozent verdient hätten. Ich bin stolz auf die Mannschaft, was wir heute geleistet haben. Aber Kopf hoch, wir haben ein klares Ziel vor Augen.“

VfB Lübeck - FC St. Pauli: Die besten Bilder

Die Spieler des VfB Lübeck stehen nach der Niederlage vor dem eigenen Fanblock in der Pappelkurve. Zur Galerie
Die Spieler des VfB Lübeck stehen nach der Niederlage vor dem eigenen Fanblock in der Pappelkurve. ©
Anzeige

Paulis Präsident Öke Göttlich gratuliert VfB für "Riesenfight"

Die Erleichterung war dem Favoriten anzusehen. So gratulierte Paulis Präsident Öke Göttlich dem Lübecker Vorstandssprecher Thomas Schikorra zu einem "Riesenfight". Es war eine begeisternde Kulisse im mit 11 000 Zuschauer ausverkauften Lohmühlen-Stadion. Die Lübecker waren sofort auf Betriebstemperatur. Ein Klassenunterschied war über die gesamten 90 Minuten nicht zu erkennen. Kapitän Daniel Halke & Co. waren spielerisch auf Augenhöhe. Im Tor hatte sich Trainer Rolf Landerl für eine überraschende Personalie entschieden, die sich in der Trainingswoche schon angedeutet hatte. Statt Landespokalheld Benjamin Gommert stand Neuzugang Lukas Raeder im Tor. „Diese Entscheidung ist im Laufe der Woche gereift. Lukas hat sich den Einsatz aufgrund von sehr starken Trainingsleistungen verdient“, begründete der Österreicher. „Zudem wussten wir um die gefährlichen Standards des Gegners. Da wollten wir eine gewisse Präsenz in der Luft haben. Ich bin sehr zufrieden mit seiner Leistung.“

Raeder hätte zum Helden werden können

Der 1,93 m große Raeder machte seine Sache gut. Bei den Gegentoren war er machtlos. Lediglich in der ersten Halbzeit griff er nach einer Ecke vorbei (23.). Im anschließenden Elfmeterschießen hätte der 25-Jährige zum Helden werden können. Einen Ball parierte er, ein anderer rutschte ihm nur knapp unter der Hand durch. Ob Raeder, der nach dem Spiel zum „Spieler des Matchs“ gekürt wurde, selbst überrascht gewesen sei, wollte er nicht sagen. „Ich bereite mich immer so vor, als ob ich spiele“, meinte er. Auch die Nominierung von Ryan Malone für Sven Mende im defensiven Mittelfeld ging auf. Das Geburtstagskind (wurde 27 Jahre alt) stopfte viele Löcher und machte das Zentrum dicht. Bei jedem gewonnenen Zweikampf puschte er sich und seine Mitspieler. Die Lübecker gaben keinen Zentimeter verloren und wurde früh durch das Führungstor von Yannick Deichmann (9.) belohnt. Nach einer Hereingabe des überragenden Ahmet Arslan stand der frühere St. Paulianer goldrichtig. Paulis Kapitän Daniel Buballa fälschte den Ball ab. Marvin Thiel hatte den Ball zuvor zu Arslan durchgesteckt.

VfB Lübeck: Einzelkritik zum Pokalfight gegen den FC St. Pauli

Lukas Raeder: Bekam nicht einen gefährlichen Ball auf seinen Kasten. In der zweiten Halbzeit wurde ihm so langweilig, dass er sogar den Assist zum 6:0 beisteuerte. Deichmann verwertete seinen langen Ball.  Zur Galerie
Lukas Raeder: Bekam nicht einen gefährlichen Ball auf seinen Kasten. In der zweiten Halbzeit wurde ihm so langweilig, dass er sogar den Assist zum 6:0 beisteuerte. Deichmann verwertete seinen langen Ball.  ©

Die Stimmung war frenetisch

Schon nach 22 Minuten schickte ein geschockter Gästetrainer Jos Luhukay seine Reservespieler zum Aufwärmen. Diese mussten vor dem Gästeblock mitansehen, wie Deichmann fast das 2:0 erzielt hätte. Nach einer Rechtsflanke von Dennis Hoins flog sein Kopfball nur haarscharf am linken Pfosten vorbei. Die Stimmung war frenetisch. Die Lübecker Fans feuerten ihr Team immer wieder lautstark an, das fast jeden Zweikampf gewann. Die Gäste waren vorne erschreckend schwach. Einzig Mats Möller Dahli prüfte Raeder mit einem Freistoß (27.). Als Marvin Thiel in der 55. Minute erhöhte, träumten viele schon von der Überraschung. Sein Schuss aus 17 Metern nach Vorarbeit von Arslan wurde von Paulis Verteidiger Marc Hornschuh unglücklich ins eigene Tor abgefälscht. Die Lohmühle stand jetzt völlig Kopf. Doch der Favorit stemmte sich irgendwie gegen die drohende Pokalpleite und konnte innerhalb von nur drei Minuten durch Waldemar Sobota (63.) und Dimitrios Diamantakos (66.) ausgleichen. Es war ein dramatischer Pokalfight.

Mehr anzeigen

Es hätte Elfer geben müssen

In der 85. Minute hätte es Strafstoß für die Hausherren geben müssten. Ryo Miyaichi kam zu spät gegen den eingewechselten Sven Mende, was die TV-Bilder bestätigt haben. Als Florian Riedel (86.) die Gelbe Karte wegen einer angeblichen Schwalbe bekam, gab es laute Pfiffe von den Rängen mit den Worten „Schieber, Schieber“ in Richtung des Unparteiischen Frank Willenborg. Es ging in die Verlängerung. Nach 94 Minuten stellte Paulis Abwehrhüne Marvin Knoll das Spiel mit seinem Kopfball nach einer Ecke auf den Kopf. Danach hatten die Grün-Weißen Glück, dass Stürmer Diamantakos den rechten Pfosten traf (113.). Im Gegenzug stürmte Arslan nach Vorlage vom eingewechselten Fernandes auf das Pauli-Tor zu und behielt die Nerven. Eiskalt schob er den Ball flach rechts unten zum verdienten 3:3 (115.) ein. Arslan sprang auf den Zaun und im Lübecker Block wurde bengalisches Feuer entzündet. Die Rote Karte für Diamantakos (119.) blieb eher eine Randnotiz, da Willenborg die Partie um 17.59 Uhr abpfiff.

Mehr zum VfB Lübeck

Vorstand Thomas Schikorra stolz auf Spieler und Fans

Viele der Zuschauer dürften wieder kommen. „Ich bin total stolz, was heute auf dem Feld, aber auch auf den Rängen passiert ist“, bilanzierte Schikorra trotz der großen Enttäuschung. „Wir haben einen tollen Pokalfight geliefert. Elfmeterschießen ist immer Glückssache. Was genauso wichtig war, dass es auf den Rängen und bei den Fanmärschen friedlich geblieben ist.“ Und Schikorra wagte einen Blick in die Zukunft: „Wenn wir so zusammenstehen und die Mannschaft so spielt wie heute, erreichen wir unsere Ziele.“ Im Sommer 2020 strebt der Klub den Aufstieg in die dritte Liga an.

Schon Mittwoch geht's zum kleinen HSV

Viel Zeit zum Trübsal blasen bleibt der Landerl-Elf nicht. Denn schon am Mittwoch geht’s für die Lübecker zum Landesderby beim Aufsteiger Heider SV (18.30 Uhr). „Wir sind auf dem absolut richtigen Weg. Im Vergleich zur Pokalpleite vor drei Jahren gegen St. Pauli (0:3, die Red.) waren das heute Welten“, betonte Schikorra, „wir haben einen großen Fight gezeigt und sind der unglückliche Verlierer.“ Von diesem Pokalspiel wird man noch lange in Lübeck sprechen. Das war beste Werbung für den Fußball, so bitter er auch ist.

Mitmachen: #GABFAF-Adventskalender

Bundesliga-Tickets, Fußballschuhe, signierte Trikots und vieles mehr: Trage Dich hier ein und gewinne einen der 24 Preise. (mehr Infos)




Klicke hier Weiter und dann auf der nächsten Seite Absenden - und Du hast die Chance auf jeden der 24 Preise.

ANZEIGE: 50% auf alle JAKO Artikel! Der Deal des Monats im SPORTBUZZER-Shop.

Die aktuellen TOP-THEMEN