21. April 2020 / 14:37 Uhr

Der VfB Lübeck darf wieder auf den Platz: "Was hat das mit einem fairen Wettkampf zu tun?"

Der VfB Lübeck darf wieder auf den Platz: "Was hat das mit einem fairen Wettkampf zu tun?"

Christoph Hage
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Dass der VfB Lübeck als erster und bislang einziger Verein in der Regionalliga Nord wieder das Training aufnehmen darf, hinterlässt Fragezeichen.
Dass der VfB Lübeck als erster und bislang einziger Verein in der Regionalliga Nord wieder das Training aufnehmen darf, hinterlässt Fragezeichen. © imago images/Nordphoto/Hanke/Petrow/Kinsey
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Dank einer Ausnahmegenehmigung vom Gesundheitsamt darf der VfB Lübeck das Mannschaftstraining wieder aufnehmen - während sich die Spieler der anderen Teams der Regionalliga Nord individuell fithalten müssen. Die Konkurrenz auch aus der Region sieht's, wenig verwunderlich, kritisch.

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Es ist schon eine komisch anmutende Situation. Niemand weiß, wie und wann es für die Fußballer in der Regionalliga Nord weitergehen wird. Und doch befürchten einige Mannschaften einen Wettbewerbsnachteil, weil der VfB Lübeck Ende dieser Woche wieder ins Mannschaftstraining einsteigen wird. Als erster Regionalligist im Norden.

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Landerl & Co. dürfen wieder auf den Platz

Der Tabellenführer aus Lübeck hat jüngst eine Ausnahmegenehmigung vom Gesundheitsamt der Hansestadt bekommen, nachdem er zuvor ein Konzept zur Umsetzung der derzeit geltenden Hygieneregeln vorgestellt hatte. Trainer Rolf Landerl darf mit seinen Jungs wieder auf den Platz, wie bei den Bundesligisten soll in Kleingruppen trainiert werden.

„Die Genehmigungen, wie und in welcher Form wieder ein Mannschaftstraining möglich ist, liegt bei den Ländern und Kommunen. Da haben wir als Verband leider keinen Einfluss“, sagt Jana Miglitsch, Referentin für Kommunikation und Spielbetrieb beim Norddeutschen Fußball-Verband (NFV).

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Die Lübecker Konkurrenz scheint noch in der Luft zu hängen. „Wir dürfen nicht auf den Platz, die Anlage ist von der Stadt gesperrt“, sagt Martin Polomka, Trainer von Schlusslicht HSC Hannover. „Uns könnte es ja egal sein, dass Lübeck wieder trainiert, weil wir schon zweimal gegen den VfB gespielt haben. Aber was hat das noch mit einem fairen Wettkampf zu tun?“

Das 1:2 am 7. März auf der Lohmühle war das letzte Pflichtspiel vor der aktuell bis auf Weiteres unterbrochenen Saison. „Das war das geilste Spiel meiner Karriere“, sagt Polomka. „Der VfB ist ein geiler Verein mit tollen Zuschauern. Dass ich einen Wettbewerbsnachteil befürchte, hat nichts damit zu tun, dass ich ihnen nicht den Aufstieg wünschen würde.“

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Wie beim HSC halten sich auch die Akteure des Tabellenzehnten TSV Havelse seit sechs Wochen individuell fit. „Auf der einen Seite“, sagt Trainer Jan Zimmermann, „hat Lübeck jetzt eine Ausnahmegenehmigung bekommen, sind professionell aufgestellt. Auf der anderen Seite spielen sie mit uns in einer Liga, und wir sind keine Profis. Das ist schon ein Wettbewerbsvorteil.“

"Wollen aber auch keine Sonderrolle"

Sinn würde ein Training, selbst in kleinen Gruppen, auf jeden Fall ergeben. „Wir haben vier Plätze, acht Kabinen, wir haben alle Möglichkeiten, wollen aber auch keine Sonderrolle.“

Auch für die U23 von Hannover 96 hat sich noch nichts an der derzeitigen Situation geändert, berichtet ihr Trainer Christoph Dabrowski. „Ich denke, dass unsere Jungs sehr professionell begleitet werden und dass wir da anders aufgestellt sind als kleine Vereine.“ Von der Politik seien jedoch alle Vereine abhängig. „Man ist lange Zeit raus gewesen und weiß immer noch nicht, wie es weitergeht“, gibt Dabrowski zu Bedenken.

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Laut einer am Montag veröffentlichen Pressemitteilung des NFV befassen sich Jürgen Stebani (Spielausschuss) und Reenald Koch (Regionalliga-Ausschuss), „auf Grundlage der Verfügungen der Behörden Szenarien, die den weiteren Ablauf der Spielzeit zum Inhalt haben“. Diese sollen dann den 18 Vereinen zur Verfügung gestellt werden. In einer gemeinsamen Videokonferenz soll schließlich anhand des abgefragten Meinungsbildes möglichst bis zum Ende des Monats ein Konsens gefunden werden.

„Der Dialog mit den Vereinen bildet die Basis für die finale Diskussion und Beschlussfassung“, sagt NFV-Präsident Günter Distelrath. Abweichend dazu könne die Weiterführung des Spielbetriebs in den Regionalligen der A-, B- und C-Junioren und der Frauen-Regionalliga gehandhabt werden.