23. Mai 2019 / 09:18 Uhr

Nach schwerem Unfall mit dem Teambus: Eine Liga hält zusammen

Nach schwerem Unfall mit dem Teambus: Eine Liga hält zusammen

Christian Meyer
Peiner Allgemeine Zeitung
Für Lennert und Ismail weiterhin alles Gute: Die C-Junioren des VfB Peine grüßen ihre verletzten Teamkollegen. Der Mannschaftsbus wurde bei dem Unfall völlig zerstört (kleines Bild).
"Für Lennert und Ismail weiterhin alles Gute": Die C-Junioren des VfB Peine grüßen ihre verletzten Teamkollegen. Der Mannschaftsbus wurde bei dem Unfall völlig zerstört (kleines Bild).
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Das Unglück der C-Junioren des VfB Peine schockte die Fußballwelt – und die anschließende Welle der Unterstützung rührt umso mehr. Die Landesliga-Konkurrenten schenken dem VfB den Titel, auch Werder Bremen und der FC Bayern meldeten sich. #GABFAF organisiert ebenfalls Unterstützung.

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Update

Dieser Artikel ist Teil der Amateurfußball-Initiative #GABFAF. Weitere Informationen dazu auf gabfaf.de.

Es sind Szenen gewesen, die nicht nur Autofahrer erschaudern lassen, als am 11. Mai auf der Autobahn 7 bei Rhüden ein Kleinbus bei voller Fahrt plötzlich von der Fahrbahn abkommt und gegen die Mittelschutzwand kracht. Von dort schleudert der Wagen über drei Spuren in die Böschung und überschlägt sich – voll besetzt mit 14- und 15-jährigen Fußballern des VfB Peine. Drei Jugendfußballer sowie der Fahrer wurden schwer, vier weitere Jugendliche leicht verletzt. Eltern und Mitspieler bangten um das Leben eines Fußballers, der mit einer gerissenen Milz und inneren Verletzungen mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen werden musste.

"Heilung ist ein Marathonlauf"

Wenig später gab es Entwarnung. „Keiner ist mehr in Lebensgefahr. Nachdem ich das Bild vom zerstörten Mannschaftsbus gesehen habe, muss ich sagen: Die Jungs haben extrem viel Glück im Unglück gehabt“, sagte der VfB-Vorsitzende Peter Konrad am Tag nach dem Unfall. Inzwischen geht es den verletzten Spielern besser. Aber: „Für beide ist der Heilungsprozess eher ein Marathonlauf als ein 100-Meter-Sprint. Es wird noch lange dauern, bis sie wieder gegen den Ball treten können“, sagt Trainer Christoph Hasselbach.

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"Wir hätten den Titel lieber selbst erarbeitet"

All das passierte nach einer bis zum Unfall herausragenden Saison der C-Junioren-Landesliga-Spieler des VfB Peine. Kurz vor dem Unfall feierten die Jugendlichen einen 12:0-Kantersieg bei der JSG Sparta Göttingen und verteidigten ihre Tabellenführung. Der Traum von der Teilnahme an den Aufstiegsspielen zur Regionalliga wurde immer realer – dann begann ein Albtraum für den gesamten Verein. Bis ausgerechnet der Trainer und Jugendkoordinator des schärfsten VfB-Verfolgers BSC Acosta Braunschweig eine bemerkenswerte Fair-Play-Aktion anschob. Frank Mengersen schrieb eine E-Mail an den Jugendausschuss und die Vereine, die noch gegen den VfB hätten spielen sollen, und bat darum, nicht gegen Peine anzutreten, eine Wertung zu kassieren und dem Spitzenreiter mit seinen verletzten Spielern so den Titel zu ermöglichen. „Wir wollten nichts geschenkt haben, wir hätten uns den Titel lieber selbst bis zum Ende mit gesunden Spielern erarbeitet. Denn es ist etwas anderes, wenn man am letzten Spieltag wie der FC Bayern freudestrahlend nach einem tollen Spiel die Meisterschale überreicht bekommt“, sagte Hasselbach.

Trotzdem: Die Gegner Lupo Martini Wolfsburg, MTV Gifhorn, MTV Wolfenbüttel und Eintracht Braunschweig II willigten sofort ein, auch der Jugendausschuss spielte mit. „Gewinner ist für mich unsere ganze Landesliga-Staffel“, sagte Hasselbach.

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SV Werder und #GABFAF helfen

Die Anteilnahme an dem Unglück der VfB-Jugendlichen war groß. Der SV Werder Bremen lud die Mannschaft zu einem Spiel in der kommenden Saison ein. Der deutsche Meister FC Bayern schickte einen Brief nach Peine. Auch #GABFAF sagte schnell Unterstützung zu und schenkte dem VfB Peine sowie den Vereinen, die an der bemerkenswerten Fair-Play-Aktion beteiligt waren, in Zusammenarbeit mit dem Sportbekleidungsverkäufer Teamsport Friedrichsort, neue Aufwärmshirts.

Team will um Regionalliga spielen

Und der Traum von der Regionalliga lebt weiter. Am 22. und 23. Juni geht es in einem Turnier im niedersächsischen Barsinghausen um den Aufstieg – vermutlich zunächst gegen die C-Junioren des VfL Osnabrück. Und trotz des schweren Unfalls – oder gerade deswegen – stand für die Spieler nie zur Debatte, nicht zum Saisonhöhepunkt anzutreten. „Trainer, dafür haben wir doch auch gearbeitet“, sagten die Spieler, erzählt Hasselbach: „Die Jungs hatten einen Traum, die Teilnahme an dieser Relegation, denn so eine Chance gibt es im Fußballerleben nicht so oft.“

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Dem Verein fehlt ein Bus

Ein Problem bleibt: Der Mannschaftsbus hat einen Totalschaden. Fast alle der zwölf VfB-Junioren-Mannschaften spielen auf Bezirksebene und haben längere Fahrten vor sich. Deshalb entschied sich der Verein erst im März dazu, einen zweiten Mannschaftsbus zu kaufen. „Wir haben lange überlegt, denn das war ein finanzieller Kraftakt, den wir ohne Sponsoren nicht hätten leisten können“, sagt der VfB-Vorsitzende Peter Konrad. Rund 30 000 Euro habe der Verein für einen Jahreswagenbus ausgegeben – und steht nun doch wieder mit nur einem Bus da, weil die Versicherung nur den Zeitwert des Busses zahlen wird. „Davon können wir uns definitiv keinen anderen Bus leisten“, sagt Konrad.

Das #GABFAF-Manifest

Das Grundgesetz der Initiative: Im Manifest könnt Ihr nachlesen, wofür #GABFAF sich einsetzt. Direkt hier in der Galerie! Zur Galerie
Das "Grundgesetz" der Initiative: Im Manifest könnt Ihr nachlesen, wofür #GABFAF sich einsetzt. Direkt hier in der Galerie! © #GABFAF
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