06. Dezember 2022 / 11:17 Uhr

Bruno Labbadia im Statistik-Check: Neuer Stuttgart-Trainer mit Feuerwehrmann-Qualitäten

Bruno Labbadia im Statistik-Check: Neuer Stuttgart-Trainer mit Feuerwehrmann-Qualitäten

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Bruno Labbadia ist wie 2010 (r.) erneut Trainer des VfB Stuttgart. Seine Bundesliga-Karriere begann 2008 bei Bayer 04 Leverkusen (Mitte).
Bruno Labbadia ist wie 2010 (r.) erneut Trainer des VfB Stuttgart. Seine Bundesliga-Karriere begann 2008 bei Bayer 04 Leverkusen (Mitte). © IMAGO/Eibner/regios24/photoarenaEisenhuth/Avanti (Montage)
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Mit Bruno Labbadia kehrt ein alter Bekannter in die Bundesliga zurück. Der 56-Jährige übernimmt nach 2010 erneut den Trainerposten beim VfB Stuttgart. Passend dazu blickt der SPORTBUZZER auf die bisherigen Bundesliga-Stationen und zeigt seine Statistiken und Erfolge als Erstliga-Coach.

Knapp eineinhalb Jahre nach seinem Aus bei Hertha BSC ist Bruno Labbadia wieder Trainer im deutschen Oberhaus – und das bei dem Verein, für den er in der Bundesliga bisher die längste Zeit tätig war (987 Tage), dem VfB Stuttgart. In der Saison 2011/12 führte er den VfB in die Europa League, Ähnliches werden sich die Verantwortlichen um Vorstandschef Alexander Wehrle für die Zukunft wünschen. Doch erst mal steht die Mission Klassenerhalt auf dem Programm – und die Vergangenheit zeigt: Bruno Labbadia kann Abstiegskampf. Bereits zweimal hielt er seine Mannschaften über die Relegation in der Liga. Der SPORTBUZZER, das Sportportal des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND), blickt auf die bisherige Bundesliga-Bilanz Labbadias.

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Bayer 04 Leverkusen (1. Juli 2008 – 30. Juni 2009)

Bilanz: 40 Spiele, 19 Siege, sieben Unentschieden, 14 Niederlagen, Punkteschnitt: 1,60

Direkt bei seiner ersten Trainer-Station in der Bundesliga legte Labbadia eine starke Hinrunde hin. Zwar startete Bayer Leverkusen mit einer Niederlage gegen Borussia Dortmund (2:3) in die Saison, verlor in den folgenden 16 Partien jedoch nur noch viermal. Mit zehn Siegen und zwei Unentschieden belegte Bayer nach der Hinrunde den fünften Tabellenplatz und war auf Champions-League-Kurs. Die Verpflichtung des 42-Jährigen, der zuvor Greuther Fürth in der 2. Bundesliga trainiert hatte, schien sich auszuzahlen.

Die starke Formkurve konnte in der Rückrunde allerdings nicht gehalten werden – es folgten insgesamt neun weitere Niederlagen. In der Abschlusstabelle kam Labbadia mit der Werkself nicht über einen enttäuschenden neunten Rang hinaus. Zwar überzeugte Leverkusen im DFB-Pokal – warf dabei sogar den FC Bayern München aus dem Wettbewerb – verlor das Finale aber mit 0:1 gegen Werder Bremen. Angesichts der ordentlichen Debüt-Saison in der Bundesliga wurde der Hamburger SV auf Labbadia aufmerksam, der ihn für rund 1,3 Millionen Euro aus seinem Vertrag freikaufte.

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Hamburger SV (1. Juli 2009 – 26. April 2010)

Bilanz: 51 Spiele, 23 Siege, 14 Unentschieden, 14 Niederlagen, Punkteschnitt: 1,63

Bei den Hanseaten durfte Labbadia dann erstmals im Europacup coachen, da er es mit dem HSV durch die Europa-League-Qualifikation schaffte. Dort schlugen sich die Hanseaten sogar so gut, dass sie es bis ins Halbfinale schafften. Doch Labbadia durfte kurioserweise nur das Hinspiel gegen den FC Fulham (0:0) betreuen. Weil es danach in der Liga eine 1:5-Pleite gegen die TSG Hoffenheim setzte, musste Labbadia seine Koffer packen und wurde erstmals in seiner Trainerkarriere entlassen. Schon länger gab es Gerüchte, einige Führungsspieler würden nicht mehr hinter ihrem Trainer stehen. Zu dem Zeitpunkt belegte der HSV in der Liga Rang sieben. Unter seinem Nachfolger Ricardo Moniz blieb die Wende aus, die Ligaplatzierung hatte zum Saisonende bestand und auch das Halbfinal-Rückspiel verloren die Hamburger mit 1:2.

VfB Stuttgart (13. Dezember 2010 – 26. August 2013)

Bilanz: 119 Spiele. 50 Siege, 24 Unentschieden, 45 Niederlagen, Punkteschnitt: 1,46

Es dauerte nur knapp ein halbes Jahr, bis Labbadia in der Bundesliga wieder auf eine Trainerbank zurückkehrte. Beim VfB Stuttgart übernahm er kurz vor der Winterpause von Jens Keller, der mit seinem Team im Abstiegskampf steckte. Labbadia führte sie letztlich auf Rang zwölf und sicherte somit den Klassenerhalt – für die Verantwortlichen Grund genug, an dem Ex-Bundesliga-Torjäger festzuhalten. Und Labbadia zahlte das Vertrauen zurück: Die Folgesaison beendete der VfB auf Platz sechs und qualifizierte sich für die Europa League. Dort scheiterten die Stuttgarter im Achtelfinale an Lazio Rom (1:3), in der Bundesliga musste man sich mit dem zwölften Platz begnügen – aber im Pokal setzte Labbadia mit seinem Team wieder ein Highlight und zog erneut ins Finale ein. Wie schon 2009 ging sein Team jedoch als Verlierer vom Platz. Vier Niederlagen zu Beginn der neuen Saison waren den Verantwortlichen um Sportvorstand Fredi Bobic letztlich zu viel, Labbadia wurde nach über zweieinhalb Jahren entlassen.

Hamburger SV (15. April 2015 – 25. September 2016)

Bilanz: 49 Spiele, 16 Siege, elf Unentschieden, 22 Niederlagen, Punkteschnitt 1,20

Nach fast zwei Jahren Pause kehrte Labbadia erstmals an eine alte Wirkungsstätte zurück – zum Hamburger SV, der tief in der Krise steckte. Labbadia sollte den Bundesliga-"Dino" vor seinem ersten Abstieg der Vereinsgeschichte retten – was (allerdings äußerst knapp) gelang. Hamburg rettete sich unter dem neuen alten Coach vom Tabellenende in die Relegation, wo man sich gegen Labbadias Ex-Verein als Spieler, dem Karlsruher SC, behauptete. In der Folgesaison stabilisierte Labbadia den Bundesliga-Dino und fuhr auf Platz zehn ins Ziel ein – so schien es. Doch nach einem kapitalen Fehlstart in der folgenden Saison (einen Punkt aus fünf Spielen) war für Labbadia beim HSV wieder mal zu Saisonbeginn Schluss.


VfL Wolfsburg (20. Februar 2018 – 30. Juni 2019)

Bilanz: 50 Spiele, 22 Siege, zehn Unentschieden, 18 Niederlagen, Punkteschnitt: 1,52

Wieder dauerte es lange, knapp eineinhalb Jahre, bis Labbadia in den Trainerjob zurückkehrte – und wieder kam er als Feuerwehrmann, diesmal zum VfL Wolfsburg. Er übernahm die "Wölfe" von Martin Schmidt auf Platz 14 und beendete die Saison wieder einmal auf dem Relegationsplatz. Diesmal setzte sich sein Team gegen Holstein Kiel klar durch. In seiner ersten vollen Saison als Coach des VfL brachte er die Wolfsburger zurück in die Erfolgsspur, führte sie auf Platz sechs sogar in die Europa-League-Qualifikation – und doch war nach Saisonende Schluss, Labbadia verlängerte seinen Vertrag bei den "Wölfen" nicht. "Eine weitere Zusammenarbeit wäre für den VfL nur zielführend und sinnvoll, wenn ein konsequenter fachlicher Austausch zwischen den sportlichen Verantwortlichen über die gesamte Saison gegeben wäre", begründete er seine Entscheidung anschließend. Medien spekulierten über Spannungen zwischen Labbadia und Geschäftsführer Jörg Schmadtke.

Hertha BSC (9. April 2020 – 24. Januar 2021)

Bilanz: 28 Spiele, acht Siege, sechs Unentschieden, 14 Niederlagen, Punkteschnitt: 1,07

Durch den Einstieg von Investor Lars Windhorst bei Hertha BSC hatte die "Alte Dame" plötzlich viel Geld zur Verfügung. Die Berliner wollten zurück zu alter Stärke finden – und keine Experimente mehr wagen. Nach dem Klinsmann-Desaster, das allen Beteiligten viel Ansehen kostete, fiel die Wahl auf Labbadia, der sich mit seinem letzten Engagement bei Wolfsburg zurück auf die Bildfläche gebracht hatte. Es sollte allerdings keine Erfolgsgeschichte werden: Die Saison 2019/20 beendete Labbadia mit der Hertha auf Platz zehn – und kam auch in der darauffolgenden Spielzeit förmlich unter die Räder: Nach nur vier Siegen aus 18 Spielen wurde der Coach entlassen. Labbadia hat bei Stuttgart nun die Chance, seinen Ruf wieder aufzupolieren.

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