30. Dezember 2020 / 17:50 Uhr

VfB Stuttgart: Hitzlsperger bestätigt Kandidatur für Präsidentenamt – und kritisiert Amtsinhaber Vogt scharf

VfB Stuttgart: Hitzlsperger bestätigt Kandidatur für Präsidentenamt – und kritisiert Amtsinhaber Vogt scharf

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Thomas Hitzlsperger (links) wird für das Präsidentenamt beim VfB Stuttgart kandidieren.
Thomas Hitzlsperger (links) wird für das Präsidentenamt beim VfB Stuttgart kandidieren. © Getty Images/imago images/Montage
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Im Machtkampf beim VfB Stuttgart ist endgültig die nächste Eskalationsstufe erreicht worden. Der Vorstandsvorsitzende Thomas Hitzlsperger bestätigte am Mittwochabend seine Kandidatur für das Präsidentenamt beim VfB in einem offenen Brief und griff dabei den aktuellen Amtsinhaber Claus Vogt scharf an.

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Jetzt ist es offiziell: Thomas Hitzlsperger kandidiert für das Präsidentenamt des VfB Stuttgart. Wie der Vorstandsvorsitzende des Bundesliga-Aufsteigers in einem offenen Brief auf seiner Website ankündigte, will der ehemalige deutsche Nationalspieler damit den aktuellen Amtsinhaber Claus Vogt ablösen. Zuvor hatten der SWR und der Kicker über den drohenden Machtkampf beim VfB berichtet. In seinem vier Seiten langen Statement, das Hitzlsperger am Mittwochabend veröffentlichte, kritisierte der Stuttgart-Boss Vogt scharf und warf ihm vor, dafür verantwortlich zu sein, dass ein "Riss" durch den VfB gehe. "Dieser Riss gefährdet alles, worauf wir zu Recht stolz sind", so Hitzlsperger.

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Und dieser Riss würde "zwischen unserem Präsidenten und Aufsichtsratsvorsitzenden Claus Vogt auf der einen Seite und dem gesamten Vorstand der AG und zahlreichen Gremienmitgliedern aus Präsidium, Aufsichtsrat und Vereinsbeirat sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf der anderen Seite" verlaufen, so der Ex-Profi. Laut Hitzlsperger bedrohe der "Profilierungswunsch eines Einzelnen (…) die Existenz des gesamten Vereins". So sei "zu keiner Zeit eine Strategie oder Vorgehensweise erkennbar, wie wir gemeinsam den VfB voranbringen wollen", kritisierte der Bewerber für das Präsidentenamt. Vogt verliere "sich in Details, er führt nicht, er informiert zu wenig, er fällt selten Entscheidungen, er pflegt keinen offenen Austausch und keinerlei Streitkultur". Durch das Aufreiben in "internen Kämpfen" verliere der VfB seine eigentlichen Aufgaben aus den Augen, so Hitzlsperger weiter.

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Vogt sei bei seiner Wahl im Dezember 2019 "mit Zielen und Vorstellungen angetreten, die uns allen wichtig sind", schrieb "The Hammer" (so sein Spitzname in England) unter anderem. "Ein Jahr später ist so gut wie nichts davon umgesetzt." Der 51-Jährige präsentiere sich als "Fan-nah", komme intern aber seinen Informationspflichten nicht nach. "Und sensible Interna landen allzu oft bei Dritten außerhalb des VfB."

Hitzlsperger: Präsidentschafts-Kandidatur soll "Ausweg" aus der aktuellen VfB-Lage sein

Der VfB Stuttgart sei "auf dem Weg, kaputt zu machen, was wir in den letzten zwölf Monaten erreicht haben! Meine Kandidatur soll ein Ausweg aus dieser Lage sein", erklärte der Vorstandsvorsitzende seine Präsidentschaftskandidatur. "Dass ich in meiner Position als Vorstandsvorsitzender das Risiko einer Kandidatur gegen Claus Vogt in Kauf nehme und dass dieses Risiko in den Gremien Zustimmung findet, zeigt deutlich genug, wie dramatisch die Situation ist." Hitzlsperger wolle als Präsident gemeinsam mit seinen Kollegen und Kolleginnen "weiter eine Kultur des Miteinanders, der Ehrlichkeit, Integrität und Nachhaltigkeit einfordern und als wesentliche Elemente in der Entwicklung des Clubs festschreiben", kündigte er an. "Es geht um unseren VfB. Bei allem, was ich tue, bin und bleibe ich Mannschaftssportler statt Einzelkämpfer."


Er wisse, "welche Risiken mit meinem Schritt verbunden sind", schrieb Hitzlsperger. "Eine Auseinandersetzung wie diese ist hart und kann dem Image des VfB einen Kratzer zufügen." Aber ein Kratzer sei "besser als ein Totalschaden"

Die Bewerbung Hitzlspergers, der seit Februar 2019 in führender Position im Verein tätig ist, ist brisant, da er der Vorstandsvorsitzende der ausgegliederten Profi-Abteilung des VfB ist. Den zum Präsidentenamt beim VfB zugehörigen Vorsitz des Aufsichtsrats würde er bei einer erfolgreichen Bewerbung allerdings abgeben, kündigte Hitzlsperger an. Mehrere Medien hatten zuletzt von Problemen zwischen Hitzlsperger und Vogt berichtet. Der Vereinsbeirat wählt in den kommenden Tagen zwei Bewerber aus, die sich bei der für den 18. März geplanten Mitgliederversammlung dann zur Wahl stellen dürfen. Neben Amtsinhaber Vogt sollen laut SWR der Remstäler Geschäftsmann Volker Zeh und Friedhild Miller ebenfalls ihre Kandidatur für das Amt eingereicht haben.