31. Juli 2020 / 16:41 Uhr

VfB-Training mit Kipar und Hubschrauer-Einsatz beim Spiel gegen Bayern München

VfB-Training mit Kipar und Hubschrauer-Einsatz beim Spiel gegen Bayern München

Jürgen Hansen
Peiner Allgemeine Zeitung
Fredi Rotermund beim Seitfallzieher im Heimspiel gegen Holstein Kiel.
Fredi Rotermund beim Seitfallzieher im Heimspiel gegen Holstein Kiel. © privat
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Fredi Rotermund kickte beim TSV Eixe, VfB Peine und VfL Wolfsburg. Der gebürtige Rosenthaler stand kurz vor dem Sprung in die 1. Liga, als ihn eine Verletzung stoppte. Gegen Bayern München spielte er dennoch – als Trainer von Friesen Hänigsen im DFB-Pokal.

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Seine ersten Fußball-Schritte machte er beim TSV Eixe, wechselte als Jugendlicher zum VfB Peine, um anschließend in den 70er Jahren beim damaligen Fußball-Regionalligisten VfL Wolfsburg groß herauszukommen. Die Rede ist von Fredi Rotermund, der nach seiner aktiven Karriere auch als Trainer sehr erfolgreich war. Jetzt steht er kurz vor seinem 74. Geburtstag und ist mit sich und der Welt zufrieden. „Ich bin einigermaßen fit, da ist das Leben als Rentner ganz angenehm.“

Lebensmittelpunkt des gebürtigen Rosenthalers, der in Eixe, wo seine Eltern eine Bäckerei hatten, aufwuchs, ist seit mehr als 40 Jahren Gifhorn. Die Kontakte zu seiner früheren Heimat sind bescheiden, beschränken sich auf wenige Personen. „Mein ältester Freund ist der Vöhrumer Werner Siegel, wir sehen uns jedes Jahr ein paar Mal. Ähnlich verhält es sich mit der Verwandtschaft meiner Familie, die in Voigtholz-Ahlemissen wohnt. Außerdem bin ich hin und wieder auf dem Edemisser Golfplatz zu Gast, da treffe ich mich dann immer zu einer Partie mit meinem früheren VfB-Mannschaftskameraden Harald Nensel“, berichtet der passionierte Golfer.

Interesse an VfB und Arminia

Das Fußball-Geschehen im Landkreis Peine ist für ihn ebenfalls kaum mehr als nur eine Randnotiz. „Seit der VfB Peine und Arminia Vöhrum nicht mehr die führenden Mannschaften sind, ist mein Interesse stark gesunken.“ Intensiver verfolgt er dagegen die Geschicke des Bundesligisten VfL Wolfsburg, sitzt als Dauerkarten-Besitzer fast jedes Heimspiel im Stadion. Mehr noch: „Ich gehöre zum Klub 45. Das ist ein Stammtisch, den der VfL für ehemalige Spieler und Trainer eingerichtet hat. Essen, Trinken frei, vor und nach dem Spiel klönen wir. Das macht schon Spaß.“

Rotermund und sein VfL-Stammtisch
Rotermund und sein VfL-Stammtisch ©
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Viel fehlte nicht, und Rotermund hätte selbst in Deutschlands höchster Spielklasse gekickt. „Ende der 60er Jahre machte ich auf Initiative meines VfB-Trainers Willi Kipar ein Probetraining bei Schalke 04. Damals noch in der Glück-Auf-Kampfbahn. Es wurde ein Nachfolger für Mittelfeldspieler Günter Herrmann gesucht, der dann aber doch im Verein blieb. Damit hatte sich die Sache erledigt“, erinnert sich der frühere Industrie-Kaufmann, zu dem seinerzeit auch Bundesligist Karlsruher SC seine Fühler ausgestreckt hatte. Vergeblich: „Denn kurz vor dem Probetraining zog ich mir einen Kreuzbandriss zu.“

Nichtsdestotrotz war er für den VfL Wolfsburg viele Jahre erfolgreich im höherklassigen Fußball aktiv. „Wir gehörten in der Regionalliga immer zur Spitzengruppe.“ 1974 stieg die Mannschaft in die 2. Liga auf, im Jahr darauf aber gleich wieder ab. Keiner seiner Mitspieler sei seinerzeit Vollprofi gewesen, betont Rotermund. „Die meisten von uns arbeiteten im VW-Werk. Feierabend war erst um 16 Uhr. Und der Verein erhielt vom Konzern auch nur ganz wenig Vergünstigungen. Kein Vergleich zu heute.“

Seine schönste Zeit als Fußballer verlebte er nach eigenem Bekunden beim VfB Peine. „Wir gehörten damals zur höchsten Jugendklasse, waren bei einigen internationalen Turnieren dabei. Und schon mit 17 wechselte ich in die erste Herren, spielte als Youngster mit allen Brüdern der Winkler-Dynastie zusammen. Das war herrlich.“

Mit Friesen im DFB-Pokal

Rotermunds aktive Karriere endete 1977, unmittelbar danach trat er bei Friesen Hänigsen sein erstes Traineramt an, führte die Mannschaft nach zwei Aufstiegen in die Verbandsliga. In Niedersachsens zweithöchster Amateurspielklasse war seinerzeit auch die zweite Herren des VfL Wolfsburg zu Hause, die er von 1980 bis 1983 trainierte, ehe sein zweites, dreijähriges Gastspiel bei den Friesen begann. Höhepunkt dabei war 1984 die Begegnung der zweiten Runde des DFB-Pokals gegen Bayern München, die mit einer 0:8-Niederlage für die Friesenmannschaft endete, zu der seinerzeit auch die Peiner Fußballer Jörg Niemuth und Torsten Frank zählten.

Nach dem 0:8 im DFB-Pokal: Friesen-Hänigsen-Coach Fredi Rotermund (links) und Bayern-Trainer Udo Lattek.
Rotermund und Udo Lattek © privat

„Damals waren 16 000 Zuschauer im Hänigser Stadion. Wir hatten keine Chance, die Bayern mit Dieter Hoeneß, Karl-Heinz Rumenigge und Klaus Augenthaler waren unglaublich heiß gegen uns. Denn vor dem Spiel erhielten sie einen richtigen Anpfiff von Trainer Udo Lattek, weil sie in der Woche davor ein schlechtes Bundesliga-Spiel abgeliefert hatten“, erinnert sich der zweifache Familienvater. Der Begegnung selbst habe einige Stunden vor dem Anpfiff wegen eines vorherigen Dauerregens die Absage gedroht. „Doch ein Vorstandsmitglied der Friesen hatte einen guten Draht zur Bundeswehr. Da kreuzte dann auf einmal ein Hubschrauber auf, der flog über den durchgeweichten Sportplatz und trocknete mit seinen Rotoren den Rasen.“

„Hör man lieber auf“

Rothermunds weitere Trainerengagements führten ihn zum TSV Wolfsburg (Landesliga), TuS Essenrode (Bezirksliga) und dem MTV Gifhorn (Oberliga). Seine letzte Station war zur Jahrtausendwende die Bundesliga-A-Jugend von Eintracht Braunschweig. „Mit der Mannschaft bin ich leider abgestiegen, obwohl wir gute Leute wie Tobias Rau oder Alexander Madlung in unseren Reihen hatten, die später Profis wurden. Wir hatten einfach viel Pech.“ Der Abstieg bedeutete für ihn auch das Ende seiner Trainer-Laufbahn. Als Hauptgrund dafür führt der 73-Jährige an, dass er sich seinerzeit vom Kopf her „leer“ fühlte. „Der große Zeitaufwand, die viele Fahrerei. Ich dachte, das bringt mir alles nichts mehr, hör man lieber auf.“

Mit der gewonnenen Freizeit, die 2006 mit Beginn des Rentnerdaseins weiter anwuchs, wusste Rothermund schnell umzugehen. „Ich habe mit Tennis- und Golfspielen angefangen, stehe mehrmals die Woche auf dem Platz. Außerdem gehe ich noch ins Fitnessstudio, fahre viel Rad und unser Freundeskreis ist groß. Da kommt keine Langeweile auf. Und das wichtigste ist, das ich trotz mehrerer Operationen an den Knien und den Leisten immer Glück mit der Gesundheit hatte. Ich habe alles gut weggesteckt, komme daher gut klar.“

Von Jürgen Hansen