02. Februar 2021 / 08:00 Uhr

Bochum-Trainer Thomas Reis über das Pokal-Spiel bei RB Leipzig, den Aufstieg und "Spirit" in Corona-Zeiten

Bochum-Trainer Thomas Reis über das Pokal-Spiel bei RB Leipzig, den Aufstieg und "Spirit" in Corona-Zeiten

Stefan Döring
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Trainer Thomas Reis ist seit September 2019 zurück beim VfL Bochum.
Trainer Thomas Reis ist seit September 2019 zurück beim VfL Bochum. © Getty Images/Montage
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Der VfL Bochum schickt sich an, im Rennen um den Aufstieg in die Fußball-Bundesliga ein gewichtiges Wörtchen mitzureden. Am Mittwoch will die Mannschaft von Thomas Reis im DFB-Pokal-Achtelfinale aber erst einmal ein möglichst unangenehmer Gegner für RB Leipzig sein. 

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SPORTBUZZER: Herr Reis, nach dem Sieg im DFB-Pokal gegen Mainz 05 war die Freude beim VfL Bochum riesig. Wie viel ist davon mit Blick auf die vielen Reisekilometer im Bus und die vermeintliche Übermacht des Achtelfinal-Gegners RB Leipzig noch übrig geblieben?

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Thomas Reis (47): Davon ist noch sehr viel übrig geblieben. Schließlich wollten wir weiterkommen und haben uns dieses zusätzliche Pokalspiel in Leipzig als Bonus verdient und erarbeitet. Dem VfL wird die Zusatzeinnahme auch helfen. Der Spielplan ist nun mal so, wie er ist, da nutzt kein Lamentieren. Natürlich war es bei der Loskonstellation – noch vier Vereine im Topf, drei davon aus NRW – die denkbar ungünstigste Variante, dass wir das weiteste Auswärtsspiel erwischen. Aber auch das gehört seit jeher zum Pokal dazu.

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Wir kennen alle den Spruch: "Der Pokal hat seine eigenen Gesetze." Welche wollen Sie für das Spiel gegen Leipzig am liebsten festlegen?

In Bochum haben wir mal vor einem Pokalspiel gegen die Bayern den Satz "Der Pokal hat unsere eigenen Gesetze" gedruckt. Das fand großen Anklang. Und hätte auch beinahe zu einer Überraschung geführt. Das Spiel in Leipzig geht bei null los. Natürlich sind die Rollen klar verteilt, Leipzig ist der Favorit. Aber wir werden dennoch alles daran setzen, um ihnen das Leben so schwer wie möglich zu machen.

Sie haben als Spieler und Trainer insgesamt mehr Zeit beim VfL verbracht als es RB Leipzig als Verein gibt. Mit welchen Gefühlen schauen Sie auf das Konstrukt in Leipzig?

In Leipzig wird hervorragende Arbeit geleistet. Man hat anderswo beobachten können, dass viel Geld nicht unbedingt zu viel Erfolg führt. In Leipzig folgt man einem klaren Plan und setzt diesen Schritt für Schritt um. Nicht umsonst hat die Mannschaft in der vergangenen Saison im Champions-League-Halbfinale gestanden. In der Kürze der Zeit ein bemerkenswerter Erfolg.

Wie haben Sie den VfL Bochum stabilisiert und ihn zur Zweitliga-Spitzenmannschaft geformt?

Individuelle Qualität war und ist reichlich vorhanden, aber als Ganzes hat man es oft genug nicht auf den Platz bringen können. Zu viele Schwankungen, im Spiel und in den Ergebnissen. Das haben wir Schritt für Schritt in Angriff genommen. Während des ersten Lockdowns hat sich dann ein gemeinsamer Spirit entwickelt, der uns durch die Phase des Restarts und das restliche Kalenderjahr 2020 getragen hat, das wir als punktbestes Team abgeschlossen haben, vor den punktgleichen Darmstädtern und dem HSV. In diesem Jahr wollen wir diesen erfreulichen Trend fortsetzen. Das geht nur mit harter Arbeit. Somit ist die aktuelle Tabellensituation zwar erfreulich, aber auch nicht mehr als eine Momentaufnahme.

Der VfL Bochum spielt seine elfte Saison in Serie in der 2. Liga. Wird es auch die vorerst letzte sein?

Wenn ich das wüsste, würde ich als Wahrsager mein Glück versuchen. Wir werden jedenfalls alles unternehmen, dass wir unsere gute Ausgangsposition verteidigen und gegebenenfalls in der Tabelle noch klettern.

Auffällig sind die vielen späten Treffer und vor allem die Comebackqualitäten Ihrer Mannschaft. Warum gelingt es dem VfL aber nicht, Spiele schon frühzeitig in die richtige Richtung zu drehen?

Weil es die 2. Bundesliga ist. Da kann nicht nur jeder jeden schlagen, da schlägt mittlerweile jeder jeden – wenn man nicht aufpasst oder den Fokus verliert.

Was muss man mitbringen, um in der 2. Bundesliga aufzusteigen – und wie viel davon verkörpert Ihre Mannschaft bereits?

Die Gier auf Erfolg. Die Mentalität, sich gegen Widerstände durchzusetzen. Von Rückschlägen nicht beirren lassen. Das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten. Das Agieren als ein Team. Gutes Positionsspiel und Qualität im Abschluss. Wir haben in allen Bereichen schon nachgewiesen, dass wir all das können, beherzigen oder haben. Aber wir müssen es jede Woche aufs Neue bestätigen. Von alleine wird uns nichts zufallen oder geschenkt werden.