03. Juli 2020 / 17:09 Uhr

Corona-Krise lässt den VfL Eintracht Hannover enger zusammenrücken

Corona-Krise lässt den VfL Eintracht Hannover enger zusammenrücken

Sportredaktion Hannover
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
VfL-Trainerin Svenja Neise (Mitte) zeigt dem Turnnachwuchs der Eintracht wie es geht.
VfL-Trainerin Svenja Neise (Mitte) zeigt dem Turnnachwuchs der Eintracht wie es geht. © Debbie Jayne Kinsey
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VEREINtes Hannover: Die Corona-Pandemie trifft die Sportvereine in Hannover unvorbereitet. Nach und nach wird das Sportverbot zwar gelockert, die Auswirkungen spüren die Klubs aber immer heftiger. In loser Reihenfolge begleitet der SPORTBUZZER Vereine auf dem Weg durch die Krise. Heute: der VfL Eintracht Hannover.

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Durchgeschwitzt kommen sie in ihren Trikots von Juventus Turin, Paris St. Germain oder Borussia Dortmund vom Platz. Vor allem aber sind die Kinder glücklich, als sie nach dem Kicken das Gelände des VfL Eintracht Hannover verlassen. Endlich wieder Fußball auf der Vereinsanlage, endlich wieder auspowern, endlich wieder über Tore jubeln.

Krise machte VfL kreativ

Auch wenn es noch nicht unter Wettkampfbedingungen zur Sache geht. Zuvor hatte die Corona-Pandemie auch einen der größten Vereine der Stadt fest im Griff. „Wir waren geschockt, als es den Shutdown gab“, sagt Präsidiumsmitglied Thomas Behling. Corona-Kündigungen gab es zum Glück kaum. „Das war nicht der Rede wert“, so Behling.

Die Krise machte den VfL kreativ. Ein Onlineprogramm wurde auf die Beine gestellt, Kurse über Zoom angeboten und Videos zum Nachahmen für die Mitglieder auf der Homepage hochgeladen.

Neuen Angebote sollen erhalten bleiben

„Alle waren hellauf begeistert, dass wir etwas anderes anbieten konnten“, sagt Trainerin und Abteilungsleiterin Turnen Svenja Neise. Die neu aufgestellten Angebote sollen „weiterhin erhalten werden“, sagt Behling. Neues Equipment wurde extra dafür angeschafft.

Abstand ist alles - auch bei der Turngruppe des VfL Eintracht.
Abstand ist alles - auch bei der Turngruppe des VfL Eintracht. © Debbie Jayne Kinsey
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Dennoch ist beim VfL jeder froh, dass endlich wieder auf der Anlage trainiert werden kann. Ein Wegekonzept wurde entworfen, weiße Pfeile auf dem Boden zeigen die richtige Richtung an. Bestimmte Bereiche wurden abgesperrt und sind nur für die Trainer zugänglich, die Trainingszeiten beispielsweise für die Fußballer wurde auf eine Stunde verkürzt, um den Ablauf auf dem Gelände besser steuern zu können.

"Können viel Positives mitnehmen"

Die Krise hat den Verein wieder enger zusammenrücken lassen. „Das Gedankengut hat sich verändert“, sagt Christoph Kröner, Abteilungsleiter Fußball. Die Kommunikation innerhalb des VfL läuft durch Corona wieder intensiver, alle müssen sich untereinander mehr und besser abstimmen.

„Wir können viel Positives aus der Krise mitnehmen. Jetzt haben wir wieder eine Stimmung, die Eintracht heißt“, lobt Kröner. Nicht, dass man sich bei hier vorher nicht auch grün war, aber Corona hat sie zusammengeschweißt – und in eine neue Richtung geschubst.

Plant die
 Zukunft: Thomas Behling aus dem VfL-Präsidium hat klare Ziele. 
Plant die Zukunft: Thomas Behling aus dem VfL-Präsidium hat klare Ziele.  © Debbie Jayne Kinsey

Der Verein war durch den überraschenden Tod des Präsidenten Rolf Jägersberg im vergangenen Winter ohnehin zu einer Neuaufstellung gezwungen. „Das war für uns wie eine Schockstarre“, sagt Behling.

"Projekt 2030"

Corona hat das Bestreben nach einer Veränderung verstärkt. „Projekt 2030“ nennt Behling die neue Richtung, das Konzept für die Zukunft mit allen Abteilungen. „Der Verein muss sich neu aufstellen. So wie es vorher war, geht es nicht mehr weiter.“

Ein Beispiel: die Altersstruktur der Mitglieder. Der Verein will versuchen, jünger zu werden, die digitalen Angebote werden dafür von Nutzen sein. Die optimale Lage fast im Herzen der Stadt soll in Zukunft noch mehr helfen, den Verein attraktiv für neue Mitglieder zu machen.

Virus beschleunigt Umsetzung

„Corona hat uns jetzt in eine Richtung gestoßen, in die uns das Präsidium schon vor der Krise stoßen wollte“, sagt Kröner. Das Virus hat die Umsetzung beschleunigt – aber gleichzeitig das Projekt 2030 auch ein wenig eingebremst, weil durch Corona keine Sitzungen stattfinden konnten. Nach und nach kann jetzt die Planung weitergehen.

Demnächst bekommt der Verein einen neuen Kunstrasenplatz, der sicher noch mal für Zulauf bei Mitgliedern sorgen wird. Dazu sollen auch Wettkämpfe stattfinden. Im Mai fiel das Eintracht-Meeting Corona zum Opfer, jetzt wird es an diesem Samstag nachgeholt – um die Athleten wieder an Wettkämpfe heranzuführen (siehe weiter unten). Auch sie werden nach der langen Pause strahlen.

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Mittlerweile sind Sportfeste wieder erlaubt. Am Samstag (4. Juli) ab 14 Uhr soll das nationale Leichtathletik-Meeting des VfL Eintracht im Erika-Fisch-Stadion nachgeholt werden – etwas kleiner, keine Zuschauer, aber doch national.

"Sie suchen eben alle“

Den Organisatoren um Claudia Nyhuis kam das deutschlandweite Suchen nach Startmöglichkeiten entgegen. Weil ihr eigenes Meeting in Leverkusen abgesagt wurde, suchte die Hochsprunggruppe um Europameister Mateusz Przybylko eine Startmöglichkeit.

„Bitte teilen Sie uns mit, ob ein Start noch möglich ist“, schrieb Bundestrainer Hans-Jörg Thomaskamp. Es war möglich. „So sind wir noch ein wenig nationaler geworden. Sie suchen eben alle“, sagte Nyhuis. „Die Mutigen, die jetzt Sportfeste organisieren, werden eben belohnt.“

Lauf- und Sprungdisziplinen

Samstag steigen neben den Läufen mit Abstand und jeweils einer freien Bahn jetzt noch die Sprungdisziplinen. „Weit und Dreisprung sind kein Problem, beim Hochsprung desinfizieren wir die Matte zwischendurch immer wieder“, erklärt Nyhuis.

Hannovers Top-Zehnkämpfer von 96 sind im Einsatz. Malik Diakite, Marcel Meyer und Cristian Ifrim nehmen ebenso wie ihre 96-Kollegin Lale Eden, Favoritin bei den Frauen, den Hochsprung in Angriff.