27. August 2020 / 19:48 Uhr

Wolfsburger NBA-Experte Voigt: "Protest zeigt, wie groß das Problem in den USA ist"

Wolfsburger NBA-Experte Voigt: "Protest zeigt, wie groß das Problem in den USA ist"

Marcel Westermann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Für meine Begriffe beispiellos: Journalist und VfL-Fan André Voigt findet den NBA-Protest richtig und wichtig.
"Für meine Begriffe beispiellos": Journalist und VfL-Fan André Voigt findet den NBA-Protest richtig und wichtig.
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Aus Protest gegen Rassismus und Polizeigewalt haben Basketball-Profis der nordamerikanischen NBA am Mittwochabend ein Play-Off-Spiel bestreikt. Basketball-Journalist und VfL-Wolfsburg-Fan André Voigt empfindet das als wichtiges und richtiges Zeichen.

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Es ist ein starkes Signal, das Basketball-Profis der nordamerikanischen Profi-Liga NBA gegen Rassismus und Polizeigewalt gesendet haben: Meisterschaftsfavorit Milwaukee Bucks boykottierte am Mittwochabend sein Play-Off-Spiel gegen Orlando Magic nach der jüngsten Polizeigewalt gegen einen Afroamerikaner, dem am Wochenende in den Rücken geschossen wurde. Orlando zeigte sich solidarisch, die NBA sagte die beiden anderen Spiele des Abends ab. Der Wolfsburger Basketball-Journalist und VfL-Fan André Voigt äußerte sich jetzt in einem Video lobend zu dem Boykott.

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Der als Basketball-Experte bekannte DAZN-Kommentator kennt sich aus in den USA, lebte selbst einige Zeit lang dort. Dass die NBA-Profis sich nun vehement gegen Rassismus und Polizeigewalt wehren, findet er richtig und wichtig. "Das ist für meine Begriffe beispiellos", sagte Voigt. "Wenn die Spieler, die diesen Sport ausüben seit sie klein sind, jetzt sagen, sie hören auf, dann zeigt das, wie groß dieses Problem in den USA ist." Inzwischen berichtet "EPSN", dass die NBA-Profis die Play-Offs am Wochenende fortsetzen wollen. Dass der Protest ausgerechnet aus der NBA kommt, wundert ihn aber nicht. "Das ist eine Liga, in der sich Stars immer positioniert und Rassismus angeprangert haben."

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Daniel Theis
 (von links), Dennis Schröder und Maximilian Kleber spielen in der NBA. Zur Galerie
Daniel Theis (von links), Dennis Schröder und Maximilian Kleber spielen in der NBA. © Imago Images

Ähnlich sieht es auch VfL-Profi Josuha Guilavogui, dessen Eltern aus Conakry (Guinea) stammen. "Es tut mir leid, aber Worte reichen nicht. Die Aktion "Black lives matter" ist okay, aber das reicht nicht, um eine bessere Gesellschaft zu haben", betont der Kapitän. Jeder Einzelne müsse sich seiner Verantwortung bewusst sein. "Wir Spieler wissen, dass wir eine Verantwortung haben. Aber es ist nicht genug, um die Leute zu erreichen", ergänzt Guilavogui, der das Video mit dem erschossenen Afroamerikaner "nicht zu Ende anschauen" konnte. "Das ist krank. Wie kann man einen Menschen vor den Augen der Kinder erschießen?!"

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Die Aktion der Basketballer findet Guilavogui klasse. "Es ist einfach, die Knie auf den Boden zu machen und die Faust zu erheben, aber das ist das Stärkste, was man machen kann", so der 29-Jährige. Aber er weiß auch, dass so eine Aktion keine Eintagsfliege sein darf, es muss mehr passieren. So sieht es auch Voigt. "Es ist eine Mammutaufgabe. Ich weiß nicht, ob man diese Menschen ändern kann", so der Journalist. "Wir müssen dahin kommen, dass alle im Stadion aufstehen und sagen, das wollen wir nicht mehr, wenn einzelne Personen Affenlaute von sich geben."

Damit spielte er auf einen Vorfall beim Länderspiel in Wolfsburg zwischen Deutschland und Serbien Mitte März vergangenen Jahres an. "Immer, wenn Leroy Sané am Ball war, war vom Neger die Rede oder vom Affenmenschen. Und immer wieder Neger, Neger, Neger, Neger. Gündogan war der Türke und immer, wenn er am Ball war, wurde Pseudo-Türkisch gesprochen“, hatte der Wolfsburg-Fan in einem fünfminütigen Facebook-Live-Video unter Tränen gesagt. „Ich habe sie darauf aufmerksam gemacht, dass das blanker Rassismus sei. In ruhiger Tonlage, auch wenn ich am Zittern war." Unterstützung habe er damals aber nicht erhalten.