17. Juli 2020 / 13:58 Uhr

VfL-Frauen: Drei Top-Spielerinnen vor ihrer letzten Wolfsburg-Saison?

VfL-Frauen: Drei Top-Spielerinnen vor ihrer letzten Wolfsburg-Saison?

Andreas Pahlmann und Jasmina Schweimler
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Verträge laufen 2021 aus: Fridolina Rolfö, Pernille Harder, Ingrid Engen (v. l.).
Verträge laufen 2021 aus: Fridolina Rolfö, Pernille Harder, Ingrid Engen (v. l.). © Getty Images
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Frauenfußball-Doublesieger VfL Wolfsburg muss sich im nächsten Jahr auf den Abschied mehrerer Top-Spielerinnen einstellen. Dass Pernille Harder geht, steht quasi schon fest - Ingrid Engen und Fridolina Rolfö könnten folgen.

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Bei den Fußballerinnen des VfL Wolfsburg wird noch am Kader für die kommende Saison gebastelt - doch der Blick geht auch bereits ins nächste Jahr. Ralf Kellermann, Sportlicher Leiter der VfL-Frauen, muss bereits jetzt den Abschied von Leistungsträgerinnen im Sommer 2021 einkalkulieren - darunter auch Top-Star Pernille Harder.

Die Dänin hatte bereits in diesem Jahr Abschiedsgedanken, liebäugelte mit einem Wechsel zu Chelsea, wo ihre Freundin Magdalena Eriksson spielt. Doch der englische Klub wollte die in einer Ausstiegsklausel festgeschriebene Ablöse nicht zahlen. Die Verträge beider Spielerinnen laufen nun 2021 aus - dann können sie selbst entscheiden, ob sie ihre gemeinsame Zukunft in London oder anderswo sehen. „Es ist klar, dass wir uns vermissen, daher ist geplant, dass wir spätestens nach Ablauf meines Vertrages wieder miteinander spielen“, hatte Harder bereits im März erklärt. Für Kellermann steht damit fest: "Dass Pernille noch mehr als eine Saison bei uns bleibt, ist im Grunde ausgeschlossen."

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Mit 14 spielte Pernille Harder erstmals für die dänische U16-Auswahl. Zur Galerie
Mit 14 spielte Pernille Harder erstmals für die dänische U16-Auswahl. ©

Unter den Abgängen in diesem Sommer waren bereits zwei Spielerinnen, die der VfL sehr gern behalten hätte - doch Sara Gunnarsdottir (Lyon) und Noelle Maritz (Arsenal) entschieden sich für Wechsel zu europäischen Top-Klubs. Kellermann: "Wir stehen auf dem Transfermarkt in Konkurrenz mit Klubs, deren Namen eine große Strahlkraft haben." Dazu gehören etwa der FC Barcelona, Real Madrid, Manchester United, Arsenal oder eben auch Chelsea. Oft, so Kellermann, "geht es den Spielerinnen gar nicht darum, dass sie da mehr Geld verdienen könnten, sondern auch um den Reiz, für einen dieser Vereine zu spielen. Wer daheim erzählen kann ,Ich spiele für den FC Barcelona', der muss nicht erklären, dass das ein großer Verein ist..."

Und so schwingt bei ihm eine gewisse Skepsis mit, wenn er über die Spielerinnen spricht, deren VfL-Verträge 2021 enden. Ingrid Engen, die hochtalentierte norwegische Mittelfeldspielerin, und Fridolina Rolfö, schwedische Außenstürmerin, haben beispielsweise bisher eher zurückhaltend auf die VfL-Idee reagiert, den Kontrakt in Wolfsburg vorzeitig zu verlängern.

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Auch in der Corona-Krise treiben die Vereine der Frauenfußball-Bundesliga ihre Personalplanungen für die neue Saison voran. Der SPORTBUZZER fasst die wichtigsten Transfers zusammen. Zur Galerie
Auch in der Corona-Krise treiben die Vereine der Frauenfußball-Bundesliga ihre Personalplanungen für die neue Saison voran. Der SPORTBUZZER fasst die wichtigsten Transfers zusammen. ©

Neben Harder, Engen und Rolfö haben auch Lena Goeßling, Anna Blässe, Lara Dickenmann, Zsanett Jakabfi, Joelle Wedemeyer und Torfrau Friederike Abt auslaufende Verträge. Nicht alle, da ist sich Kellermann sicher, werden den VfL verlassen. Aber die Verhandlungen mit denen, die der Verein gern halten würde, könnten sich schwierig gestalten. "Das ist eine Herausforderung", so Kellermann. "Denn es wird Jahr für Jahr schwerer für uns, mit den europäischen Top-Klubs mitzuhalten. Durch unsere Erfolge und Titel haben wir uns allerdings auch einen guten Ruf aufgebaut." Und das mache den VfL attraktiv - um Spielerinnen zu halten oder um bei Bedarf neue zu holen. Dass sich in diesem Jahr mit Lena Oberdorf, Pauline Bremer und Kathrin Hendrich gleich drei deutsche Nationalspielerinnen für den VfL (und damit gegen einen Wechsel nach Spanien, Frankreich oder England) entschieden haben, sei da ein gutes Zeichen.

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Allerdings: Ein Blick auf den aktuellen Transfermarkt zeigt, dass die internationale Konkurrenz längst ernst macht. Bayerns Viertelfinal-Gegner in der Champions-League, Olympique Lyon, verstärkte sich mit Gunnarsdottir, Lola Gallardo (Atletico Madrid), Sakina Karchaoui (Montpellier) und Ellie Carpenter (Portland Thorns). In Paris setzte man währenddessen mit der Verpflichtung von Ramona Bachmann (Chelsea Women) ein Ausrufezeichen. In Spanien startet Atletico Madrid einen neuen Angriff auf die Tabellenspitze und stellte Hedvig Lindahl (VfL Wolfsburg), Pauline Peyraud-Magnin (Arsenal Women), Turid Knaak (SGS Essen), Merel van Dongen (Real Betis), Alia Guagni (Florenz) und Leicy Santos (CD Independiente) als Neuzugänge vor.

In England ist es noch relativ ruhig. Titelverteidiger Chelsea holte im vergangenen Jahr die australische Super-Stürmerin Sam Kerr (die nach Medienberichten bis zu eine Millionen Dollar jährlich verdienen soll) und stellte jetzt bisher drei neue Spielerinnen vor, darunter Melanie Leupolz (Bayern München). Konkurrent Arsenal, der sich überraschend nicht für die Champions League qualifizierte, will die Lücke zur Spitze schließen. Dabei helfen sollen neben Maritz auch Steph Catley (OL Reign), Malin Gut (Zürich) und die Australierinnen Lydia Williams und Caitlin Foord.