21. Februar 2020 / 10:00 Uhr

VfL-Fußballerinnen gegen Potsdam: Das Highlight-Spiel ist kein Top-Spiel mehr

VfL-Fußballerinnen gegen Potsdam: Das Highlight-Spiel ist kein Top-Spiel mehr

Jasmina Schweimler
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Erster gegen Fünfter: Der VfL (links Ewa Pajor) erwartet heute Turbine Potsdam (2. von links Rahel Kiwic) im AOK-Stadion – für Wolfsburgs Trainer Stephan Lerch (r.) ist das immer noch ein Highlight-Spiel.  
Erster gegen Fünfter: Der VfL (links Ewa Pajor) erwartet heute Turbine Potsdam (2. von links Rahel Kiwic) im AOK-Stadion – für Wolfsburgs Trainer Stephan Lerch (r.) ist das immer noch ein Highlight-Spiel.  
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Am Freitag um 19.15 Uhr (live auf Eurosport) empfangen die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg im ersten Heimspiel des Jahres unter Flutlicht Turbine Potsdam. Die vergangenen Duelle waren oft emotional, hitzig und geprägt von einer gewissen Rivalität. Doch wie viel "Top-Spiel" steckt noch in dem Duell?

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VfL gegen Turbine – das ist immer noch eine Art Derby, immer noch ein Spiel mit Brisanz. Eines aber ist das Duell Wolfsburg gegen Potsdam schon lange nicht mehr: auf Augenhöhe. Der VfL Wolfsburg, der heute im ersten Bundesliga-Heimspiel des Jahres auf die Brandenburgerinnen trifft (19.15 Uhr, live auf Eurosport), ist der Konkurrenz weit enteilt.

„Von der Tabellenkonstellation her hatten wir letzte Woche in Hoffenheim ein Top-Spiel“, so VfL-Trainer Stephan Lerch, „gegen Potsdam ist es schon ein Highlight-Spiel, ein Prestige-Duell.“ Aber eben kein Top-Duell. „Es ist eine andere Situation als noch in den vergangenen Jahren, denn da war man auch schon mal Tabellennachbar.“ Aktuell sind die Potsdamerinnen Tabellenfünfter mit zehn Punkten Rückstand auf einen Champions-League-Platz.

Turbine Potsdam gegen Wolfsburg - Die Bilder des Hinspiels

v.l.: Anna Gasper (Potsdam, 7), Lena Goeßling (Lena Goessling, Wolfsburg, 28),, 1.FFC Turbine Potsdam - VfL Wolfsburg, Fußball, Frauen, Bundesliga, Saison 2019/2020, Potsdam, 21.09.2019, Foto: Jan Kuppert Zur Galerie
v.l.: Anna Gasper (Potsdam, 7), Lena Goeßling (Lena Goessling, Wolfsburg, 28),, 1.FFC Turbine Potsdam - VfL Wolfsburg, Fußball, Frauen, Bundesliga, Saison 2019/2020, Potsdam, 21.09.2019, Foto: Jan Kuppert © Jan Kuppert

Potsdams letzter Titel (deutsche Meisterschaft) liegt schon acht Jahre zurück, der VfL gewann seitdem stolze 13 Titel, dominiert neben dem FC Bayern den deutschen Frauenfußball. Bei Turbine dagegen gingen immer wieder Top-Spielerinnen – unter anderem nach Wolfsburg, auch das macht dieses Duell brisant. Vor der Saison waren es Felicitas Rauch und Svenja Huth, in den Jahren davor wechselten unter anderem so herausragende Spielerinnen wie Nadine Keßler, Josephine Henning, Navina Omilade oder Viola Odebrecht aus Brandenburg in die Autostadt.

Potsdam setzt derweil vermehrt auf den Nachwuchs. „Sie haben nach wie vor eine gute Jugendarbeit, davon leben sie“, weiß Lerch. Aber „Jugendspielerinnen haben eventuell nicht direkt das Niveau, in die Spitze reinzustoßen. Deswegen hat Potsdam es etwas schwer, den Anschluss zu halten. Die reinen Frauenfußball-Klubs haben es leider nicht einfach.“

Und so enteilt Wolfsburg dem Rest der Liga – so sehr, dass der VfL selbst hofft, dass die Konkurrenzdichte wieder größer wird. VfL-Innenverteidigerin Lena Goeßling hatte erst kürzlich angemahnt, dass die Liga nicht genügend Top-Spielerinnen hat und dass das Scouting der Vereine wenig bis gar nicht vorhanden ist. Lerch stimmt zu: „Die vermeintlichen Top-Spielerinnen sind allen bekannt, um die wird sich gestritten. Aber es geht keiner mal auf die Suche und schaut nach den Ewa Pajors, die herkommen und dann plötzlich durch die Decke gehen.“

2015 kam Pajor als 18-Jährige nach Deutschland und entwickelte sich beim VfL zu einer Top-Stürmerin. Auch Pernille Harder, heute eine der besten Spielerinnen der Welt, wurde von Ralf Kellermann, dem Sportlichen Leiter der VfL-Frauen, im schwedischen Linköping entdeckt, ehe die Dänin in Wolfsburg zum Top-Star reifte.

Eurosport

Für alle, die beim morgigen Spiel gegen den 1. FFC Turbine Potsdam nicht im AOK Stadion dabei sein können, hat Svenja Huth einen TV-Tipp parat! 👇

Gepostet von VfL Wolfsburg Frauenfußball am Donnerstag, 20. Februar 2020

Was Potsdam national erlebt hat, droht nun allerdings dem VfL international – Top-Spielerinnen wenden sich lukrativeren und vermeintlich interessanteren Projekten zu. So werden unter anderem Sara Gunnarsdottir und Noelle Maritz den Verein verlassen, an Harder gibt es trotz Vertrag starkes Interesse aus England.

Also wird weiter intensiv gescoutet. Beim Algarve Cup etwa oder auch bei Liga-Spielen in Frankreich, wie Lerch bestätigte. Es gehe dann um Talente, die vielleicht noch nicht so bekannt sind, aber viel Potenzial haben. „Irgendwo gibt es diese Spielerinnen, da muss man aber auch etwas für tun. Kellermann habe sich beispielsweise über Jahre „Kontakte und ein Wissen angeeignet, wie kaum ein anderer“. Natürlich gibt es dann nie eine Garantie, dass Spielerinnen auch wirklich einschlagen – aber man „muss es wenigstens versuchen“.

12 Meilensteine aus 75 Jahren VfL Wolfsburg

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Verzichten muss Lerch gegen Potsdam weiter auf Ersatz-Torfrau Friederike Abt (Schulterprobleme) und Sara Gunnarsdottir (Trainingsrückstand nach Kniebeschwerden) verzichten. Dafür dürfte Dominique Bloodworth wieder dabei sein. Die niederländische Top-Innenverteidigerin war beim 5:2-Sieg in Hoffenheim überraschend nicht zum Einsatz gekommen. „Sie war in der Winterpause aufgrund von Rückenbeschwerden lange raus “, so Trainer Stephan Lerch. „Sie ist jetzt diese Woche schmerzfrei gewesen und auf einem guten Weg.“ 

Bis zu 2000 Zuschauer werden heute im AOK-Stadion erwartet, darunter auch viele Auswärtsfans. Lerch freut sich: „Freitagabend, Flutlicht – das ist ein toller Rahmen, die Atmosphäre gibt Kraft und motiviert.“ Das Hinspiel gewann der VfL im Karl-Liebknecht-Stadion mit 3:0, so deutlich wird es nicht unbedingt noch einmal. Lerch: „Gegen Turbine war’s in der Vergangenheit immer leidenschaftlich, es war nie ein Spaziergang.“