24. Mai 2020 / 16:56 Uhr

VfL-Geisterheimspiel: Deutsch-Rap und ein brüllender Trainer

VfL-Geisterheimspiel: Deutsch-Rap und ein brüllender Trainer

Andreas Pahlmann und Engelbert Hensel
RedaktionsNetzwerk Deutschland
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Banner auf der Gegengeraden: So sah es im Stadion beim ersten Geister-Heimspiel des VfL Wolfsburg in der Bundesliga aus.
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Beim Warmmachen erklang die Kabinen-Playlist der VfL-Profis, im Unterrang der Gegengeraden der VW-Arena hingen sieben große Banner - und während des Spiels konnte man die Kommandos des Wolfsburger Trainers Oliver Glasner verstehen: So lief das erste Geister-Heimspiel der Wolfsburger in der Fußball-Bundesliga.

Der VfL gegen Borussia Dortmund - die VW-Arena wäre ziemlich sicher ausverkauft gewesen, aber in Zeiten von Corona müssen die Fans zu Hause bleiben. Und so durften beim ersten Geister-Heimspiel der Wolfsburger in der Fußball-Bundesliga statt 30.000 Fans knapp 300 Menschen in das Stadion. VfL-Manager Jörg Schmadtke treffend: "Jedes Mal, wenn ich ins Stadion fahre, bin ich traurig, dass ich da keine Menschen sehe."

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Für die Wolfsburger war es nach dem Achtelfinal-Hinspiel in der Europa League gegen Donezk bereits das zweite Geister-Heimspiel in dieser Saison, das erste jedoch in der Bundesliga. Der VfL versuchte, die Abläufe so normal wie sonst auch hinzubekommen, aber ganz ging das eben nicht. Durch den Spielertunnel unter der Haupttribüne etwa kam diesmal kein Spieler auf den Platz, einzig die Schiedsrichter nutzten den.

Die VfL-Profis kamen - von der Haupttribüne aus schauend - aus dem rechten Marathon-Tor auf den Platz, um 14.50 Uhr war John Anthony Brooks einer der ersten Wolfsburger, aus den Stadion-Boxen dröhnte der AC/DC-Kulthit "Thunderstruck", die Torhüter um Wolfsburgs Nummer 1 Koen Casteels hatten da schon ein paar Minuten auf dem Platz geschwitzt. Etwa fünf Minuten nach dem VfL kam dann der BVB, angeführt von Weltmeister Mats Hummels, aus dem linken Marathon-Tor auf den Rasen.

Erstes VfL-Geister-Heimspiel in der Bundesliga

Erstes VfL-Geister-Heimspiel in der Bundesliga Zur Galerie
Erstes VfL-Geister-Heimspiel in der Bundesliga ©

Auffällig: Nach dem AC/DC-Knaller wurden viele aktuelle Hits - etwa von den Deutsch-Rappern Apache und Capital Bra - gespielt. Bei den Songs handelte es sich um die Kabinen-Playlist der VfLer. Einige der Spieler schauten beim Anschwitzen Richtung Unterrang der Gegengeraden, die mit sieben großen Bannern abgedeckt war, die eine Choreo simulieren sollten.

Wann dürfen die Fans wieder ins Stadion? Bei einer Webshow des Klubs machte Geschäftsführer Michael Meeske gleich zu Beginn der Sendung klar, dass man sich an diese neue Form des Fußballs gewöhnen muss - und dass Besserung noch nicht wirklich in Sicht ist. Die Frage, wann wieder Fans in Stadion können, gleiche einem Blick "in die Glaskugel", aber klar sei: "Was anderes bleibt gerade nicht." Man spiele in der Liga "viele Szenarien" durch, vielleicht müsse man "die Hinrunde der kommenden Saison noch ohne Zuschauer" spielen, die "Rückrunde vielleicht mit".

Denn: "Wir brauchen Immunisierung flächendeckend, etwa durch einen Impfstoff", da sei es "schwer, eine Perspektive aufzuzeigen". Und man müsse vielleicht auch daran denken, dass "es erst zur darauffolgenden Saison vorbei ist" - also erst im August 2021 die Stadien wieder voll sein können.


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Die VfLer waren sehr bedacht darauf, alle Vorgaben des strengen DFL-Konzepts für Geisterspiele umzusetzen. Die Auswechselspieler saßen nicht auf der Bank, sondern mit Abstand zueinander auf den Tribünenplätzen hinter der Bank - samt Mundschutz. Einzig Trainer Oliver Glasner muss den nicht tragen. Der Österreicher war bei seinen Kommandos mehrmals bestens zu verstehen. In der ersten Halbzeit, als der VfL gegen kombinationssichere Dortmunder wenig entgegenzusetzen hatte, brüllte Glasner immer wieder "raus, raus, raus" - und meinte damit, dass sich sein Team nicht zu weit nach hinten drängen lassen soll.

Nach einer knappen Stunde, als der VfL seine beste Phase im Spiel hatte, rief er: "Wir sind dran!" Das stimmte zu diesem Zeitpunkt - und doch stand der VfL in seinem ersten Geister-Heimspiel der Bundesliga beim 0:2 mit leeren Händen da.

Ein Spiel ohne Emotionen. Dabei sei der Auftrag der Klubs auch, für Unterhaltung zu stehen. "Das bedeutet, dass man Emotionen schürt, dass sich Menschen darüber unterhalten, was wir da tun." Doch das alles "fällt gerade flach. Diese Emotionslosigkeit ist nicht schön", betont Schmadtke. Aber all das müsse jetzt so sein, weil Klubs sonst Schwierigkeiten hätten, den Spielbetrieb aufrechtzuerhalten.